Will Neuerungen fördern: Sozialminister Manfred Lucha. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Stuttgart, Samstag, 16. März 2019

Die meisten pflegen zuhause ohne professionelle Hilfe

Baden-Württemberger wollen einer Umfrage zufolge Unterstützung, wenn sie Angehörige selbst versorgen.

von JENS SCHMITZ

Die meisten Baden-Württemberger möchten einen Angehörigen nur dann zuhause pflegen, wenn sie professionelle Unterstützung erhalten. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für die AOK hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Die Realität sieht anders aus. Und politisch gibt es einander widerstreitende Ansätze.

Die Bereitschaft, einen nahen Angehörigen selbst zu pflegen, war unter den 1011 Befragten zwar relativ hoch. Nur 13 Prozent sagten aber, sie würden die Pflege „soweit es geht, selbst übernehmen“. 69 Prozent können sich das nur mit regelmäßiger Unterstützung eines Pflegedienstes vorstellen, 15 Prozent überhaupt nicht.

Der Alltag der 400 000 Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg spiegelt das nicht wider: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden 56,9 Prozent allein von Angehörigen versorgt, also ohne professionelle Hilfe. Das ist der höchste Prozentsatz im Bundesvergleich.

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hat am Donnerstag eine neue Förderrunde für Innovationsprojekte in der Pflege vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der Entlastung pflegender Angehöriger. Die 15 Projekte dienten als Vorbild, erklärte Lucha; dafür fließen 2,4 Millionen Euro.

Die SPD-Fraktion warf Lucha vor, nichts Dauerhaftes zu schaffen: Seit den Empfehlungen einer Landtags-Enquete-Kommission im Jahr 2016 habe sich zwar auf Seiten des Bundes einiges geändert, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Sabine Wölfle. „Aber eben nicht im Land. Außer dass es jede Menge Modellprojekte gibt, war einfach nichts anderes sichtbar.“ Das sei keine nachhaltige Unterstützung.

Der AOK-Studie zufolge halten es nur 14 Prozent der Menschen für selbstverständlich, einen Angehörigen daheim zu pflegen, wiewohl 83 Prozent eine solche Entscheidung bewundernswert finden. Eine Erhebung der Barmer Ersatzkasse hatte zuletzt ergeben, dass viele pflegende Angehörige körperlich, psychisch und finanziell überfordert sind. Nur ein Drittel der Betroffenen geht demnach arbeiten. In Baden-Württemberg sind knapp 22 000 kurz davor, ihr Engagement einzustellen.

Die SPD-Fraktion fordert unter anderem ein Fünf-Jahres-Programm mit jährlich 500 zusätzlichen Plätzen in der Kurzzeit- und Tagespflege. Mit der Streichung der Landesrahmen-Pflegeplanung habe sich die Regierung aus der Verantwortung gestohlen, rügte Wölfle, die eine Wiederaufnahme ins Ressort von Sozialminister Lucha verlangt. Insgesamt sieht die SPD-Fraktion für die Pflege im nächsten Landeshaushalt einen jährlichen Zusatzbedarf von 130 Millionen Euro. Jens Schmitz

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