Trendsport Snowkiten: Ski und Schirm eingepackt und dann nichts wie raus zum Feldberg. Foto: © BW Toruismus/Christoph Volk/Kiteschule Skywalker
Trendsport Snowkiten: Ski und Schirm eingepackt und dann nichts wie raus zum Feldberg. Foto: © BW Toruismus/Christoph Volk/Kiteschule Skywalker
Trendsport Snowkiten: Ski und Schirm eingepackt und dann nichts wie raus zum Feldberg. Foto: © BW Toruismus/Christoph Volk/Kiteschule Skywalker
Trendsport Snowkiten: Ski und Schirm eingepackt und dann nichts wie raus zum Feldberg. Foto: © BW Toruismus/Christoph Volk/Kiteschule Skywalker

Stuttgart, Samstag, 12. Januar 2019

Outdoor hoch im Kurs

Freizeitaktivitäten draußen finden im Südwesten immer mehr Freunde. Nicht nur das Wandern. Snowkiten und Höhlentouren sind die neuen Kicks.

von VON RAIMUND WEIBLE

Scharf bläst der Wind über den Hügel zwischen Undingen und Willmandingen und treibt die Schneeflocken vor sich her. Der Bolberg, mit 881 Metern höchste Erhebung im Kreis Reutlingen, hüllt sich in Wolken. Dort, wo kurz zuvor das Loipengerät gefahren war, ist keine Spur mehr zu erkennen. Die Tour geht trotzdem über die Sonnenbühl-Runde Richtung Erpfingen. Der Westwind schiebt, so kommt man trotz fehlender Spur gut vorwärts.

Eine ruhige Tour, kein Mensch ist unterwegs. Ein tolles Naturerlebnis, auch wenn es eher Langgehen als Langlaufen ist. Zur Eröffnung der CMT auf der Stuttgarter Messe hat sich die Schwäbische Alb, das Allgäu und der Schwarzwald in eine Wintersportlandschaft verwandelt. Alles ist möglich: Langlaufen, Schneeschuhwandern, alpines Abfahren, Winterwandern. Zu diesen Aktivitäten kommen inzwischen weitere Bewegungsmöglichkeiten. Im Schwarzwald am Schluchsee ist Snowkiting angesagt. Sportliche Menschen lassen sich auf Skiern vom Gleitschirm ziehen.

„Wer zwischen Schwarzwaldhochstraße und Feldberg noch mehr Kick sucht, der nimmt nicht den Lift, sondern das Segel“, empfiehlt die Tourismusgemeinschaft Schwarzwald. Surfschulen bieten Kurse für den komplizierten Umgang mit dem Schirm an. Wer schon Skilaufen oder Boarden könne, habe es einfacher, sagen die Touristiker, aber es gehe auch ohne Vorkenntnisse. Nach ein bis drei Tagen Schulung dürfte jeder in der Lage sein, gegen den Wind zu kreuzen. Könner gehen sogar für kurze Sprünge in die Luft.

Outdoor-Aktivitäten stehen in Baden-Württemberg hoch im Kurs. „Für sehr viele Urlauber sind Ferienreisen gleichbedeutend mit ,draußen sein'“, sagt Professor Martin Lohmann, Berater der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. „Outdoor ist in“, bestätigt Roland Bleinroth, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, „und Baden-Württemberg hat viel zu bieten.“ Darüber kann man sich auf der CMT informieren.

Flüsse durchqueren

Wandern ist längst nicht mehr alles, das Angebot habe sich stark erweitert, sagt Jochen Hintz von Cojote Outdoor Events in Köngen (Kreis Esslingen). Schwindelfreie tummeln sich in den Hochseilgärten, Wassersportler sind in Kajaks und Kanus unterwegs. Manche möchten die Nacht in Naturcamps verbringen, zum Teil ohne Isomatte und Schlafsack. „Mal ein ganzes Wochenende draußen sein, egal bei welchem Wetter, das gefällt immer mehr“, weiß Hintz. Spaß macht auch mal, einen Bach oder einen Fluss zu durchqueren.

Der 48-jährige Sportwissenschaftler mit reicher Erfahrung als Rettungsdienstler und Bergretter nimmt auch Hobby-Speläologen mit auf eine Tour durch die wasserführende Falkensteiner Höhle bei Bad Urach. Solche Touren gibt es laut Hintz nur noch in drei weiteren Höhlen in Europa – „ein Alleinstellungsmerkmal“ für die Alb. Anfänger nimmt er bis zum ersten Siphon mit, etwa 400 Meter vom Höhleneingang. Könner führt Hintz bis zu dreieinhalb Kilometer hinein in die Grotte. Dafür braucht es viel Kondition, Taucherfahrung und mentale Stärke.

Andere Urlauber suchen weniger den Kitzel in der Natur, sondern Spiritualität: Etwa Pilger auf dem Martinsweg. Die St. Martinus-Gemeinschaft in Rottenburg (Kreis Tübingen) hat dafür ein Programm für 2019 aufgestellt, das sie auf ihrem Stand auf der CMT präsentiert. Der Martinusweg führt auf zwei Routen vom Geburtsort des Heiligen im ungarischen Szombathely nach Tours durch die württembergische Diözese mit Martin als Patron.

Einer der Aktivisten ist Wolfgang Bucher aus Nagold-Rohrdorf (Kreis Calw), der früher lange Abschnitte des Jakobswegs begangen hat, inzwischen aber als „Pionier“ die Menschen auf dem Martinsweg begleitet. Er hat auch zahlreiche Routen festgelegt und per GPS fixiert. „Wenn man einmal damit angefangen hat, wird Pilgern zur Sucht“, sagt Bucher lachend, „man kriegt den Kopf frei.“ Mit Schnuppertouren wie von Besigheim nach Horrheim oder von Owingen nach Bisingen machen er und seine Mitstreiter anderen Lust auf das Pilgern. „Man erlebt ein Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe, und man trifft auf der Reise andere Leute.“

Die Martinspilger sind bei Wind und Wetter draußen. Bucher: „Uns macht das nichts, wir haben ja die richtige Kleidung.“

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