„Unser Haus brennt, aber ihr alle seid die Feuerwehr!“
Foto: Lea Irion

Balingen, 15.03.2019

Klimastreik in Balingen: „Unser Haus brennt, aber ihr alle seid die Feuerwehr!“

Zum globalen Klimastreik kamen am Freitag in Balingen 200 Menschen aller Altersklassen. Die geplante Aufräumaktion musste abgesagt werden.

Hunderttausende Menschen gingen alleine in Deutschland am Freitag für eine lebenswertere Zukunft auf die Straßen. Auch die Balinger Ortsgruppe war mit von der Partie und mobilisierte in Kooperation mit dem Organisationsteam aus Albstadt eine eigene Demonstration, zu der rund 200 Menschen aller Generationen erschienen.

Um 11 Uhr starteten die zahlreichen Demonstrierenden mit einem Laufmarsch vor dem Balinger Bahnhof in Richtung Marktplatz. Hierfür sperrte die Polizei kurzzeitig die Durchfahrt von der Wilhelmstraße über den Kreisverkehr ab.

Jeremy Ude und Finn Wiebe leiteten die Gruppe an und gaben immer wieder Parolen vor, die die Klimaaktivisten lautstark wiederholten.

Nicht nur Schüler demonstrieren

Unter den vielen Schülern tummelten sich dieses Mal auch Eltern, Großeltern und sonstige Interessierte, die die Jugendlichen unterstützen wollten. Die 65-jährige Birgit Jansen-Ottilinger aus Winterlingen fertigte extra ein Schild mit der Aufschrift „Grandmothers for future“ an.

 

Jung und alt nutzen die Gelegenheit, um für Klimaschutz zu demonstrieren.
Jung und alt nutzen die Gelegenheit, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Foto: Lea Irion

„Ich bin sehr glücklich darüber, dass es eine Jugend gibt, die auf die Straße geht und gehört werden will“, kommentiert sie. Es ginge schließlich auch um die Zukunft ihrer beiden Enkelkinder. „Ich finde es schön, dass hier so viele Generationen zusammenkommen“, meinte Horst Weber, ein Arzt aus dem Zollernalbkreis.

Bewegung will unabhängig bleiben

Bernd Hempel aus Weilstetten hielt unter Tränen eine bewegende Rede, die an die anwesenden Jugendlichen adressiert war. „Das Haus brennt, aber ihr seid die Feuerwehr, ihr könnt noch etwas ändern“, meinte er. Die Teilnehmer jubelten und applaudierten.

Parteimitglieder der MLPD waren ebenfalls vor Ort und nutzten das offene Mikrofon unter anderem dazu, ihre politischen Ansichten der Öffentlichkeit kundzutun. Die Organisatoren distanzierten sich jedoch klar von der Partei. 

„Wir sind eine unabhängige Bewegung und wir lassen uns von niemandem instrumentalisieren“, kommentierte Leonie Luippold, Organisatorin der Albstädter Ortsgruppe.

NUZ wird kritisiert für eigenen Stand in der Nähe

Der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb, kurz NUZ, baute unweit der Demonstration einen eigenen Stand auf. Hubert Eppler, Ausschussmitglied des Vereins, kritisierte in einer Rede das Verhalten der Firma Holcim und warf dem Unternehmen Vernachlässigung in Sachen Umweltschutz vor. Hierfür erhielt Eppler lautstarke Kritik einer Demonstrantin.

„Lassen Sie doch wieder die Jugendlichen sprechen, das ist nicht Ihre Plattform“, hieß es aus der Menge. Die Organisatoren von Fridays For Future betonten daraufhin erneut ausdrücklich, dass sie sich von keinen Seiten beeinflussen ließen.

Demonstranten kontern Kritik

Trotz des anhaltenden Regens und der andauernden Hasstirade ließen sich die Demonstrierenden ihre gute Laune nicht nehmen. Der 17-jährige Sebastian Triebener fand dazu klare Worte: „Wer uns jetzt noch vorwirft, dass wir nur für's Schuleschwänzen hier sind, der hat einen an der Klatsche“, rief er, was die Menge mit lautstarkem Applaus unterstrich.

Katelynn Lohner konterte die abwertenden Bemerkungen mit Maßnahmen zum Umweltschutz: „Ob wir uns gar nicht für den Planeten einsetzen oder zu viel, kritisiert werden wir sowieso und das ist uns egal“, meinte die Waldorfschülerin, und gab Tipps zu einem nachhaltigeren Lebensstandard.

Aufräumaktion fällt ins Wasser

Das Wetter hielt zwar die Klimaaktivisten nicht vom Demonstrieren ab, unterband jedoch die geplante Aufräumaktion. Jeremy Ude rief die Menge dennoch dazu auf, ihre Umwelt zu säubern und ihm Bilder hiervon zukommen zu lassen.

Laut Ude ist zunächst keine Demonstration geplant, eine Teilnahme beim europaweiten Klimastreik am 24. Mai sei jedoch nicht ausgeschlossen. Zuerst stünde eine Podiumsdiskussion bei der Neckaralb-Regenerativ Messe an, zu der die Gruppe eingeladen wurde.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Ein bißchen mehr Kommunikation (und Kooperation?) ...

... zwischen FFF und dem Verein für NATUR und UMWELT Zollernalb !?

ERSTAUNLICH, dass der Verein für NATUR und UMWELT Zollernalb, sich bei der Demo nicht ebenso äußern darf, wie ein Herr Hempel; setzen sich die Aktiven des Vereins doch mit viel Engagement -und auch schon Erfolg!- für unsere UMWELT und NATUR ein!
Und dies auch über die Kreisgrenzen hinaus.

Da hat wohl irgendjemand bisher noch nicht in den südwestlichen Himmel geblickt.

Scheinbar haben sich weder die o.g. Demonstrantin, noch die Organisatoren von FFF Gedanken gemacht, wie effektiv die Forderungen des Vereins N.U.Z. sein würden, wenn man sie beherzigen würde.
Bei wieviel Einfamilienhäusern müßte man im Winter die Heizung ausschalten, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen?


Also ich würde mir da schon ein bißchen mehr Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Akteuren wünschen!

Günther Scherer
Dormettingen

Josef Scherer, Dormettingen am 16.03.2019 16:29:24
counter