Strahlende Sangesfreude

Frommern, 21.01.2019

Strahlende Sangesfreude beim Konzert von Capella Vocalis

Ein musikalisches Mosaik auf hohem Niveau präsentierten Protagonisten der Capella Vocalis aus Reutlingen in der St. Paulus Kirche in Frommern.

Rund 120 Sänger singen in den Chören der Capella Vocalis aus Reutlingen, die im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feierten. 30 von ihnen gaben ein buntes Konzert in der Frommerner St. Paulus Kirche.

In der katholischen St. Paulus Kirche in Frommern traten Mitglieder der Capella Vocalis auf und präsentierten Werke aus der Klassik und der Moderne. Veranstalter war die evangelisch-mthodistische Kirche Frommern.
In der katholischen St. Paulus Kirche in Frommern traten Mitglieder der Capella Vocalis auf und präsentierten Werke aus der Klassik und der Moderne. Veranstalter war die evangelisch-mthodistische Kirche Frommern. Foto: Thomas Meinert

„Alta Trinita beata“ besingt die Heilige Dreifaltigkeit – das Werk eines unbekannten italienischen Komponisten aus dem 15. Jahrhundert ist seit der Chorgründung das Einzugslied der Knaben bei den meisten ihrer Konzerte und lieferte einen ersten Eindruck des kompakten Chorklanges. Durch überaus kurze und unbetonte Endsilben erhielt der Hymnus einen modernen, beinahe tänzerischen Duktus.

In seiner Begrüßung bedankte sich Pastor i. R. Diederich Lüken als Vertreter der evangelisch-methodistischen Kirche Balingen-Frommern, die das Konzert veranstaltete, bei der Frommerner Gemeinde für die kurzfristige Überlassung der Kirche, da die methodistische Kirche wegen eines Heizungsschadens nicht genutzt werden konnte.

Der Chor begann a capella mit der achtstimmigen Motette „Jauchzet dem Herrn“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und gefiel durch weiche Abphrasierung, gefühlvolles Piano und den Kontrast zwischen den tiefen Bässen und den glockenhellen Knaben-Soprani. Mit ausgeprägter dynamischer Gestaltung folgte das „Ave Verum“ von Camille Saint-Saëns in cantablem Legato. Als Kontrast hierzu bot der Knabenchor zwei Werke der Gegenwart, die von Christian Bonath an der Truhenorgel begleitet wurden: „Joy to the World“ von Georg Friedrich Händel in einer Bearbeitung von John Rutter und die von Chorleiter Bonath komponierte Motette „High and blessed Trinity“, die im Jubiläumsjahr 2018 als Neufassung zum Einzugshymnus entstand.

Helle Stimmen

Die beiden Solisten des Chores präsentierten sich bei den folgenden „Fünf geistlichen Liedern für Solo und Continuo“ von Johann Sebastian Bach: Daniel Merkt und Jan Jerlitschka bezauberten durch ihre hellen Stimmen, deren Strahlkraft durch die gedackten Holzpfeifen der Truhenorgel zusätzlich betont wurde. „Hier lieg' ich nun, o Vater aller Gnaden“, „Das walt' mein Gott“, „Gott, mein Herz dir Dank zusendet“, „Meine Seele, lass es gehen“ und „Ich gnüge mich an meinem Stande“ wurden durch die Knabenstimmen zu berührenden Zeugnissen barocker Frömmigkeit und kindlichen Gottvertrauens. Unterbrochen wurden die fünf Lieder durch den bekannten Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“ – zugleich auch das Motto des Konzertes, und von den Ausführenden in raschem Tempo vorgetragen. Mit der Bach-Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ beendete der Gesamtchor den Barocken Mittelteil des Konzertes.

Wechsel in die Gegenwart

Nun wechselte Christian J. Bonath von der Truhenorgel ans E-Piano und das Repertoire wieder in die Gegenwart: Mit der vom Chorleiter komponierten dreistimmigen Motette „God so loved the world“ erklang ein Werk, bei dem nur die Soprani und Alti besetzt waren. Im anschließenden „Look at the world“ von John Rutter gefiel der Gesamtchor durch eine lebendige Agogik, und beim unbegleiteten Mittelteil ließ das Dirigat Bonaths den Chorklang spürbar aufblühen, passend zum Text, der das Aufblühen in der Natur beschreibt. Beim folgenden a capella vorgetragenen „Locus iste“ von Anton Bruckner beeindruckten die Sänger durch einen weichen kantablen Klang mit hellen Tonspitzen.

Die nachfolgenden drei Werke für Alt-Solo, vierstimmigen Chor und Orgel op. 96 von Felix Mendelssohn-Bartholdy wurden von Christian Bonath ebenfalls am E-Piano begleitet und ließen Jan Jerlitschka mit seiner Altus-Stimme in den Vordergrund treten: „Lass, o Herr, mich Hilfe finden“ wurde zu einem flehenden, gesungenen Gebet, dessen Intensität beim „Deines Kinds Gebet erhöre“ noch gesteigert wurde. Über der zurückhaltenden Instrumentalbegleitung entstand ein bezaubernder Dialog zwischen Solostimme und Chor, der dem Motto des Knabenchores „Klingende Freu(n)de“ eindringlichen Ausdruck verlieh. „Herr, wir trau'n auf deine Güte“ wurde zum Schlusspunkt des Konzertes, und die Schlusszeile des Textes „danken freudig immerdar“ zu einem berührenden Ausdruck der großen Sangesfreude, die die jungen Sänger und ihr künstlerischer Leiter während des gesamten Konzerts ausstrahlten.

Das Publikum dankte mit anhaltendem Applaus und Veranstalter Lüken mit Schokolade für die Sänger.

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