Schömbergs Fasnet in Geschichten

Schömberg, 28.11.2018

Unsere Heimatmuseen: das Schömberger Narrenmuseum

Seit 30 Jahren gibt es das Narrenmuseum in der kleinen Stadt im Oberen Schlichemtal. Robert Licht und Berthold Wuhrer führen dort die Besucher durch über 200 Jahre gelebte Tradition. Mit Fotostrecke.

Seit 30 Jahren gibt es das Narrenmuseum in Schömberg. Wie lange allerdings die Schömberger schon Fasnet feiern, ist unbekannt. Das lässt sich auch nicht mehr ermitteln, denn der große Stadtbrand zerstörte 1750 fast alles.

Unsere Heimatmuseen: das Schömberger Narrenmuseum

Damals brannte das Städtle nieder – bis auf die Kirche und vier Häuser. In einem vom Brand verschonten Gebäude hatten wohl Narrenhäser überlebt. „Die sind leider nicht mehr vorhanden“, erzählt Robert Licht.

Der 76-Jährige führt zusammen mit Berthold Wuhrer die Besucher durch das Narrenmuseum.

Ursprung der Fasnet im Städtle unklar

Der Fund aus der Zeit vor dem Brand ist mehr Legende als Realität, ein Fragezeichen, das aus dem Dunkel der Geschichte in die Gegenwart hineinragt.

Die erste urkundliche Erwähnung des närrischen Brauchtums verortet die Zunft dann auch im Jahr 1796. Ab diesem Datum lässt sich die Schömberger Fasnet quellenmäßig nachverfolgen.

„Es gab aber garantiert schon Fasnet vor dem Stadtbrand“, ist sich Robert Licht sicher. Denn die Larven und die Figuren auf dem bemalten Häs weisen ins Barock.

Älteste Ausstellungsstücke sind über 200 Jahre alt

Einige dieser uralten Narren warten heute auf die Besucher im Narrenmuseum, um mit Hilfe von Robert Licht ihre Geschichte und Geschichten zu erzählen. Die ältesten Exponate sind wohl vor 1800 entstanden.

Die nachweislich älteste Figur ist der Alte Harzer, der allerdings nicht im Museum steht, sondern in Privatbesitz ist. Die Gesichtszüge dieser Einzelfigur der Schömberger Fasnet erinnert mit seinem verschmitzten Lächeln entfernt an das geheimnisvolle Schmunzeln der Mona Lisa. Auf seinem Häs ist die Jahreszahl 1812 eingenäht.

Neben den historischen Fuchswadel, Narren und Husaren, dem Halbschwarzen und der Warze bietet das Narrenmuseum auch einen Überblick über das Brauchtum an der Fasnet – und gewährt dadurch einen Einblick in das Leben einer kleinen Stadt in den vergangenen Jahrhunderten.

Historische Fasnet kann nicht ohne Kontext betrachtet werden

Denn Fasnet kann nie isoliert von den damaligen Verhältnissen betrachtet werden. Fasnet fand das ganze Jahr über statt – allerdings nicht auf der Straße, sondern in den Stuben.

Vor allem, wenn die Ernte eingebracht war und die Nächte länger wurden. Dann trafen sich die Frauen, um den so genannten Sausoach, die bunten Verzierungen aus Wolle, zu spinnen, der dann auf das Leinenhäs der Narren aufgenäht wurde.

Oder man faltete Papierblumen, die man alternativ zum doch etwas kostspieligeren Sausoach zum Verzieren benutzte. Der Schmied fertigte das Gschell und die Larvenschnitzer schnitten die sanftmütigen Konturen von Fuchswadel und Narr aus dem noch sperrigen Lindenholzblock.

Im Narrenmuseum in Schömberg können diese alten Fertigkeiten nachvollzogen werden.

In Schömbergs Alter Schule (oben) ist das Narrenmuseum untergebracht. Im Museum werden die Abläufe beim Larvenschnitzen verdeutlicht (unten).
In Schömbergs Alter Schule (oben) ist das Narrenmuseum untergebracht. Im Museum werden die Abläufe beim Larvenschnitzen verdeutlicht (unten).

Auch die Stadtkapelle mit ihren verschiedenen Uniformen darf in der Darstellung der Schömberger Fasnet nicht fehlen. Oder das so genannte Maschgera, die närrische Form des Lichtgangs.

Knapp 50 Exponate hat die Schömberger Narrenzunft gesammelt und im Narrenmuseum aufgestellt. Der langjährige Narrenrat Robert Licht freut sich aber nicht nur über die kulturhistorisch hochwertige Ausstellung, sondern auch über die Räume, wo sie präsentiert wird.

Alte Schule sollte gar nicht mehr stehen

Die Alte Schule ist das Schmuckstück der Schömberger Altstadt und sollte vor einigen Jahrzehnten eigentlich abgerissen werden. Da spielte aber das Denkmalamt nicht mit und die Stadt entschied, das 268 Jahre alte Gebäude zu sanieren.

Im zweiten Obergeschoss fand sich Platz für die Narrenzunft, die hier das Museum eingerichtet hat.

Bis zu 500 Besucher jährlich lassen sich von Licht und Wuhrer durch die Räume führen und erfahren viel über die Schömberger Stadtgeschichte und noch mehr über die Städtlefasnet.

Vor der Fasnet ist natürlich mehr Publikumsverkehr als im Hochsommer – obwohl zwischenzeitlich immer mehr Touristen kommen.

Und so ganz nebenbei erfahren die Besucher noch etwas über die Schömberger Schulgeschichte. Denn bis 1953 waren hier Rathaus und Schule untergebracht. Einer der Schüler damals: Robert Licht.

 

Info

Öffnungszeiten Das Narrenmuseum in Schömberg kann nach Voranmeldung besucht werden. Unter der Telefonnummer 07427/2612 kann man einen Termin vereinbaren. Der Eintritt ist frei.

Weitere Museen Einen Überblick über weitere Museen im gesamten Zollernalbkreis gibt es auf zollernalb.com unter „Entdecken“.

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