Unsere Heimatmuseen: das Tailfinger Maschenmuseum

Albstadt-Tailfingen, 07.11.2018

Unsere Heimatmuseen: das Tailfinger Maschenmuseum

Nur stille Objekte betrachten? Das gibt es im Maschenmuseum in Albstadt nicht. Hier können die Maschinen rattern, Hörstationen und Filme laden zum Lauschen und Schauen ein und bei all den vielen technischen Fakten steht doch der Mensch immer im Zentrum.

von Holger Much  

Preise und Auszeichnungen hat das Maschenmuseum in Tailfingen mehrere eingeheimst. Einer davon war unter anderem der Preis des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen für ein „Vorbildliches Heimatmuseum“. Und das ist das Maschenmuseum natürlich in gewisser Weise.

Leiterin Susanne Goebel vor der großen Dampfmaschine im Foyer des Tailfinger Maschenmuseums.
Leiterin Susanne Goebel vor der großen Dampfmaschine im Foyer des Tailfinger Maschenmuseums. Foto: Holger Much

Vor 22 Jahren wurde das Maschenmuseum gegründet. Aufsehenerregend war schon damals die ansprechende Mischung aus moderner klarer Optik, moderner Museumstechnik wie beispielsweise Stationen mit Hörbeiträgen oder Bilderschaukästen. Als Museum, das die lange Geschichte der Maschenindustrie im Raum Albstadt von 1750 bis heute darstellt, ist es Industriemuseum und Heimatmuseum in einem.

Der sozialhistorische Schwerpunkt, der der Gründerin und Museumsleiterin der ersten Stunde, Susanne Goebel, stets am Herzen lag, sorgt dafür, dass der Besucher sofort mit hineingenommen wird in die reiche und spannend erzählte Geschichte der Maschenindustrie im Albstädter Raum. Denn stets steht der Mensch und sein Alltag im Mittelpunkt.

Allerlei Rundwirk- und Rundstrickstühle führen den Besuchern live vor Augen, wie der dehnbare Trikotstoff früher hergestellt wurde.
Allerlei Rundwirk- und Rundstrickstühle führen den Besuchern live vor Augen, wie der dehnbare Trikotstoff früher hergestellt wurde. Foto: Holger Much

Von der bäuerlichen Selbstversorgungswirtschaft zu frühindustriellen Produktionsformen, von der Industrialisierung über die Heimarbeit der Frauen bis hin zur modernen Produktion reicht die breite Palette der Themenbereiche. Untergebracht in einem ehemaligen Gebäude der Textilmaschinenfabrik Mayer & Cie vermitteln die Räumlichkeiten beim Rundgang eine authentische Atmosphäre früherer Arbeitsbedingungen.

Objekte aus einer anderen Welt

Ein alter Handculierstuhl, das Arbeitsgerät der Strumpfweber, verweist auf die Ursprünge der handwerklichen Trikotagenproduktion und wirkt als Objekt an sich schon wie ein fremdartiges Überbleibsel aus einer gänzlich anderen Welt. Des weiteren erwarten die Besucher Spulmaschinen, Rundwirkstühle und Rundstrickmaschinen, Zuschneidemaschinen, ein Konfektionstisch von 1920, also Maschinen aus nahezu sämtlichen Produktionsbereichen.

Die Figur der Hausiererin Dona zeigt, wie beschwerlich das Leben in der „guten alten Zeit“ war.
Die Figur der Hausiererin Dona zeigt, wie beschwerlich das Leben in der „guten alten Zeit“ war. Foto: Holger Much

Das besondere am Maschenmuseum ist hierbei: Die Exponate stehen nicht sorgsam eingemottet hinter Glas, sondern sind funktionstüchtig. Die Rundwirkstühle werden bei Führungen in Bewegung gesetzt, ihr Rattern und der Tanz der feinen Nadeln vermittelt unglaublich viel davon, wie es damals in den Sälen der großen Trikotfabriken zugegangen ist.

Die Ausstellung verdeutlicht auf mehreren, großzügig gestalteten Ebenen den Produktionsablauf vom Rohstoff bis zum fertigen Endprodukt. Eine historische Dampfmaschine und nahezu alle anderen Maschinen wurden seinerzeit von den Mitgliedern des Arbeitskreises Maschenmuseum restauriert und vermitteln nun hautnah Geschichte, wenn sie wie damals ihre Stoffschläuche produzieren.

Auch Textilkunst hatte schon immer seinen Platz im Museum.
Auch Textilkunst hatte schon immer seinen Platz im Museum. Foto: Holger Much

Das Maschenmuseum war von Anfang an als lebendiges Museum geplant – diese Ausrichtung wurde gehalten. Neben der im wahrsten Sinne des Wortes an sich schon bewegten Ausstellung zieht das Maschenmuseum immer wieder mit zahlreichen Sonderausstellungen und aufsehenerregenden Aktionen die Besucher an. So waren im Obergeschoss bereits zahlreiche Kunstausstellungen mit Bezug zum Thema Textil zu sehen, Veranstaltungen wie die Mottoparty „Kunst am Kopf“, unterschiedlichste Konzerte im Foyer oder seit Neuestem der „Kleidertausch & Kaffeeklatsch“ gehören zum bunten Angebot des einzigartigen Museums dazu.

Unsere Heimatmuseen: das Tailfinger Maschenmuseum

Stiftung Kunst, Bildung und Kultur – In der Region für die Region

Mit ihren fünf Stiftungen engagiert sich die Sparkasse Zollernalb für die Menschen im Zollernalbkreis. Eine davon, die Stiftung Kunst, Bildung und Kultur, fördert jetzt 35 Heimatmuseen mit insgesamt 33500 Euro.

Stiftung fördert Heimatmuseen

„Heimatmuseen sind wichtige Einrichtungen. Hier findet Erinnerungskultur statt, wird Vergangenes bewahrt für zukünftige Generationen und Identität, auch in kleinen Orten geschaffen. Das ist uns sehr wichtig“, sagte Martin Schäfer Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Kunst, Bildung und Kultur (KBK) zur Begründung des Engagements der Stiftung.

Die Arbeit der Heimatmuseen, so Schäfer weiter, entspreche zu 100 Prozent dem Stiftungsgedanken, denn die Sparkasse Zollernalb hat die Stiftung KBK vor sieben Jahren gegründet, um Kunst zu fördern, Kultur zu unterstützen und Bildung voranzubringen. Dadurch soll das Leben im Zollernalbkreis bereichert werden.

Die mit einer Million Euro ausgestattete Stiftung KBK hat bisher Vereine und Einrichtungen unterstützt, die in diesen Bereichen tätig sind und das Leben im Zollernalbkreis bereichern. Rund 220 Anträge wurden gestellt und 381 505 Euro seit ihrer Gründung ausgeschüttet. Alle zwei Jahre richtet die Stiftung zudem einen Bildungswettbewerb für alle Schulen im Zollernalbkreis aus. Gefördert werden zukunftsweisende Projekte und Ideen von Schulen.

Ehrenamt wertschätzen

„Mit der finanziellen Unterstützung zeigen wir unsere Wertschätzung für das langjährige Engagement der Ehrenamtlichen, Vereine und Arbeitsgemeinschaften, die die Heimatmuseen liebevoll mit selbst gesammelten Gegenständen aus dem täglichen Leben eingerichtet haben und betreiben. Wir hoffen, dass die Organisatoren dadurch wichtige Projekte anstoßen können und die Museen dadurch stärker ins Licht der Öffentlichkeit gelangen. Es ist bemerkenswert, was hier geleistet wird“, sagt Jürgen Ulrich, stellvertretender Vorsitzender des KBK-Stiftungsvorstands bei der Sparkasse Zollernalb.

Info Näheres gibt es auf sparkasse-zollernalb.de/stiftungen.

Info

Maschenmuseum, Wasenstraße 10 in Tailfingen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag, Feiertage 14 bis 17 Uhr. Weitere Infos: Telefon 07431/ 1601485 oder Tourist-Info: 07431/1601204.

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