Albstadt/Hechingen, 17.04.2018

Es handelt sich teils um härteste Kinderpornografie

Ein 50-jähriger Albstädter muss sich ab 30. April vor dem Landgericht Hechingen verantworten.

Einem 50-jährigen Mann aus Albstadt wird vorgeworfen, ein Forum für Kinderpornos im so genannten Darknet betrieben zu haben. Wie Volker Schwarz, Vorsitzender Richter sowie stellvertretender Pressesprecher am Landgericht Hechingen auf unsere Anfrage bestätigt, sitzt der Mann bereits seit dem 3. November 2017 deswegen in Untersuchungshaft.

Am 9. April hat die Große Strafkammer die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet. Am 30. April beginnt die Verhandlung in Hechingen. Wie Gerichtssprecher Schwarz informiert, legt ihm die Staatsanwaltschaft zur Last, zusammen mit anderen Beteiligten das Forum zur Verbreitung von Kinderpornografie nicht nur betrieben zu haben, sondern in konkret fünf Fällen „kinderpornografische Schriften“ – unter diese juristische Formulierung fallen Texte, Bilder und Filme – verbreitet und an andere weitergegeben zu haben.

Auch soll er laut Anklageschrift selbst größere Mengen unterschiedlichster Kinderpornografie besessen haben. Dies habe eine polizeiliche Durchsuchung bei dem Angeklagten, vermutlich in dessen Wohnung, ergeben. Zugang zu dem international genutzten Forum erhielten die Teilnehmer nach bisherigen Ermittlungen durch die Installation eines so genannten Tor-Browsers, welcher für jedermann zugänglich über eine Vielzahl von Internetseiten geladen und installiert werden konnte.

Missbrauch angedeutet

Wie sich Pressesprecher Volker Schwarz ausdrückt, handele es sich bei dem Material, mit dem es der angeklagte Albstädter zu tun hatte, „um teilweise härteste Kinderpornografie“. Zudem habe der 50-Jährige in dem von ihm und einem 45-jährigen Mann aus Hessen betriebenen Forum Moderatorentätigkeiten ausgeübt. Konkret bedeutet dies wohl, dass er den Besuchern und Kunden des Forums Tipps gab, wie die Regeln im Forum funktionierten und wie sie sich verhalten sollten.

Wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift formuliert, seien in den Chats des Darknet-Forums wohl auch konkrete Kindermissbrauchsfälle angedeutet und verabredet worden. Ob diese dann auch tatsächlich stattgefunden haben, kann laut dem Pressesprecher des Landgerichts aktuell noch nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Sollte sich im Verlauf der Verhandlung der Vorwurf der Staatsanwaltschaft bewahrheiten, nämlich das bandenmäßige Betreiben dieses Forums im Darknet, dann, so der Pressesprecher des Hechinger Landgerichts, würde den inhaftierten Albstädter eine Strafe von mindestens sechs Monaten bis maximal zehn Jahren erwarten. Das sei der Strafrahmen, den der Gesetzgeber für solch eine Tat festgesetzt habe.

Zur Verhandlung ist auch ein forensisch-psychiatrischer Sachverständiger geladen, der klären soll, ob bei dem Angeklagten eventuell ein psychiatrischer Befund festzustellen ist. Wie lange die Verhandlung insgesamt dauern werde und wann mit einem Urteil gerechnet werden kann, steht laut Volker Schwarz zum momentanen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Aufgrund umfangreicher polizeilicher und staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen seit Frühjahr 2017 konnten im November 2017 und März 2018 zwei Tatverdächtige im Alter von 45 und 50 Jahren festgenommen werden, wie die Staatsanwaltschaft Hechingen in einer Pressemitteilung informiert. Einer der Festgenommenen war der 50-Jährige aus Albstadt. Ein 45-jähriger Hesse fungierte als Betreiber der Seite. Die Plattform hatte weltweit Zehntausende Nutzer. Die Täter sollen das Forum in der Zeit zwischen 2016 und 2018 betrieben haben.

Ermittlungen laufen weiter

Beide Angeklagten haben die ihnen zur Last gelegten Taten offenbar eingeräumt. Ermittlungen zu weiteren Beteiligten des Forums und des Chats laufen derzeit weiter. Das Forum sowie der Chat ist laut der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Hannover mittlerweile deaktiviert.

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Kommentare unserer Leser

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Prozess

In anderen Ländern der Erde herrscht in solchen Fällen Standesrecht!!

Stefan Buck, Balingen am 24.04.2018 18:02:32
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