Energie aus schwarzen Brocken
Auf Balinger Kläranlage wird seit Dienstag Klärschlamm maschinell getrocknet
Balingen, 09.12.2010 von Klaus Irion
Siegfried Sautter ist zufrieden. „Die Klärschlammtrocknungsanlage ist seit Dienstag im Probelauf und hat von Beginn an problemlos funktioniert.“ Sautter ist Betriebsleiter in der Kläranlage des Zweckverbands Abwasserreinigung Balingen und dieser Tage voll des Lobs ob der neuen Einrichtung. Probelauf, das heißt, dass derzeit noch Spezialisten der Sülzle-Kopf-Gruppe (SKK) damit beschäftigt sind, die Anlage zu justieren. Beispielsweise dafür zu sorgen, dass künftig die richtige Menge Klärschlamm in der richtigen Geschwindigkeit dem Trockner zugeführt wird. Sautter rechnet damit, dass der gesamte Betriebsablauf der Klärschlammtrocknung und -vergasung einen der derzeit zehn Kläranlagenmitarbeiter binden wird. Ob der Zweckverband dafür über kurz oder lang eine weitere Stelle schafft, sei noch nicht abzusehen.
Und wurde auch am vergangenen Dienstag bei der turnusmäßigen Sitzung des Zweckverbands – zumindest öffentlich – nicht besprochen. Dafür wurde den Verbandsvertretern von Joachim Hölle (Ingenieurbüro Götzelmann und Partner) ein Glasgefäß mit schwarzen Brocken präsentiert: „Die ersten Brocken getrockneten Klärschlamms.“ Getrocknet heißt, dass der Anteil an Wasser von rund 90 Prozent auf zehn Prozent reduziert wurde. Das getrocknete Metarial wird nun vergast, das Gas in ein Blockheizkraftwerk geleitet, das wiederum Teile der Kläranlage mit Wärme und Strom versorgt.
Diese Nutzung sei aber laut Hölle nicht der einzige Vorteil der Anlage. Schließlich weise der derzeitige Entwurf für eine neue Klärschlammverordnung wesentliche strengere Schadstoff-Grenzwerte auf, „so dass sicherlich viel Material künftig nicht mehr wie bisher auf Ackerflächen ausgebracht werden darf“.
Rund 6900 Tonnen Klärschlamm können jährlich in der Balinger Anlage getrocknet werden. Davon bleiben rund 2800 Tonnen getrockneter Schlamm und rund 1200 bis 1300 Tonnen Schlacke übrig. Letzteres sei eine „vernachlässigbare Menge“ (Hölle), die gesetzlich geregelt auf einer normalen Bauschuttdeponie gelagert werden könne. „In diesem Fall auf der Weilstetter Deponie Hölderle“, ergänzt der Geschäftsführer des Zweckverbands, Michael Weitzl.
