Experiment endet in der Klinik
Zwei Jugendliche geraten durch Rauchen von Joint in Lebensgefahr
Zollernalbkreis, 04.11.2010 von Jasmin Alber
„Ein Fall in diesem Ausmaß ist der erste im Kreis“, so Lambert Maute, Pressesprecher der Polizeidirektion Balingen. Ein 18-Jähriger kaufte auf legalem Weg die Kräutermischung „Monkee go Bananas“ – unseren Informationen zufolge in einem Albstädter Geschäft, in dem hauptsächlich Zubehör für den Cannabiskonsum wie Wasserpfeifen, Reinigungszubehör, Tabak und spezielles Zigarettenpapier angeboten werden. Drogen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, dürfen in diesem Shops allerdings nicht verkauft werden.
Wie die Polizei mitteilt, rauchte der 18-Jährige das Kräuter-Tabak-Gemisch zusammen mit seinen beiden jüngeren Brüdern. Die Auswirkungen der Mixtur und der darin enthaltenen chemischen Substanzen waren verheerend: Die 14- und 15-jährigen Brüder mussten im Krankenhaus künstlich beatmet und auf der Intensivstation versorgt werden, befanden sich laut Polizei zeitweise in Lebensgefahr. Der 18-Jährige musste ebenfalls im Krankenhaus ärztlich versorgt werden.
Auf Nachfrage teilte die Polizei mit, dass die konsumierte Kräutermischung dem mittlerweile verbotenen „Spice“ ähnlich sei. Die Substanzen der Inhaltsstoffe fallen (noch) nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, erzielen aber eine Wirkung wie durch den Konsum von Marihuana. Das Gefährliche an diesen „Mode-Ersatzdrogen“ ist die unberechenbare Wirkung, die durch die Kombination von Kräutern und künstlichen Inhaltsstoffen entsteht. Viele chemische Wirkstoffe entfalten ihre unwägbaren Effekte erst durch das Rauchen. Zudem stellen die ungenaue und ungleichmäßige Verteilung der Substanzen in der Mischung ein hohes Risiko der Überdosierung dar. Die genaue Wirkung der synthetischen Zusätze, die beim Rauchen entstehen, könne außerdem nicht eingeschätzt werden und sei von Mensch zu Mensch verschieden, erklärt der Polizeisprecher.
Das Rauchen von scheinbar harmlosen Kräutern ist theoretisch allen über 18 Jahren erlaubt. Bei Polizeikontrollen seien zwar schon Jugendliche aufgefallen, die Kräutermischungen wie „Spice“ konsumiert hätten, sich aber in keinem gesundheitlich kritischen Zustand befanden.
Seit die Kräuterdroge „Spice“ in Umlauf kam und vor gut zwei Jahren in Deutschland verboten wurde, treffen sich in Onlineforen viele Jugendliche und junge Erwachsene, um sich über Alternativen auszutauschen. Hier werden „Rezepte“ für Kräuterjoints online gestellt. Auch haben die Nutzer keine Scheu, Testberichte über Kräutermischungen zu veröffentlichen oder Tipps für den gewünschten Rauschzustand zu geben. In einem sind sich die Nutzer einig: „Monkee go Bananas“ habe eine sehr starke Wirkung. Viele berichten von einem deutlich stärkeren Effekt als Marihuana hervorruft, klagen über Verfolgungswahn, zeitweisen Gedächtnisverlust oder extremes Herzrasen.
Die Hersteller und Händler dieser Räuchermischungen weisen meist darauf hin, dass es sich um einen Raum- oder Autoduft handle und raten von der Inhalation ausdrücklich ab, um nicht haftbar gemacht zu werden.
Die Kriminalpolizei Balingen hat bereits am Freitag die Ermittlungen aufgenommen. Gegen die Ladenbetreiberin wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei der Durchsuchung der Ladenräume wurden noch vorhandene Packungen der Kräutermischung eingezogen.
