Viel Arbeit für fünf Liter sauberes Trinkwasser
Albstadt und Chambéry unterstützen Projekte in Bisoro – Über jede Spende dankbar
Albstadt-Ebingen, 23.10.2010
Seit einigen Jahren organisieren die Partnerschaftsgremien in Chambéry und Albstadt gemeinsam bestimmte Projekte der Entwicklungshilfe in der burundischen Patengemeinde Bisoro. Solche arbeitsteilige Dreiecksbeziehungen gelten bei der EU als besonders wertvoll, weil nachhaltige Projekte entstehen. In diesem Jahr stehen zwei Initiativen im Fokus....
Zum einen geht es um eine entscheidende Verbesserung der Wasserversorgung, also ein Großprojekt. Dazu muss man wissen, das Bisoro eine Gemeinde ist, in welcher mitten in Afrika rund 40 000 Einwohner, gleichmäßig verteilt auf 15 Hügeln auf ihren privaten Grundstücken in kleinen Hütten in ca. 1900 Meter Höhe nahe am Äquator leben. Man stelle sich folglich als Gemeindefläche das Eyachtal von Ebingen bis Balingen (180 Quadratkilometer) vor.
Rolf Armbruster, beim Albstädter Arbeitskreis Chambéry mit zuständig für das Burundi-Projekt, erläutert: „Seit Jahren erreicht uns der Ruf aus Bisoro nach sauberem Trinkwasser. Die Menschen holen verunreinigtes Wasser aus Bächen, weshalb sie selbst und auch die Tiere vielfach unter Darmerkrankungen leiden, was die hohe Quote der Kindersterblichkeit und die insgesamt geringe Lebenserwartung der Menschen von knapp 50 Jahren erklärt“. Das Partnerschaftskomitee in Chambéry hat sich mit Hilfe der französischen Arbeitsgruppe Hydrauliques Sans Frontières (HSF = Wasserstellenbauer ohne Grenzen) mit finanzieller Unterstützung aus Albstadt an die Arbeit gemacht, um eine einfache und preiswerte Versorgung mit sauberem Trinkwasser zu planen.
Zwei Ingenieure waren vier Wochen in Bisoro und entwickelten ein Konzept, wonach hoch liegende Quellen im westlichen Teil von Bisoro gefasst und das Wasser mit natürlichem Gefälle in den nordöstlichen Teil geleitet wird, so dass mit seitlichen Stichleitungen von jedem Haus der Markungsfläche in maximal 500 Meter Entfernung an einer Wasserstelle fünf Liter sauberes Trinkwasser pro Tag und Person entnommen werden kann. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Prokopf-Verbrauch im Schnitt bei 130 Liter pro Tag.
Die Bauzeit wird auf viereinhalb Jahre geschätzt. Rund zwei Millionen Euro soll das Projekt kosten. 200 000 Euro will Chambéry mit Albstädter Unterstützung aufbringen. Über jegliche Spenden ist man also dankbar. Rund 1,5 Mio. Euro werden von der EU erwartet. Den Rest muss Bisoro über praktische Eigenleistungen erarbeiten.
Das zweite gemeinsame Projekt ist deshalb besonders hilfreich, weil in Burundi Französisch Behördensprache ist, weshalb im Unterricht französische Lehrbücher benützt werden. Zirka 5000 Bücher aller Schularten, (Spenden von Bibliotheken der Universität Grenoble und diverser Schulen aus Chambéry) wurden zusammen mit 15 Computern zur sprachlichen Unterstützung von Lehrern und Schülern nach Bisoro verschickt.
Weitere Projekte werden über Albstadt allein finanziert. So entsteht zurzeit im Teilort Bisoro/Gasenyi eine neue zwölf-klassige Grundschule für 590 000 Euro. Es ist das achte Unterrichtsgebäude, das zu 77 Prozent vom Bund, 10 Prozent über Spenden aus Albstadt und zu 13 Prozent von Bisoro vorwiegend über praktische Eigenleistungen finanziert wird. Letzteres ist laut Armbruster wichtig, weil die Bisoroer in der Folgezeit sorgfältiger mit den selbst gefertigten Gebäuden und Einrichtungen umgehen, wie eine ehemalige Angestellte der deutschen Botschaft in Burundi feststellen konnte.
Bildungshungrig sind vor allem die Frauen in Bisoro. Nachdem seit Januar 2008 die Alphabetisierung von 1800 Frauen finanziert werden konnte, werden ab diesem Monat erneut 300 junge Mütter wöchentlich an drei Nachmittagen die Schulbank drücken und buchstabieren. Etwa 30 Euro kostet die Alphabetisierung einer Frau. Es ist für die Frauen kaum fassbar, dass es da irgendwo in Deutschland Menschen gibt, welche dafür sorgen, dass sich ihre Lebensumstände deutlich verbessern Es warten aber immer noch ungefähr 1500 Interessentinnen, dass sie ihre Chance bekommen.
