„Wieder trifft es die Erdbebenopfer am härtesten“
Rosenfeld-Leidringen, 12.10.2010 von Rosalinde Conzelmann
„Es regnet jeden Tag. Es donnert, der ganze Himmel ist schwarz. Dann regnet es wieder, und man schaut zu, wissend, dass die Misere vieler Menschen wieder schlimmer geworden ist, und man kann nichts dagegen machen“, drückt die Leidringerin in ihrem jüngsten Rundbrief an die Unterstützer und Freunde in der Heimat ihre Verzweiflung aus.
Renate Hölle ist ausgebildete Narkose- Unterrichts- und Intensivpflegeschwester und in Leidringen aufgewachsen. Die 46-Jährige übernahm 1995 im Auftrag der Deutschen Missionsgemeinschaft die Aufgabe einer Anästhesistin in einem Krankenhaus in Qalandarabat in Nordpakistan. Aufgrund der politischen Lage musste sie für kurze Zeit wieder zurückkehren in ihre Heimat. Seit drei Jahren ist sie wieder in „ihrem“ Krankenhaus. Dort hat sie auch das schwere Erdbeben hautnah erlebt und die Monate danach unzählige Stunden im OP verbracht.
Die Flutkatastrophe hat Qalandarabat zwar nicht so sehr getroffen wie andere Landstriche, weil es 1500 Meter hoch liegt, doch die Missionsmitarbeiter werden trotzdem täglich mit dem Leid der Betroffenen konfrontiert. Denn die Patienten kommen seit dem Sommer mit Malaria, schweren Durchfällen und Schlangenbissen in das Hospital. „Die Schlangen kommen aus ihren Löchern und können schwimmen“, schreibt Hölle in ihrem Rundschreiben vom August.
Sie berichtet weiter, dass ein großer Teil von Kohistan, ein Gebiet nördlich von Qalandarabad, von der Außenwelt abgeschnitten ist. Ein kohistanischer Vater sei fünf Stunden lang mit seiner kleinen Tochter über die Berge gewandert. Beide Hände des Mädchens seien abgestorben gewesen – „leider überlebte sie nicht“.
Die Missionsschwester spricht auch die politische Lage an: „Die Sicherheit der Helfer ist wirklich ein Problem. Die Taliban wollen keine ausländische Hilfe von ‚Ungläubigen’. Sie forderten die Regierung auf, alle westliche Hilfe abzulehnen.“ Die Krankenschwester ist davon überzeugt, „dass die Flut nicht dieses Ausmaß angenommen hätte, wenn die Hochwasserschutzvorkehrungen eingehalten worden wären“.
Renate Hölle informiert in dem Brief auch über die Verwendung der Spendengelder, die an die Mission gehen. So werden die Menschen, die bei der Überschwemmung ihren ganzen Besitz verloren haben, im Krankenhaus kostenlos behandelt. Einigen wurden geholfen, ihre Häuser zu reparieren oder neu aufzubauen. Der Großteil der Spendengelder aber „geben und gaben wir an Plätze, die noch mehr zerstört sind“. Am Schluss ihrer Rundschreiben bedankt sich die Leidringerin bei ihren treuen Unterstützern – „auch für ihre Fürbitten, alle Anrufe, Briefe und E-Mails. „Sie ahnen nicht, wie sie mich dadurch ermutigen.“
