Leserbrief

Zur Debatte um Stuttgart 21:

Die nüchterne Beurteilung tritt in den Hintergrund

08.10.2010

Die emotionale und sehr kontroverse Diskussion, die bedauerliche Eskalation und die teilweise politische Instrumentalisierung des Themas „Stuttgart 21“ drängen die nüchterne, objektive Beurteilung mit den Vor- und Nachteilen in den Hintergrund und negieren die realen Fakten. Als gebürtiger Stuttgarter sowie als interessierter Architekt und Stadtplaner verfolge ich seit Beginn der Untersuchungen zum Projekt vor zirka 15 Jahren aufmerksam und kritisch die Vorbereitungen.

So besichtigte ich unter anderem in Stuttgart die Entwürfe des städtebaulichen Wettbewerbs zur Gestaltung des ca. 100 ha großen, neuen, zentralen Stadtteils, die Planungen, Beschreibungen und Modelle des Gesamtprojektes mit den städtebaulichen und verkehrlichen Zusammenhängen, hörte mir die Erklärungen des Technischen Beigeordneten der Stadt Stuttgart, Bürgermeister Professor Bruckmann, an, sammelte die laufenden fachlichen Aussagen und Untersuchungsergebnisse.

Auf Grund dieser Kenntnisse möchte ich zur Versachlichung und beitragen: Stuttgart 21 beseitigt die stadt-zerschneidende Bahnschneise mit 16 Gleisen und führt dadurch bisher getrennte Stadtteile zusammen. Stuttgart 21 lässt ein neues Stadtviertel in zentraler Lage von 100 ha entstehen, davon sind 20 ha für die Erweiterung von Schlossgarten und Rosensteinpark vorgesehen. Nach städtebaulichem Rahmenplan wird hier Wohnraum für 11 000 Einwohner und 24 000 Arbeitsplätze angeboten. Stuttgart 21 bedeutet nach der Beurteilung der Verkehrssachverständigen Vorteile für den Fern- und Nahverkehr. Stuttgart 21 sichert auf viele Jahre neue Arbeitsplätze.

Nach verbindlichen geologischen Gutachten werden die Mineralquellen geschützt. Die Sicherheit der geplanten Tunnel- und Tiefbauten ist nach sorgfältigen Berechnungen und Planungen erfahrener Ingenieurbüros gewährleistet.

Bei dem für dieses Projekt zwingend notwendigen Umbau des Bahnhofs bleiben die wesentlichen Merkmale – das Hauptgebäude mit Turm, die Schalterhalle und Arkaden – des Bonatz-Baus unverändert erhalten.

In vielen Jahren der Planungen, Untersuchungen, Anhörungen, den öffentlichen Beratungen und Entscheidungen wurden die Vor- und Nachteile von den Verantwortlichen sorgfältig erörtert und abgewogen.

Die positive Bauentscheidung für das Jahrhundert-Projekt Stuttgart 21 ist damit nach einem korrekten, rechtlichen und demokratischen Verfahren unter der im Gesetz vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung getroffen worden und sollte respektiert werden.

Hans Loos Architekt – Stadtbaudirektor i. R. Marienburger Straße 50, Balingen