„Ich glaube denen nichts mehr“
Die städtische Hermann-Berg-Baustelle wird für Mieter Achim Wahr zum Ärgernis
Balingen, 07.10.2010 von Rosalinde Conzelmann
Wahr hat all die Jahre neben dem Haus ein kleines Gärtle genutzt. Heute steht dort der Anbau für den neuen Kindergarten, auch die Erdgeschosswohnung ist zukünftig ein Domizil für Kinder. Er sei über die anstehenden Bauarbeiten informiert worden, sagt Wahr. Und habe seine Pflanzen und Sträucher ausgraben wollen. Was er auch dem Architekten mitgeteilt habe. Als die Bauarbeiten begannen, war er bei der Arbeit und sein Garten abends platt gemacht. „Niemand hat mich, wie versprochen, informiert“, sagt der Arbeiter, der nun den Gegenwert seiner Pflanzen von der Stadt zurückfordert. Wahr hält 450 Euro für eine realistische Zahl.
Das zweite Ärgernis ereignete sich wenig später: Wahrs Bücher und Schallplatten, die in einem Kellerraum standen, wurden bei einem Wasserschaden so stark beschädigt, dass sie unbrauchbar sind. Wahr taxiert den Wert auf ebenfalls 450 Euro und will auch diesen Betrag von der Stadt ersetzt haben. Zumal er „mit eigenen Augen gesehen“ habe, dass die Ursache für den Wasserschaden ein defekter Wasserschlauch gewesen sei, den die Handwerker benutzt hätten. Nachdem sein Anliegen „einfach ignoriert wurde“, schaltete Wahr einen Anwalt ein, der die Forderungen seines Mandanten erneut schriftlich vorbrachte.
Am 31. August wies die Stadt die Forderung rundum ab. In dem Schreiben, datiert vom 31. August, teilte die Verwaltung ihrem Mieter mit, dass in seinem Mietvertrag keine Gartennutzung festgeschrieben ist. Im übrigen sei die „betriebene Gartennutzung so unbedeutend, dass niemand auf den Gedanken kommen kann, dass hier eine wertvolle Anlage zerstört wurde“. Für den Wasserschaden machte die Stadt einen Verstopfung der Grundleitung verantwortlich. Der Schaden sei behoben worden, so die Auskunft.
Wahr, der allein in der Wohnung lebt, ärgerte sich über den arroganten Tonfall und wandte sich mit seinem Anliegen im September an den Oberbürgermeister der Stadt. Per E-Mail beklagte er sich auch noch darüber, dass sein Boiler kaputt sei und sich keiner darum kümmere. Seit Jahren werde zudem versprochen, dass die Wohnungen mit Wasserzählern ausgestattet würden. „Aber nichts passiert, denen kann man doch nichts mehr glauben“, ist der 44-Jährige enttäuscht.
Der Boiler werde gerichtet, die Handwerker seien bestellt, sagt der städtische Pressesprecher Jürgen Luppold. Allerdings macht er dem enttäuschten Mieter wenig Hoffnung auf eine Erstattung seiner Forderungen. „Er hat keinen Anspruch darauf“, betont Luppold und versichert, „dass der OB die Anfrage natürlich noch beantworten wird. Wahr überlegt sich, ob er den Klageweg beschreitet.
