Der „zweite Mann“ geht von Bord

Abschiedsfeier für Axel Pflanz: Albstadts Erster Bürgermeister scheidet heute aus dem Amt

Albstadt-Ebingen, 30.09.2010 von Dagmar Stuhrmann

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Die Zeit ist schnell vergangen. Fast elf Jahre lang füllte Axel Pflanz als Erster Bürgermeister und Teil der Dreier-Führungsriege im Albstädter Rathaus das hehre Amt mit Leben: Heute ist sein letzter Arbeitstag.

Seit fast vierzig Jahren gestaltet der gebürtige Tailfinger und bekennende Albstädter die Stadtgeschichte an vorderster Front mit – in verantwortungsvollen Schlüsselpositionen. Er war zehn Jahre lang Referent des ersten Albstädter Oberbürgermeisters Hans Pfarr, wurde 1985 vom Gemeinderat als Hauptamtsleiter gewählt und trat 2000 das Amt des Ersten Bürgermeisters an. Im Jahr 2007 wurde er ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt.

Wie kein anderer kennt der mit 61 Jahren älteste Wahlbeamte im Rathaus, der von „seinen Albstädtern“ auch gern mal den Titel „graue Eminenz“ verliehen bekommt, die Zusammenhänge und Hintergründe, die „Geschichten hinter der Geschichte“. Er hat das kommunale Geschäft von der Pike auf kennengelernt, sortierte zum Beispiel nach der Stadtgründung auch mal die Post, und war als langjähriger Rathaus-Pressesprecher für die Außenwirkung des Hauses zuständig. Sein Motto damals wie heute: „Wenn man langfristig gut miteinander arbeiten will, muss man offen, ehrlich und vertrauensvoll miteinander umgehen und sich gegenseitig wertschätzen.“

Axel Pflanz gehöre schon fast zum Rathaus-Inventar, scherzen Wegbegleiter. Was man getrost als Anerkennung einer außergewöhnlichen Lebensleistung, eines über das Normalmaß weit hinausgehenden Engagements und eines zähen Am-Ball-Bleibens bei allen für Albstadt wichtigen Weichenstellungen werten darf. Die Stadtgründung 1975 – es war eine spannende Zeit, die Axel Pflanz hautnah und aktiv miterlebte. Er erinnert sich noch gut an die arbeitsreichen Sitzungen, an die vielen Gespräche und Klärungen, die im Vorfeld dieses Neuanfangs nötig waren. Es wurde eine komplett neue Verwaltungsstruktur geschaffen. Die Erwartungen an die neue Stadt waren hoch, getragen von einem Optimismus, der später auch schwierige Phasen überstehen ließ. „Ich denke, es ist einem Verwaltungsbeamten in seinem Berufsleben höchstens einmal vergönnt, so etwas wie das Entstehen einer neuen Stadt mitzuerleben,“ beschreibt Axel Pflanz die Besonderheit der Erfahrung.

Seine Bilanz nach 40 Albstädter Rathaus-Jahren fällt positiv aus: „Es war eine hervorragende Zeit, in der es natürlich nicht immer nur Sonnenschein gab.“ Dennoch: Das, was er seinen Azubis ans Herz legt, hat er selbst umgesetzt. „Man muss Chancen bekommen, dann muss man sie erkennen und man muss sie wahrnehmen.“ Zum Wohle der Stadt Albstadt und ihrer Bürger hat Axel Pflanz diese Chancen zu nutzen gewusst und dabei keine Herausforderung gescheut.

Das Haushaltswesen, die Finanzen, Wahlen, Grundstücksangelegenheiten, das Soziale, Forst, Feuerwehr, ÖPNV, Integrationspolitik, Jugend- und Seniorenarbeit, der Bildungsbereich mit Kindergärten und Schulen – vieles, was im Dezernat II erledigt wird, spielt sich weniger öffentlichkeitswirksam ab. Vieles läuft „im Stillen“. Axel Pflanz selbst sagt, er habe stets die Sache in den Mittelpunkt der Entscheidung gestellt. Sein berufliches Umfeld bestätigt ihm Fingerspitzengefühl, Souveränität und die Fähigkeit, auch bei heißen Debatten einen kühlen Kopf zu bewahren. Er kennt keine Berührungsängste, pflegte nicht nur beim Besuch unzähliger Vereinsveranstaltungen den Kontakt zum Bürger. Er steht für Offenheit, auch wenn er dem Gegenüber oft auch erklären musste, warum etwas nicht geht. Kurz gefasst: „Mit dem Pflanz ka' mr schwätza.“

Mit dem Paket zur Haushaltskonsolidierung auf dem Tisch, bleibt weiterhin viel zu tun. Axel Pflanz macht keinen Hehl daraus, dass er mit zwiespältigen Gefühlen aus dem Amt scheidet und dieser letzte Schritt auch von Abschiedsschmerz begleitet wird. „Es war schön, sich für unsere Stadt und die Mitbürger einzubringen. Ich danke allen Gemeinderäten und Kollegen und muss zugeben, dass es mich mit Wehmut erfüllt, dass ich mich von ihnen verabschieden muss.“ Einerseits würde er gern weiter als „zweiter Mann“ auf der Kommandobrücke mit an Bord sein, andererseits freut er sich auch darauf, endlich Zeit für all das zu haben, was wegen der beruflichen Inanspruchnahme auf der Strecke blieb.

Das Feld, das er übergibt, ist gut bestellt. Bescheiden sagt er: „Ich bin nur Teil des Ganzen, das dafür mit großem Einsatz gearbeitet hat.“ Wie geht es weiter in der Ära „nach Pflanz“? „Unsere Stadt Albstadt ist auf einem guten Weg.“ Die Investitionen, die getätigt wurden, sind nach Ansicht von Axel Pflanz notwendig gewesen. „Die Stadt ist für die Zukunft gut aufgestellt und handlungsfähig,“ sagt der scheidende Erste Bürgermeister. Wegen der Terminfülle und anderer wichtiger Aufgaben und Verpflichtungen in den letzten Wochen hat Axel Pflanz seine Abschiedstour verschoben. Aber er verspricht: „Die werde ich auf jeden Fall nachholen. Dies dann allerdings als 'a.D.'“

 

Vierzig Albstadt-Jahre: Axel Pflanz' berufliche Stationen

Dienstmarathon: 1949 in Tailfingen geboren, hat Axel Pflanz mit dem früheren Ebinger OB Prof. Dr. Hans Hoss sowie mit allen bisherigen Albstädter Oberbürgermeistern – Hans Pfarr, Hans-Martin Haller und Dr. Jürgen Gneveckow – zusammengearbeitet.

Der Beginn: Nach der Ausbildung beim Bürgermeisteramt Meßstetten und beim Landratsamt Hechingen trat Axel Pflanz, nachdem er 1971 die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst abgelegt hatte, in die Dienste der Stadt Ebingen.

Schlüsselpositionen: Von Mai 1975 bis Juni 1985 wurde er Persönlicher Referent von OB Hans Pfarr und Pressesprecher. Am 1. Juli 1985 übernahm er die Leitung des Hauptamts. In den folgenden vierzehn Jahren wurde sein Aufgabenbereich Zug um Zug erweitert. So war er zeitweise auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. 1999 wurde Axel Pflanz vom Gemeinderat zum Ersten Bürgermeister gewählt und 2007 in diesem Amt bestätigt.

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