Edeka schnappt Real den Laden weg
Real verteidigt seinen Standort auf Gehrn und reagiert auf Räumungsklage mit juristischen Schritten
Balingen, 22.09.2010 von Karl-Otto Müller
Edeka Offenburg lehnte gestern jedwede Stellungnahme zu den Vorgängen ab.
Seitens des Mönchengladbacher Real-Managements schilderte am gestrigen Abend Albrecht von Truchsess, Leiter der Unternehmenskommunikation, seine Sicht der Entwicklungen: „Das real-SB-Warenhaus in der Langestraße . . . hat hohe Aufmerksamkeit bei unseren Wettbewerbern gefunden . . . Real betreibt das SB-Warenhaus auf der Basis eines langfristigen Mietvertrags. Dieser erlaubt Real eine Nutzung des Standortes bis weit ins kommende Jahrzehnt.
Unser Vermieter, Eigentümer der Immobilie, hat Real im Sommer des letzten Jahres darüber informiert, dass ein Kaufvertrag über das Objekt mit einem Dritten abgeschlossen worden sei. Wir haben daraufhin ein mietvertragliches Vorkaufsrecht form- und fristgerecht ausgeübt und dabei ein notarielles Kaufangebot in Höhe des Kaufangebotes des Dritten abgegeben.
Nur wenige Tage später zeigte uns die Edeka Südwest GmbH schriftlich an, sie habe das Gebäude . . . gekauft und sei dadurch als Vermieter in den Mietvertrag eingetreten. Die Edeka ließ sodann durch Ihre Rechtsanwälte den langfristigen Mietvertrag unter Hinweis auf Schriftformmängel zu unserer großen Überraschung vorzeitig kündigen und verklagte real,- auf Räumung des SB-Warenhauses.
Dass ein Wettbewerber auf diese Weise bemüht ist, unter dem Vorwand reiner Formalien, „durch die Hintertür“, einem anderen Wettbewerber einen attraktiven Einzelhandelsstandort abzujagen, halten wir für einen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bis dato einzigartigen und fragwürdigen Vorgang.
Gegen die erhobene Räumungsklage hat Real sich mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln zur Wehr gesetzt. Zum Inhalt und dem Stand des laufenden Verfahrens können naturgemäß keine weiteren Angaben gemacht werden. Real wird jedoch weiterhin um den Markt Balingen und den Erhalt der Arbeitsplätze seiner dort beschäftigten Mitarbeiter kämpfen.“
Noch keine drei Jahre ist es her, da Real seine Balinger Doppelrolle bereinigte. Mit der Kündigung seines Innenstadt-Standorts im City-Kaufhaus gaben die Betreiber ein klares Bekenntnis zum Standort Gehrn. In den Neunziger Jahren hatte Real mit dem Kauf der Kriegbaum-Multi-Märkte auch die Standorte Balingen übernommen, Food- und Non-Food-Markt auf Gehrn sowie das Multi-City in der Wilhelmstraße. Letzteres wurde im Jahre 2007 aufgegeben und nach grundlegendem Umbau an Röther-Modemärkte und Rewe vermietet.
Schon damals waren mehrfach notwendige Umbaupläne für die Märkte auf der Grünen Wiese angedacht gewesen. Am liebsten wollten die Real-Verantwortlichen beide Märkte auf Gehrn unter einem Dach zusammenfassen. Allein, das 1989 vom Balinger Gemeinderat für künftige Baurechtspraktiken zugrunde gelegte Marktgutachten schränkt alle Anbieter außerhalb der Innenstadt auf damals festgestellte Bestandsflächen ein. In Größe und Sortiment. Zweck war die Stärkung der Innenstadt.
In der Langestraße sind derweil alle Erweiterungsmöglichkeiten an innenstadt-relevanten Einkaufsflächen tabu, die Einschränkungen des Balinger Marktgutachtens erlauben noch nicht einmal den Umzug des Foodbereichs auf die andere Straßenseite in den Non-Food-Bereich. Und auch für den Eigentümer oder Betreiber des bisherigen Foodmarktes bleibt die Größe auf alle Zeiten festgeschrieben – einzig der Balinger Gemeinderat könnte gestützt auf entsprechende Gutachten Ausnahmen bewilligen.
