„Erst der Anfang der Proteste“
Am 29. September stimmt der Rottweiler Gemeinderat über den Großgefängnis-Standort ab
Schömberg, 17.09.2010 von Klaus Irion
Aus Stuttgart kam jüngst die Kunde, dass das Bitzwäldle vor den Toren Rottweils der einzige Standort für das Großgefängnis bleibt. „Keine sehr verlockende Aussage“, meint Karin Wenzig-Luck. Die Schömbergerin hat sich von Beginn in in der Protestbewegung engagiert. Zunächst in der Bürgerinitiative, nun auch im „Verein zum Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft im Oberen Schlichtemtal“ (NAKU) , der am vergangenen Wochenende zu einem Fest in die Ortsmitte von Zepfenhan eingeladen hatte (der ZAK berichtete).
Das Stuttgarter Bitzwäldle-Beharren ist für Wenzig-Luck auch ein wenig der Versuch, „den Protest zu zermürben, in dem so getan wird, als ob die Sache ohnehin schon gelaufen ist“. Doch inzwischen 800 Vereinsmitglieder sprächen eine ganz andere Sprache. Selbst wenn der Rottweiler Gemeinderat in seiner Sitzung den Gefängnisbau im Bitzwäldle beschließe, sei dies erst der Anfang der Proteste, die am Tag vor der Entscheidung mit einem erneuten Protestmarsch in der Rottweiler Innenstadt (Dienstag, 28. September, 18 Uhr) einen neuen Höhepunkt erreichen sollen.
Dass die Demonstration dieses Mal nicht am Tag der Sitzung stattfinden wird, liegt laut Wenzig-Luck daran, „dass wir nicht wie beim ersten Mal anschließend in der Sitzung erfahren wollen, dass der Tagesordnungspunkt bereits erledigt ist“. Wie gesagt, auch wenn der Rottweiler Gemeinderat mehrheitlich oder gar einstimmig für den Standort Bitzwäldle stimmt: Die Mitglieder des NAKU werden in ihren Protesten nicht nachlassen. Die Schömberger Anti-Bitzwäldle-Gefängnis-Aktivistin sieht sich in ihrem Tun durch die jüngsten Ereignisse rund um „Stuttgart 21“ in ihrem Tun bestätigt. „Dort ist der Protest doch erst richtig losgegangen, nachdem bereits alles klar zu sein schien.“ Wenzig-Luck sieht durchaus Parallelen zwischen dem Projekt am Stuttgarter Bahnhof und demjenigen im landkreisübergreifenden Naherholungsgebiet vor der eigenen Haustür. In der Zwischenzeit sei der Termin der Landtagswahl auch für den NAKU von besonderer Bedeutung. „Ich glaube nicht, dass Ministerpräsident Mappus noch von seiner Pro-Stuttgart 21-Haltung abrücken wird.“ Sollte er allerdings auch deswegen im kommenden März mit seiner CDU keine Mehrheit im Land mehr finden, „könnte das auch auf den Gefängnisbau im Bitzwäldle Auswirkungen haben“.
„Unsere Mittel sind noch lange nicht ausgeschöpft“, sagt auch NAKU-Mitstreiter Henning Theobald aus Villingendorf. Der Rechtsanwalt meint damit nicht zuletzt mögliche juristische Schritte, „die aber frühestens nach einer Entscheidung pro Bitzwäldle durch den Rottweiler Gemeinderat zum Tragen kommen“. Auch er blickt immer wieder einmal vergleichend gen Stuttgart und ist froh, „dass wir mit unseren Protestaktionen früher dran sind, als es beim Bau des unterirdischen Hauptbahnhofs der Fall gewesen ist.“
