Leserbrief

Zum Thema „Arge Sigmaringen“

Erstaunt über die Gepflogenheiten bei der ARGE

15.09.2010

Meine Lebensgefährtin ist seit zirka vier Jahren Hartz 4- Empfängerin. Die Firma, bei der sie über 20 Jahre angestellt war – eine Textilnäherei in Stetten a.k.M. – ging bankrott. Seit dem ersten Tag ihrer Arbeitslosigkeit hat sie sämtliche „Schulungen“ und 1, 50 Euro-Jobs der ARGE angenommen und mitgemacht. Monatlich hat sie die verlangten Bewerbungen – nunmehr zirka 280 Stück – geschrieben und abgesandt.

Seit rund drei Jahren ist sie in einem Pflegeheim in Stetten a.k.M. auf 400-Euro-Basis als Reinigungskraft angestellt. Sie arbeitet sehr viel und auch sehr gerne im Pflegeheim.

Jetzt am Samstag, 11. September, erhielt sie von der Agentur für Arbeit aus Sigmaringen eine Einladung um ihre „Integrationsmöglichkeiten im Rahmen eines Bewerbungstrainings zu erarbeiten“. So der Text der ARGE. Diese Maßnahme soll in Pfullendorf stattfinden und zwar vormittags. Nun hat sie aber einen Arbeitsvertrag im Pflegeheim, bei dem sie vormittags arbeitet. Diese Arbeit ist der ARGE Sigmaringen gemeldet und es werden ihr monatlich alles abgezogen, was über 160 Euro liegt. Diese Arbeit solle sie jetzt fristlos kündigen, um ab Montag an der sechswöchigen Integrationsmaßnahme teilnehmen zu können.

Wo liegt da die Logik? Zumal meine Lebensgefährtin diese Maßnahme bereits zu Beginn der Arbeitslosigkeit mitgemacht hat, und zwar damals in Sigmaringen. Nach Ablauf dieser Maßnahme hätte sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber keine Chance mehr unterzukommen, da die frei werdenden Plätze natürlich wieder sofort belegt werden müssen.

Natürlich sind auf dieser „Einladung“ auch die Folgen bei Nichtbeachtung aufgedruckt: Das Arbeitslosengeld II wird um zehn Prozent abgesenkt, sämtliche Zuschläge werden gestrichen. Noch lachhafter ist aber, dass sich meine Lebensgefährtin letzten Monat auch einer „Erörterung“ in der ARGE unterziehen musste, bei der damals ein Mitarbeiter (es ist jedes Mal ein anderer) zu ihr sagte, sie solle auf jeden Fall schauen, dass sie ihren 400 Euro Job behält.

Es kann daher nur so sein, dass bei der ARGE jeder Mitarbeiter Zugriff auf alle Daten der Hartz 4- Empfänger hat und jeder nach Lust und Laune Sanktionen verhängt. Daher ist es auch nicht möglich, ein konstruktives Gespräch mit diesen Leuten zu führen, da man genau weiß, beim nächsten mal ist wieder ein anderer sog. „Sachbearbeiter“ am Werk.

Willi Müller Steinenbühl 16, Balingen