30:30 – eine gefühlte Niederlage

Handball-Bundesliga: HBW lässt Punkt gegen Aufsteiger liegen – Schwache Schwaben

Balingen, 13.09.2010 von Marcus Arndt

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Einen richtigen Dämpfer erhielt der Balinger Handball-Bundesligist. Gegen den Low- Budget-Klub aus Friesenheim kam der HBW über ein schmeichelhaftes Unentschieden nicht hinaus.

Mit einem kleinen blauen Auge sei seine Mannschaft davongekommen, bilanzierte HBW-Trainer Dr. Rolf Brack nach dem 30:30 (15:13) gegen den Branchenneuling. Der stellte nach dem Seitenwechsel die kämpferisch und spielerisch bessere Mannschaft – allein in den Schlussminuten versagten den Pfälzern die Nerven. Knapp zweieinhalb Minuten vor Spielende düpierte Last-Minute-Transfer Stefan Bonnkirch die HBW-Defensivabteilung mit seinem siebten Treffer zum 30:28. „Er hat das Letzte aus sich herausgeholt“, freute sich TSG-Coach Thomas König über die Leistungsexplosion des Schichtarbeiters, der arrivierte Balinger Bundesliga-Spieler zu Statisten degradierte. Dass es dennoch zu einem Punkt gereicht hat – pures Glück: Vladimir Temelkov netzte von Rechtsaußen ebenso sicher ein wie Benjamin Herth, der per Siebenmeter egalisierte. „Die Mannschaft muss begreifen, dass es eine schwere Saison wird“, forderte Brack, „das hat noch nicht jeder getan . . .“

Dabei erwischten die Schwaben einen Auftakt nach Maß. Mit bewährtem Personal auf der Platte dominierte der Aufsteiger von 2006 die TSG aus Friesenheim in den Anfangsminuten. Für die erste Balinger Führung sorgte Herth mit einem feinen Aufsetzer – und Felix Lobedank legte nach knapp drei Minuten das 2:0 nach. Auf der Gegenseite taten sich die Pfälzer sehr schwer im Positionsangriff – und fielen nach zwei Siebenmeter-Nieten (Marinovic hält gegen Matschke und Grimm/3., 4.) weiter zurück (3:0/5.). Ein Zwischenhoch der „Eulen“ zum 2:3 konterten die Schwaben mit einem 3:0-Lauf zum 6:2 (9.). Wie würde der Aufsteiger reagieren, der noch unter der Woche in Flensburg gefordert war? Mit einer Zwei-Kreisläufer-Taktik gegen die aggressive 3:2:1-Abwehr der Schwaben. Die taktischen Winkelzüge von König griffen jedoch nicht. Im Gegenteil: Balingen-Weilstetten baute den Vorsprung weiter aus: auf 8:3 (14.).

König tat das einzig Richtige und bat seine Truppe zur Extrabesprechung an die Seitenlinie. Die Auszeit schien zu verpuffen. In doppelter Unterzahl konservierte Johan Boisedu den Fünf-Tore-Vorteil (10:5/17.). Und das schmeckte den Pfälzern überhaupt nicht, die mit harten Bandagen verteidigten. Die ruppige Gangart des Aufsteigers blieb en gros ungeahndet, während ein Balinger nach dem anderen auf die Strafbank wanderte. In permanenter Überzahl holte Friesenheim Tor um Tor auf – zum 10:12 (23.) und 12:14 (27.). Brack zückte die grüne Karte (28.), um seine Mannschaft neu einzustellen. Die war nach der Flut an Zeitstrafen und Fahrkarten völlig verunsichert. Dennoch hielten Strobel & Co. zur Pause den Aufsteiger mit zwei Toren auf Distanz (15:13).

Auch nach dem Seitenwechsel tat sich der HBW sehr schwer – und der Neuling blieb weiter in Schlagdistanz. Bonnkirch sorgte schließlich für den Ausgleich (15:15/32.). Jetzt war es endgültig ein Duell auf Augenhöhe – mit leichten Vorteilen für die Gäste. Vergebens mühten sich die Schwaben – und nach gefühltem 20. Fehlwurf hatte die TSG mehrfach die Chance zur Führung. Für diese sorgte schließlich Alexander Becker per Siebenmeter (19:20/40.). Lobedank glich aus, doch erneut legte der Außenseiter vor. Brack stellte die Abwehr um, doch Friesenheim ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. „Wir haben keine Abwehr- und Torhüterqualität entwickelt“, haderte der Sportwissenschaftler und musste mit ansehen, wie die Gäste sieben Minuten vor dem Ende erstmals zwei Tore davonzogen (25:27).

Wie würde der HBW in dieser kritischen Phase antworten? Überraschend clever! Lobedank (2 Tore), Temelkov und Herth sorgten in einer hektischen Schlussphase für den Ausgleich, der sich wie eine Niederlage anfühlte. HBW-Manager Benjamin Chatton analysierte treffend: „Bei diesem Spielverlauf müssen wir mit einem Punkt zufrieden sein.“ Bereits vor dem Kellerduell hatte er vor dem Zweitliga Süd-Meister gewarnt und fühlte sich bestätigt: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man gegen Friesenheim gewinnt . . .“


HBW Balingen-Weilstetten – TSG Friesenheim: Teams & Tore

HBW Balingen-Weilstetten: Marinovic (1. – 37. und 49., 23 Gegentore/12 Paraden), Zoubkoff (37. – 49., 7/ 1); Herth (8/5), Lobedank (7), Boisedu (4), Bürkle (3), Ettwein (2), Temelkov (2), Wilke (1), Mitkov (1), Sauer (1), Ilitsch (1), W. Strobel, Schlinger.

TSG Friesenheim: Klier (1. – 60., 30 Gegentore/11 Paraden), Pfeiffer (n. e.), Bender (n. e.); Bonnkirch (7), Dietrich (6), Dissinger (5), Becker (3/2), Pevnov (3), F. Müller (2), Anscin (2), Grimm (1), Matschke (1), Gaubatz, Klimek (n. e.), Kogut (n. e.).

Schiedsrichter: Damian/ Wenz (Bingen/Mainz). Zuschauer: 2100.

Spielfilm: 3:1 (6.), 5:2, 8:3, 10:5 (17.), 11:8, 12:10, 14:11 (26.), 15:13 – 17:17 (34.), 19:18, 21:22, 24:23 (47.), 25:25, 26:28, 28:30 (57.), 30:30.

Zeitstrafen: 16:10 Minuten (Herth/2, Lobedank, Sauer, Ettwein, Mitkov, Bürkle, Ilitsch – Grimm, Dietrich, F. Müller, Pevnov, Bonnkirch).

Siebenmeter: 6/5:6/2 (Herth scheitert an Klier/ 14. – Matschke, Grimm, F. Müller/2 scheitern an Mari-novic/ 3., 4., 15., 21.).

Nächstes Spiel: THW Kiel – HBW Balingen-Weilstetten (15. September, 20.15 Uhr, Sparkassen-Arena Kiel).

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