Brack fordert mehr Qualität
Handball-Bundesliga: Richtungsweisendes Kellerduell gegen Friesenheim
Balingen, 10.09.2010 von Marcus Arndt
Sie zählen zu den Kleinen der Branche: der HBW Balingen-Weilstetten und der Neuling aus der Pfalz, welcher mit 0:6 Punkten in die Saison gestartet ist. In Flensburg kassierte die Truppe von Trainer Thomas König am Mittwochabend die dritte Niederlage in Folge. Die fiel mit 26:35 – wie schon zum Rundenauftakt in Kiel (19:37) – recht deutlich aus. „Wir wollen nicht absteigen“, gibt sich der „Eulen“-Kommandogeber kämpferisch, doch der 46-Jährige weiß nur zu genau: Ein Verein wie die TSG Friesenheim wird es immer schwer haben, sich in der stärksten Liga der Welt zu behaupten. Dazu fehlen den Kurpfälzern die finanziellen Mittel. „Wir werden mit Sicherheit den kleinsten Etat in der ersten Liga haben“, lässt sich König zitieren. Dennoch will der Diplom-Sportlehrer nichts unversucht lassen, um den Abstieg zu verhindern. „Unsere Stärke ist, dass wir eingespielt sind“, betont König. In der Aufstiegssaison waren Linksaußen Philipp Grimm (200 Zweitliga-Tore) und Spielmacher Benjamin Matschke (190), Torhüter Kevin Klier und Kreisläufer Evgeni Pevnov (133) die herausragenden Protagonisten auf der Platte. Mit Gunnar Dietrich (133), welcher vor seinem Wechsel von Essen nach Ludwigshafen auch auf der Balinger Agenda stand, bildet der „russische Bär“ den starken TSG-Innenblock.
„Da wird es für uns schwierig, Tore aus dem Rückraum zu werfen“, sagt HBW-Trainer Dr. Rolf Brack mit sorgenvoller Stimme. Erst recht, wenn die „Eulen“ Felix Lobedank in Manndeckung nehmen. „Das ist zu erwarten“, blickt der Sportwissenschaftler voraus, der mehr „Klasse und Qualität“ von seinen Distanzschützen einfordert. Das fehlte zuletzt in Gummersbach, „und nicht nur das“, nimmt der 56-Jährige den Gesprächsfaden wieder auf und räumt unumwunden ein: „Ich bin enttäuscht, dass wir all das, was wir bei einer Manndeckung gegen Lobedank vorbereitet hatten, nicht umgesetzt haben.“ Drastisch wie selten zuvor formuliert der Dozent der Universität Stuttgart seine Kritik. „Das war erbärmlich.“ Ein taktisches Tor hat er notiert – bei über 20 Fehlversuchen. „Wir haben unvorbereitet und ohne Qualität geworfen“, analysiert Brack, der allerdings Probleme in allen Mannschaftsteilen ausmachte. „Natürlich haben wir gravierende Schwächen auf der linken Halbposition“, so der Balinger Kommandogeber weiter, „aber auch unser Kreisläuferspiel funktionierte überhaupt nicht.“ Und auch von den beiden Torhütern kam recht wenig. „Zwischen der 20. und 45. Minute hatten wir keinen gehaltenen Ball“, moniert der Erfolgstrainer von den Fildern. Vor dem richtungsweisenden Heimspiel gegen den Branchenneuling (Samstag, 19 Uhr, SparkassenArena Balingen) hat er viele Facetten im Übungsbetrieb beleuchtet: natürlich die Taktik bei einer kurzen Deckung gegen „Lobo“, aber auch das Konterverhalten sowie spezielles Wurf- und Torwarttraining.
„Wir müssen uns in allen Bereichen steigern“, betont der HBW-Coach, „auch in der Abwehr“. Zuletzt haben die Schwaben gut in der 3:2:1-Formation verteidigt – und auch die 5:1-Variante funktionierte besser. Die Defensivabteilung wird gegen die „Eulen“ besonders gefordert sein. Sehr lehrbuchmäßig werde sein Gegenüber im Angriff agieren, erwartet Brack disziplinierte Friesenheimer, „die uns mit langen Angriffen ausspielen wollen. Das müssen wir verhindern.“ Seine Marschroute: „Pressing.“ Auf der Gegenseite darf sich Balingen-Weilstetten keine einfachen Ballverluste erlauben, schließlich kontert die TSG über Grimm exzellent – und auch Matschke ist in der ersten und zweiten Welle nur sehr schwer zu halten. Zudem gilt Marco Hauk als Tempo-Gegenstoßspezialist, der zuletzt verletzungsbedingt (Patellasehnenanriss, d. Red.) fehlte. „Ich gehe davon, dass er wieder mit dabei ist“, erwartet Brack keine allzu großen Überraschungen im TSG-Kader. Definitiv ausfallen werden nur Nils Brandt (Ellenbogen) und der Litauer Mindaugas Veta (Schulter), so dass im rechten Rückraum die unerfahrenen Gabor Ancsin und Stefan Bonnkirch gefordert sind. Ein Vorteil für die Schwaben? Brack winkt ab: „Das ist eine sehr homogene Mann- schaft. . .“
