„Wir wollen einen Abriss verhindern“

Die Stadt hat das ehemalige, historische Gasthof „Harmonie“ ersteigert – Sicherungsmaßnahmen laufen

Geislingen, 09.09.2010 von Rosalinde Conzelmann

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Wer genau hinschaut, kann ihn noch sehen: den herrschaftlichen Glanz des Gebäudes, das auf den ersten Blick eher bieder wirkt. Um die „Harmonie“ vor dem Abriss zu schützen, hat die Stadt das Haus erworben.

Noch ist das weitere Schicksal des historischen Gebäudes vollkommen offen, aber die Stadt wollte mit dem Verkauf einen Abriss oder andere bauliche Veränderungen verhindern.

Wie Bürgermeister Oliver Schmid auf Anfrage bestätigt, ging das Gebäude vor einigen Monaten in den Besitz der Stadt über. Das Haus war zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben und die Stadt erhielt für 72 000 Euro unter mehreren Interessenten den Zuschlag.

„Es geht jetzt in erster Linie um eine Bestandssicherung“, betont der Bürgermeister. Denn das ehemalige Gasthaus, das schon glanzvolle Zeiten erlebt hat, gehört zu den ältesten Gebäuden in der Stadt und kann eine wechselvolle Geschichte aufweisen. Es wurde in seiner jüngsten Vergangenheit über drei Jahrzehnte als gutbürgerliches Lokal geführt, danach zog eine Pizzeria ein und die letzten Monate vor der Zwangsversteigerung war das Erdgeschoss ein Treffpunkt für junge Kneipenbesucher. Der einstige Hochzeitssaal im oberen Stock war zu Wohnungen umgebaut worden, die die letzten Jahre aber leerstanden. In den beiden imposanten Gewölbekellern lagern schon lange keine Weine mehr. Das genaue Baujahr kann Schmid nicht beziffern: „Man vermutet das frühe 18. Jahrhundert.“

Nachdem die Stadt den Schlüssel bekommen hat, fand eine Begehung statt. „Innen sieht es schlimm aus“, sagt Schmid. Im Dach dringt Wasser ein, es gibt Glasschäden, Stromkabel hängen lose von Wänden und Decken, Gasgeruch hängt in den Zimmern und es hat sich an vielen Stellen Schimmel gebildet. Aus diesem Grund hat die Stadt schnell gehandelt und Bauhof-Mitarbeiter Franz Ott zu Beginn der Sommerferien mit Sicherungs- und Räumungsmaßnahmen beauftragt. Die Container vor dem Gebäude füllen sich schnell.

Als zweiten Schritt hat das Rathaus eine bauhistorische Untersuchung bei dem Freiburger Bauforscher Stefan King in Auftrag gegeben. Diplomarchivar Alfons Koch ist ebenfalls mit der Sache betraut. Schmid rechnet noch diesen Monat mit dem Untersuchungsergebnis. Diese Daten dienen dem Gemeinderat dann als Grundlage für weitere Planungen. Das Gebäude liegt im Bereich der Stadtkernsanierung.

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