CD-TIPP: Patrice One (VÖ: 11.09.)

08.09.2010 von Bernd Haase

Leidende Geigen, Drum-Beats, die nach Pistolen-Schüssen klingen, gebrochener Gesang, unterlegt mit einem elegischem Flow, dazu Gesprächsfetzen ­ ein Song wie ein schwermütiger Spaziergang mit einem aufrechten Helden. Oder anders ausgedrückt: "The Maker", das Eröffnungsstück auf Patrices neuem Album "One" ist Kino für die Ohren.

Die Melancholie, die Patrice hier verbreitet, wird auf diesen Album immer wieder auftauchen, quasi als Gegenentwurf zu den fröhlicheren Reggae- und Soul-Rhythmen, die den anderen Pol des Gefühlsspektrums von Patrice markieren. Da ist zum  Beispiel "I Got No (I Got Life)", eine eingängige, bisweilen fast zu gefällige Abgehnummer, sehr poppig mit einer großen Prise Soul, Blues und dicken Bläsersätzen. Einziges Manko: Dem Original von Nina Simone weiß Patrice nicht wirklich einen neuen Aspekt abzugewinnen.

Grandios ist die Rastafari-Hymne "Kingfish", sehr patent kommt das Dancefloor-Stück "Ten Man Down" daher, und in "Situation" variiert Patrice über dem Reggae-Grundmotiv mit vom Salsa  inspirierten Bläsersätzen. Gebrochen-traurig wird es dagegen in "Visions" oder dem schwermütigen, mit prägnanten Street-Beats unterlegtem "Don't Cry". Facettenreichtum ist in jedem Fall die Sache von Patrice geblieben, auch mit seinem neuen Album macht er aus Reggae vielschichtigen Pop.

Schade, dass das Album erst jetzt erscheint. Es hätte der Soundtrack für diesen Sommer werden können­ trotz oder gerade wegen des vielen Regens.

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