Wundermusik mit Get Well Soon

Ulm, 08.09.2010 von Bernd Haase

Da war es also mal wieder in der Heimat, das "German Wunderkind" Konstatin Gropper alias Get Well Soon. Der britische "New Musical Express", strenger Hüter in musikalischen Geschmacksfragen, hatte den Musiker aus Erolzheim bei Ulm so getauft ­ was ungefähr gleich bedeutend ist mit der Erhebung in den popmusikalischen Adelsstand.

Nobel, distinguiert gibt sich der 28-Jährige auch auf der Bühne, mit Seitenscheitel, perfekt sitzendem Anzug und Krawatte. Er ist alles andere als eine Rampensau, am Mikrofon zeigt sich ein Feingeist mit Gitarre, der selbst hinter seiner Musik zurücktritt, um sie in voller Größe zur Entfaltung kommen zu lassen.

Dazu war auch alles angerichtet bei seinem Auftritt auf dem Ulmer Marktplatz im Rahmen des Internationalen Donaufestes. Die Macher hatten es geschafft, Get Well Soon mit der klassischen Formation Le Grand Ensemble zu verpflichten ­ eine konzertante Heimkehr im großen Gewand.

Die perfekte Basis für Groppers Lieder, die von wegweisenden Bands wie Radiohead, Arcade Fire oder Bright Eyes die Essenz herausfiltern und in hymnischer Größe neu erstehen lassen. Vor allem aber hat Gropper ein Gespür für Stimmungen, für das große Gefühl, das er mit fein austarierten Streicher- und
Bläser-Arrangements unterstreicht.

Auf normalen Get Well Soon-Konzerten nur mit Band wie bei seinem Southside-Gastspiel im vergangenen Jahr muss dieser Bombast-Sound auf gehobenes Pop-Niveau  heruntergeschraubt werden. In Ulm aber wurde die Erhabenheit von Groppers Klängen förmlich greifbar, ­ nicht weil  der Himmel da plötzlich voller Geigen hing oder die Bläser ihre Fanfaren schmetterten, sondern weil es die 14-köpfige Formation um Gropper verstand, neben den bombastischen Momenten vor allem auch die ruhigen Passagen bisweilen fast
minimalistisch auszukleiden.

So entfaltete sich ein durchweg melancholischer wie  harmonischer, Spannungsbogen über dem Donaufest, der seine cineastische Größe nicht nur durch die feine Orchestrierung erreichte, sondern auch durch bestens auf das Songprogramm abgestimmte, teils experimentelle Kurzfilme,  die das Bühnenbild überragten. Wenn etwas gefehlt haben  sollten, dann waren es vielleicht ein paar rauere Zwischentöne, die das Gefühlsspektrum von Get Well Soon  durchaus erweitern könnten. Aber so schien selbst der Himmel angetan, der mit den Regentropfen wartete, bis der letzte Akkord verklungen war.

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