Wetzlar hofft auf Wiederholung
Handball-Bundesliga: Turbulente Schlussphase in Aschaffenburg – Hamburg zurück in der Spur
Balingen, 07.09.2010 von Marcus Arndt
Zwei Spiele, zwei Siege – souverän ist Meister THW Kiel in die Saison gestartet. Weniger überzeugend: der 32:25-Erfolg der Zebras beim DHC Rheinland. Bis zur Pause verlief das Duell ähnlich wie vor zwei Jahren in Kiel (Endstand: 28:28) und eine Sensation schien für die Rheinländer erneut greifbar. Zwischenzeitlich gelang dem Team von Trainer Alfred Gislason acht Minuten lang kein Tor! Dormagen verteidigte aggressiv, der Favorit machte Fehler über Fehler. „Wir müssen und werden diese Aufgabe sehr ernst nehmen“, hatte Kapitän Marcus Ahlm schon vor dem Spiel gemahnt. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Norddeutschen und zogen nach dem 15:15 sukzessive davon. Zehn Minuten vor Schluss (26:21) war das Spiel dann entschieden. „Es war heute ein hartes Stück Arbeit. Wir haben uns zu sehr auf Einzelaktionen verlassen“, meinte Filip Jicha, der ebenso wie Christian Zeitz acht Tore erzielte.
Neben dem THW und den Rhein-Neckar Löwen (28:26 gegen Göppingen) sind die Füchse Berlin (25:22 gegen N-Lübbecke), der VfL Gummersbach (32:24 gegen den HBW) sowie der TV Großwallstadt ohne Punktverlust in die Saison gestartet. Mit 23:22 setzten sich die Mainfranken im Hessen-Derby gegen die HSG Wetzlar durch. Nach Moritz Schäpsmeiers Treffer zum 23:18 für Großwallstadt (54.) sah alles noch nach einer klaren Angelegenheit für das Biegler-Team aus, ehe sich die Mittelhessen zurück ins Spiel kämpften. Nach dem Anschlusstreffer von Timo Salzer 28 Sekunden vor Spielende gelang jedoch kein weiterer Treffer mehr. In der Schlusssekunde sah TVG-Nationalspieler Steffen Weinhold nach einem rüden Foul an Salzer die Rote Karte – und auch HSG-Coach Michael Roth musste vorzeitig seine Trainerbank räumen. „Das bedeutet, dass das Foul tatsächlich in der regulären Spielzeit passierte. Die Folge ist nicht nur eine Sperre für Weinhold, sondern es hätte nach der neuen Regel auch Siebenmeter für uns geben müssen“, verkündete Roth wenige Minuten nach dem Abpfiff sachlich und ruhig, dass die Wetzlarer direkt nach der Partie Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt haben. „Jetzt haben wir eine Woche Zeit, den Protest auszuformulieren. Dann wird man sehen, wie entschieden wird“, sieht der frühere Nationalspieler durchaus Chancen auf eine Wiederholung.
Rechtzeitig in die Erfolgspur hat der HSV Hamburg zurückgefunden: mit Siegen über Aufsteiger HSG Ahlen-Hamm (36:21) und den SC Magdeburg (32:27). In einer vorgezogenen Partie (4. Spieltag, d. Red.) setzten sich die Hanseaten gegen die Bördeländer, welche unter der Woche in Flensburg mit 33:29 triumphiert hatten, ungefährdet durch. Bereits zur Pause lag die Mannschaft von Martin Schwalb mit 18:12 vorne und verteidigte diesen Vorsprung auch nach dem Seitenwechsel mit Bravour. „Ich habe heute gesehen, dass wir sehr stabil ins Spiel gegangen sind“, analysierte der HSV-Coach, „wir haben uns von Beginn an viele Bälle erarbeitet. Man kann jetzt nicht erwarten, dass man den SCM mit 25 Toren aus der Halle schießt – das wussten wir auch. Aber wir haben Magdeburg in der zweiten Hälfte stetig auf Abstand gehalten, von daher bin ich zufrieden.“
Komplettiert wurde der Spieltag in Kassel und Ludwigshafen: Die MT Melsungen patzte gegen die TSV Hannover-Burgdorf (24:27). „Es war ein wichtiger Sieg, der uns jetzt ein klein wenig Ruhe gibt“, freute sich hingegen der neue Kommandogeber der Niedersachsen, Aron Kristjansson, über den Auswärtscoup an der Fulda. Weniger überraschend: Neuling TSG Friesenheim unterlag dem TBV Lemgo mit 27:31. Neben den „Eulen“ sind Mitaufsteiger Ahlen-Hamm, Wetzlar und der HBW Balingen-Weilstetten mit 0:4 Punkten in die Saison gestartet.
„Letztlich war der Erfolg voll verdient, auch wenn sich Friesenheim wirklich teuer verkauft hat und ein hart zu knackender Gegner war.“
Volker Zerbe (Geschäftsführer Lemgo) nach dem Sieg beim Aufsteiger.
„Heute haben wir gelernt, dass nach einer Überraschung die weiteren Mannschaften gewarnt sind. Wir haben aber auch nicht die Leistung von Flensburg gebracht.“
Frank Carstens (Trainer Magdeburg) zur Niederlage in Hamburg.
„Insgesamt 24 Würfe konnten wir vorn nicht verwandeln, davon sieben 100-Prozentige und zwei Strafwürfe. So kann man kein Spiel gewinnen.“
Matiaz Tominec (Trainer Melsungen) über die verpatzte Heimpremiere gegen Hannover-Burgdorf.
