Er will es nicht gemütlich
Am Sonntag ist die Investitur von Jochen Boos, dem neuen Heilig-Geist-Pfarrer
Balingen, 07.09.2010 von Rosalinde Conzelmann
Jochen Boos ist bereits seit 1. September in Balingen, allerdings beginnt seine geistliche Arbeit erst mit der Investitur am kommenden Sonntag. Bislang war der 47-Jährige noch damit beschäftigt, sein neues Heim gemütlich einzurichten. Obwohl in dem dreistöckigen Gebäude neben der Kirche noch die Handwerker zugange sind und der Baustaub vom Treppenhaus in die Pfarrerwohnung dringt, ist Boos von den hohen Decken mit Stuckleisten und den hellen Räumen des über 100 Jahre alten Gebäudes begeistert. Auch seine sonnige Terrasse unter dem Lindenbaum gefällt ihm sehr gut. Seine Wohnung liebt im ersten Stock, ins Erdgeschoss kommen das Pfarrbüro und die Verwaltung. Hier sind die Handwerker noch am Werkeln, auch die Dachgeschosswohnung ist noch nicht ganz fertig.
Die Heilig-Geist-Gemeinde mit ihren 5600 Katholiken befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. 30 Jahre lang hat die Kirche auf ihr „Jahrhundertbauwerk“ gespart, jetzt ist rund um das Gotteshaus eine Baustelle, die ihrem Abschluss entgegen geht. Jochen Boos erlebt die letzten Arbeiten hautnah mit. Er freut sich darauf, wenn alles fertig sein wird und seine Gemeinde ein geistliches Zentrum mit Gemeindehaus, Kindergarten und Verwaltung bekommt.
Seit seiner Ankunft in Balingen hat Boos aber nicht nur Kisten ausgepackt. Hans Ostertag, der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates, hat ihn mit einem Blumenstrauß willkommen geheißen, und steht dem neuen Seelsorger mit Rat und Tat zur Seite. „Wir sind froh, dass wir wieder einen Pfarrer haben, der mit beiden Füßen im Leben steht“, sagt Ostertag. Die Gemeinde freue sich darauf, auch Neues zu wagen.
Und Neues will Boos durchaus wagen, allerdings „ohne das Alte zu zerstören“, wie der 47-Jährige betont. Deshalb habe er sich auch für die „lebendige Heilig-Geist-Gemeinde“ entschieden: „Ich wollte keine festgefahrene Gemeinde mit überladenen Traditionen.“
Immer wieder nimmt der Spätberufene das Wort „Geh-Hin-Seelsorge“ in den Mund. Missionarisch klinge so veraltet, sagt er. Und einen „veralteten“ Eindruck macht der neue Heilig-Geist-Pfarrer keinesfalls. Boos, der vor seinem Theologiestudium im Jahr 2000 in Baienfurt einen kleinen Handwerksbetrieb führte, ist ein Praktiker, der Spaß an der Bewegung hat – er ist derzeit auch dabei, eine schöne Joggingstrecke zu finden. Er geht gerne unter Menschen: „Das Café Noahs habe ich abends schon mal besucht.“ Die Füße hochlegen ist nicht seine Sache. Schon in seinem Primizspruch spiegelt sich diese Lebens- und Arbeitseinstellung wider: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Boos hat früher Fußball gespielt und 15 Jahre lang die Jugend des SG Baienfurt trainiert. Heute zieht er die Kickschuhe nur noch für karitative Zwecke an. Der Theologe ist bereits Mitglied in der TSG, freut sich jetzt schon auf die Besuche im Stadion und will mit Hans Ostertag auch einmal die HBW-Spiele besuchen.
Zur Investitur am kommenden Sonntag, 12. September, um 15 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche reisen auch Boos' Familie, seine Verwandten und Freunde in zwei Bussen aus Baienfurt an. „Es wird eng, deshalb werden wir auch auf dem Kirchenvorplatz Sitzgelegenheiten anbieten“, sagt Ostertag. Nach der Investitur lädt die Gemeinde alle Gottesdienstbesucher in die „Waagschale“ ein. Dort gibt es Gelegenheit, den neuen Pfarrer persönlich kennenzulernen.
