Zwei Strömungen bei der DLRG

Ausbildung von Strömungsrettern entzweit derzeit den Bezirk Neckar-Donau

Zollernalbkreis, 06.09.2010 von Klaus Irion

Die Frage der Ausbildung von so genannten „Strömungsrettern“ entweit derzeit die DLRG-Ortsgruppen des Bezirks Neckar-Donau, zu dem auch Ortsgruppen aus dem Zollernalbkreis gehören.

„Die Hauptarbeit der DLRG darf nicht aus den Augen verloren werden“, sagt Mike Maser. Für den Vorsitzenden der Ortsgruppe Ebingen bedeutet dies: Nichtschwimmer zu Schwimmern und Schwimmer zu Rettungsschwimmern auszubilden. Dies war auch das ureigene Ansinnen der „Deutschen Lebensrettungsgesellschaft“, die sich im Jahr 1913 gegründet hatte, nachdem ein Jahr zuvor bei einem tragischen Unglück auf der Ostseeinsel Rügen 17 Menschen ertrunken waren.

In den Augen vieler Außenstehender steht die DLRG dann auch bis heute in dieser Tradition der Unterstützung und Rettung von Nichtschwimmern beziehungsweise der Hilf für in Not geratene Schwimmer. Längst aber gehen einige DLRG-Ortsgruppen und übergeordnete DLRG-Bezirke zusätzliche Wege. Einer davon ist die Ausbildung von DLRG-Mitgliedern zu so genannten „Strömungsrettern“. Unter anderem in Bayern sei dies in größerem Umfang bereits der Fall, sagt Andreas Meyer. Der gebürtige Stuttgarter war selbst einige Jahrzehnte beim DLRG-Bezirk Oberallgäu engagiert. Inzwischen nach Ratshausen umgezogen, schloss sich der Ruheständler zunächst der Ortsgruppe Oberes Schlichemtal / Schömberg an, bekleidete dazu im Bezirk Neckar-Donau das Amt des Technischen Leiters Ausbildung.

Vor einiger Zeit nun gab er dieses Amt ab und wechselte innerhalb des Bezirks zur DLRG-Ortsgruppe Schramberg. Grund: Das Thema „Strömungsretter“. Es entzweit inzwischen die einzelnen Ortsgruppen des Bezirks Neckar-Donau. Was aber ist nun die Aufgabe eines „Strömungsretters“. Eigentlich muss man von Strömungsrettern sprechen, „denn es müssen stets vier Ausgebildete beisammen sein, die ein Team bilden“, erläutert Meyer . Ziel der Ausbildung ist es, diese DLRG-Mitglieder mit Spezialausrüstung bei Katastropheneinsätzen wie beispielsweise Überschwemmungen in Flüsse und Bäche schicken zu können, um dort gefährdete Personen zu retten.

Die generelle Sinnhaftigkeit solchen Tuns sieht auch Mike Maser. „Die Ausbildung von Strömungsrettern ist auch bei uns keine Frage des Wollens oder Nicht-Wollens, sondern schlicht eine Frage des finanziellen Könnens oder Nichtkönnens.“ Schließlich werden zwar die notwendigen Spezialfahrzeuge mit Landesmitteln oder mit Mitteln des DLRG-Landesverbands finanziert. „Die laufenden Betriebskosten aber bleiben an den Ortsgruppen, dem Bezirk hängen“, so Maser. Er verstehe die Strömungsretter-Befürworter und könne auch deren Verärgerung nachvollziehen. „Einige Ortsgruppen haben aber einfach kein Interesse an einer finanziellen Bauchlandung.“ Erst wenn die laufenden Kosten sauber aufgestellt seien, dann könne man auf Bezirksebene auch miteinander über die Ausbildung von Strömungsretter reden.

Dies Aussage scheint Andreas Meyer und weiteren Mitstreitern im DLRG-Bezirk Neckar-Donau aber nicht ausreichend zu sein. Um – wie beispielweise in der ebenfalls zum Bezirk Neckar-Donau gehörenden Ortsgruppe Tuttlingen bereits geschehen – baldmöglichst Strömungsretter auszubilden, ist laut Meyer bereits ein Antrag an den Bezirksvorstand unterwegs, der einen Wechsel der ablehnenden Ortsgruppen in benachbarte Bezirke zum Ziel hat. So sollten beispielsweise die Albstädter Ortsgruppen künftig unter dem Dach des Bezirks Zollernalb firmieren, zu dem unter anderem auch Balingen gehört.

Der Bezirksvorsitzende des Bezirks Zollernalb, Heinz Jenter aus Balingen-Streichen, ist alles andere als erfreut über den Zwist im Nachbarbezirk. „Für uns stehen allerdings zwei Dinge fest: Zum einen halten wir halten uns aus dem Streit heraus, zum anderen sind die Strömungsretter für uns derzeit kein Thema.“ Gegen eine Aufnahme weiterer Ortsgruppen in den Bezirk Zollernalb hätte er aber generell nichts einzuwenden. „Wir werden aber gewiss keine aktive Abwerbung betreiben.

Für Mike Maser und seine Ebinger Ortsgruppe ist ein Wechsel derzeit kaum eine Option. „Ich selbst bin von jeher auch im Bezirk Neckar-Donau verwurzelt.“ Ein Ausschluss aus diesem Bezirk, da ist er sich sicher, „würde aus strukturellen Gründen das Ende für einige kleinere Ortsgruppen in geografischen Randlagen des Bezirks bedeuten“.

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