Eine Zeit voller Überraschungen

Heute wird der Strohpark eröffnet – Im Gespräch mit Organisatorin Heidi Schmid

Schwenningen, 04.09.2010 von Bianka Roith

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Was für andere ein Graus wäre, ist in Schwenningen zur Strohparkzeit, die heute um 15 Uhr beginnt, lieb gewordene Begleiterscheinung: Sechs Wochen lang findet man im Bett immer wieder ein bisschen Stroh. Denn wer stundenlang Stroh bindet, findet es in der ganzen Wohnung wieder.

Zum 14. Mal laden die Schwenninger Strohbinder und der Handels- und Gewerbeverein in den Strohpark ein. Die Fäden laufen zusammen bei Heidi Schmid, die das ganze organisiert, den Aufstellungsplan erstellt und selbst auch mitbindet – in der Gruppe „Firlefanz“. Vor acht Jahren hat sie das Amt der Organisatorin übernommen und wird liebevoll „Mrs. Strohpark“ genannt.

Der „Vater“ des Strohparks war Peter Müller, der die Idee aus der Schweiz mitbrachte. Und obwohl keiner so recht wusste, wie aus Stroh eine Figur werden könnte, fabrizierten die Binder in Schwenningen schon für den ersten Strohpark neun Figuren. Dieses Mal werden es mehr als 20 Objekte sein, die auf der Festwiese bei der Heuberghalle aufgestellt sind. Und das, obwohl die Zeit recht knapp war. Um zu dreschen, brauchen die Bauern schönes Wetter, erklärt Heidi Schmid. Und dieses war im August eher Fehlanzeige. „Alle warteten sehnsüchtig auf Stroh. Und nur wenige konnten auf das Material vom vergangenen Jahr zurückgreifen“, so Mrs. Strohpark.

Vom Kindergartenkind bis zum Rentner haben rund 100 Teilnehmer wieder eifrig gebunden, um die besonderen Kunstwerke zu bauen, die dem Park einen ganz eigenen Charme verleihen. „Denn der Strohbinder an sich, der mittags und abends viele Stunden aufbringt und bindet bis es dunkel ist, ist der Macher vom Strohpark“, betont Heidi Schmid. Deshalb möchte sie auch lieber im Hintergrund bleiben. „Der Strohpark brauchte jemanden, bei dem die Fäden zusammenlaufen, keinen Chef“, erzählt sie, warum sie die Organisation übernahm. Außerdem seien immer wieder Leute gekommen, die ihren Nutzen daraus ziehen wollten, mit Karussell oder Zuckerwattestand. „Ich wollte nicht, dass es ein Rummel wird, sondern ein Strohpark bleibt“, erklärt Heidi Schmid.

Mit ganzem Herzblut setzt sie sich dafür ein, dass die Strohbinder im Vordergrund stehen. „Ich sehe mich als ihre Vertreterin, denn ohne sie gäbe es den Strohpark nicht.“ Doch gerade, weil die Figuren und Objekte von Menschen in der Freizeit ehrenamtlich hergestellt werden, könne man nicht erwarten, dass der Park noch größer werde.

Anfangs hat Heidi Schmid meist nur wenige Anmeldungen auf dem Tisch. Doch es könne gut sein, dass noch am Samstag ein Bagger vorfährt und ein Objekt bringt. „Es ist eine Zeit voller Überraschungen.“ Vor der Eröffnung herrscht schon morgens ein buntes Treiben, denn es muss der letzte Feinschliff erfolgen und getestet werden, ob das Objekt dem Wind standhält und nicht einstürzen kann. „Man ist eine Gemeinschaft und stolz auf sich“, erzählt Heidi Schmid von der besonderen Stimmung. Denn dann werden auch die Geheimnisse gelüftet, was hinter verschlossenen Türen entstanden ist. Dieses Jahr wird es sogar zum ersten Mal ein Objekt geben, das sich bewegt. Außerdem ist der Strohpark zum zweiten Mal ein integratives Projekt. Im vergangenen Jahr band die Körperbehindertenschule Mössingen die Figur fürs Spendenkässle, dieses Jahr stellten die Oberschwäbischen Werkstätten (OWB) Sigmaringen ein imposantes Wikingerschiff auf.

Seit Heidi Schmid den Strohpark organisiert, gibt es vor dem Ereignis eine Sitzung mit allen mitmachenden Vereinen, die dann auch Anregungen geben dürfen. Außerdem kann bei Mitmachaktionen jeder das Binden selbst ausprobieren. Sogenannte „Strohpark-Guides“ führen interessierte Besucher durch die Freiluftausstellung und für die Kinder gibt es eine Hüpfburg aus Stroh, die schon am ersten Abend zerrupft sei. Doch es sei ihr wichtig, dass sich die Kinder im Stroh wälzen dürfen, so Heidi Schmid. Seit vergangenem Jahr hat die Organisatorin Hilfe: Andrea Schüller betreut den Kinderstrohpark.

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