Klassiker auf Laufener Papier
Wie die Papiermühle die Großen der Literatur bezirzte
Albstadt-Laufen, 03.09.2010 von Holger Much
Der Ort, der nun Albstadts niedrigst gelegener Stadtteil ist, wurde 793 erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurden dem Kloster St. Gallen Güter oder Rechte in „Luofo“ geschenkt. Der Name der Ortschaft bezieht sich auf den sechs Meter hohen Wasserfall der Eyach hin. „Laufen“ ist damit auch ein alter Ausdruck für „Stromschnelle“.
Und jene Stromschnellen waren mit ein Grund dafür, dass sich hier in Laufen eine Papiermühle etablieren konnte, gegründet vom Pfeffinger Papierer Hans Peter Stoz. Denn für die Papier- und Pappeherstellung ist Wasser ein wichtiger Rohstoff.
So gab die 1740 erbaute Papiermühle in Laufen der Ortschaft an der Eyach wirtschaftlichen Auftrieb. Denn die Laufener Papierfachleute, lange Zeit unter Leitung der Familie Lang, waren offenbar in der Lage, feinstes, hochwertigstes Papier herzustellen, Papier, das edel genug war, die Worte der größten Geister jener Zeit aufzunehmen. Denn die Verlegerlegende Cotta suchte von Tübingen aus nach geeignetem Papier, um die Werke Schillers und auch Goethes drucken zu lassen.
Geboren in Stuttgart und auch immer wieder geschäftlich am Bodensee, kannte sich der Universalgeist bestens im Ländle aus und stieß auf die Laufener und ihre Mühle – und fand das Papier, das dort hergestellt wurde, so hervorragend, dass er es für die Ausgaben der Werke Schillers und Goethes würdig befand.
Die Langs und ihr Laufener Qualitätspapier wurden wohl zu Hauptlieferant Cottas. So hielt der Literaturfreund weltweit, der sich einen der beiden großen Dichter zu Gemüte führte, feinstes Laufener Papier in den Händen. Vor allem die 1805 begonnene Gesamtausgabe der Werke Friedrich Schillers wurde zu größten Teilen auf Laufener Papier gedruckt.
Im Jahre 1971 musste das Unternehmen, damals im Besitz der Firma Fritz und Co. Konkurs anmelden.
Johann Friedrich Cotta: Literaturfreund und Pionier
Um den Buchhandel haben sich nur wenige so verdient gemacht wie der kunstliebende und literaturbegeisterte Johann Friedrich Cotta (27. April 1764 in Stuttgart; † 29. Dezember 1832 in Stuttgart).
Als Verleger von Goethe und Schiller war er der große Verleger der klassischen Autoren des 19. Jahrhunderts.
Weiter im Verlagsprogramm hatte er Namen wie Hölderlin, Hebel, Uhland, Schwab, Schelling, Fichte, Pestalozzi, Kleist, Annette von Droste-Hülshoff, Alexander von Humboldt, Jean Paul, Hegel oder Herder.
Doch nicht nur in der Welt der Literatur hinterließ das Multitalent seine Spuren. Während des Wiener Kongresses setzte er sich engagiert für die Unabhängigkeit des Deutschen Buchhandels ein, bahnbrechend war auch seine Mithilfe bei der Errichtung der Zoll- und Handelseinheit Deutschlands, womit er auch Einfluss auf die politische Einheit des Landes nahm.
1824 führte er die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee ein. Dennoch ist Johann Friedrich Cotta fast nur als Freund und Verleger der großen Dichter Goethe und Schiller bekannt.
