„Natürlich macht so ein Spiel Mut“

Handball-Bundesliga: Trotz Niederlage startet der HBW vielversprechend in die neue Saison

Balingen, 01.09.2010 von Marcus Arndt

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Mit einer Niederlage startete der Balinger Handball-Bundesligist in die Saison – erwartungsgemäß. Überraschend: der starke Auftritt der Schwaben gegen die Rhein-Neckar Löwen.

Mit 30:31 unterlag das Team von Trainer Dr. Rolf Brack dem Champions League-Aspiranten. 105 Sekunden vor dem Spiel-ende brachte Benjamin Herth die Balinger noch einmal in Schlagdistanz, doch es reichte nicht mehr zum Punktgewinn. „Das gewisse Etwas hat in den entscheidenden Momenten gefehlt“, meinte der HBW-Regisseur, obwohl sich die Balinger nach einem Fünf-Tore-Rückstand (5:10/19.) bravourös zurückgekämpft hatten. „Balingen hat eine tolle kämpferische Leistung gezeigt und viel Charakter in der Mannschaft“, lobte Löwen-Dompteur Ola Lindgren die Schwaben, welche in Durchgang eins doch große Probleme im Positionsangriff hatten. „Da haben wir ein paar neue Dinge ausprobiert“, erklärte Brack, der versucht hatte, sich dem allgemeinen Trend mit vielen Kreuzbewegungen im Rückraum anzuschließen. „Was in die Hose ging“, wie der Sportwissenschaftler von den Fildern unumwunden einräumte. Erst als der Low Budget-Klub aus der schwäbischen Provinz in das alte System zurückgekehrt ist, lief es besser – viel besser.

Der Balinger Kommandogeber konnte sich allerdings nicht so richtig über den deutlichen Aufwärtstrend seiner Mannschaft freuen. „Natürlich können wir mit dem Ergebnis leben und ein bisschen stolz sein“, sagte der 56-Jährige, „doch es ist eben auch eine ergebnisorientierte Veranstaltung.“ Und am Ende standen die Schwaben mit leeren Händen da. Das wissen auch die Protagonisten auf der Platte richtig einzuordnen. „Natürlich macht so ein Spiel Mut“, verriet Kapitän Wolfgang Strobel, „aber man darf auch nicht denken, dass man etwas erreicht hat.“

Dennoch: Der Auftritt gegen das Starensemble aus der Metropolregion Rhein-Neckar macht Mut für die kommenden Aufgaben. Und noch etwas stimmt Fans, welche ihre Mannschaft trotz der Niederlage mit stehenden Ovationen feierten, und Verantwortliche zuversichtlich. Das starke Debüt von Johan Boisedu. Während der österreichische Neuzugang Roland Schlinger nach seiner Schulterverletzung „für diese Begegnung noch nicht bereit war“, wie es Brack formulierte – und nach drei Fehlern frühzeitig ausgewechselt wurde, machte der Franzose ein richtig gutes Spiel auf der Königsposition. Nicht nur aufgrund seiner fünf sehenswerten Treffer. „Er hat alles gezeigt, was ein Rückraumspieler zu bieten hat“, freute sich der HBW-Trainer und fügte hinzu: „Eine gewisse attraktive Spielweise gehört auch dazu.“ Der „Neue“ aus Dünkirchen (Wurfquote: 71 Prozent) gefiel nicht nur als Vollstrecker aus der Distanz, sondern demonstrierte viel Spielübersicht. „Ein Vorteil war für mich, dass mich hier keiner kennt“, analysierte der 31-Jährige. Er ergänzte: „Es war wichtig, dass wir ein gutes Spiel gezeigt haben – für den Geist in der Mannschaft und unsere Fans.“

Am Ende wäre ein zählbarer Erfolg für den Aufsteiger von 2006 noch wichtiger gewesen. Gerade in einer Saison, wo es im Abstiegskampf noch schwieriger für die Schwaben wird als in den vergangenen Jahren. Am kommenden Samstag reisen die Balinger zum „Angstgegner“ VfL Gummersbach (Bilanz: acht Spiele, acht Niederlagen), ehe am 11. September ein Sieg gegen Neuling TSG Friesenheim Pflicht ist. „Wir werden jetzt eben versuchen, in Gummersbach eine Überraschung zu schaffen“, blickte Herth voraus, der noch von Löwen-Manager Thorsten Storm ein Sonderlob bekam: „Das ist ein großes Talent, es hat mich gefreut, ihn so spielen zu sehen. . .“

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