Die Irrtelefonate des Holger

31.08.2010 von Holger Much

Was können wir alle froh sein, dass wir heute leben und nicht in der Vergangenheit. Nehmen wir nur mal die griechische Antike. Wenn man da, sagen wir, Odysseus, hieß und nur mal kurz von Troja heim nach Ithaka wollte, konnte es, hatte man zuvor einen Gott beleidigt, sein, dass man 20 Jahre lang, ohne genau zu wissen warum, in der Nachbarschaft herumirren mußte um dort auf teils recht unangenehme Zeitgenossen zu stoßen.

Heute dagegen macht man so was wesentlich angenehmer am Telefon in wenigen Minuten – und trifft ausnehmend nette Menschen. So wollte ich jüngst das Forstamt in Ebingen anrufen, wählte, durchaus korrekt, dessen Nummer – und landete mitnichten beim Forstamt, sondern bei einem netten Herrn eines großen Ebinger Metall verarbeitenden Betriebes, der erstaunt aber freundlich versicherte, ich sei nicht der Erste, der hier in die Irre geleitet worden war.

Besonders seltsam: Auf seinem Telefondisplay sah der Herr nicht meine, also des Anrufers Nummer, wie es zu erwarten gewesen wäre, sondern die von mir gewählte Nummer des Forstamtes. Der amüsante Trick wurde dann einige Male wiederholt und funktionierte jedes Mal prima. Nur ans Forstamt kam ich nicht ran. Letztlich kontaktierte ich die solchermaßen von der Außenwelt abgeschnittenen Forstspezialisten per Handy. Die zogen kurzerhand den Stecker der Telefonanlage und schon ging wieder alles.

Warum ich auf Irrtelefonat geschickt wurde, welchen heidnischen Gott ich beleidigt habe – keine Ahnung. Aber hätte man zu Odysseus' Zeiten auch einfach den Stecker ziehen können, wäre der gute Mann nicht 20 Jahre herumgeirrt, sondern auch nur 20 Minuten.

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