„Ich bin eine Netzwerkerin“
Rosa Butz leitet Verein zur Förderung vorgeburtlicher Erziehung seit sieben Jahren
Balingen-Roßwangen, 31.08.2010 von Rosalinde Conzelmann
Ihre zweite Schwangerschaft mit den Zwillingen Alexander und Michael hat die gebürtige Binsdorferin, die mit ihrer Familie in Rosswangen lebt, anders erlebt. Sie hat sich Ruhe gegönnt, war so oft es ging in der freien Natur und hat viel mit ihrer damals zweijährigen Tochter gesungen. Rosa Butz ist davon überzeugt, dass ihre beiden Buben, die heute 20 Jahre alt sind, diese positive Stimmung bereits vor der Geburt gespürt haben. „Weil ich ruhiger und zufriedener war“, sagt die heute 51-Jährige, die vor der Erziehungspause als Chefsekretärin tätig war.
Über ihren Beruf ist Rosa Butz auch zu ihrem Vereinsposten gekommen. Die Wurzeln des Vereines zur Förderung vorgeburtlicher Erziehung (VvE) liegen in Frankreich. Die Balingerin Irmgard Kolbe hat Marie-Andrée Bertin, Vereinsgründerin, Pädagogin und Buchautorin, in Berlin kennengelernt. Die Französin konnte Kolbe für die Idee begeistern, die 1997 den deutschen Verein gründete und auch den Vorsitz übernahm. Rosa Butz, die Irmgard Kolbe über die Elternarbeit in der Waldorfschule kannte, kümmerte sich aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung von Anfang an „um alles Schriftliche“ und rückte an die Vereinsspitze, als Irmgard Kolbe im Jahr 2003 das Amt abgab.
Der Verein hat rund 35 Mitglieder, die aus der Schweiz, aus Österreich und dem ehemaligen Osten Deutschlands kommen. Rosa Butz sieht sich als „Netzwerkerin“. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Informationen rund um das Thema zu sammeln, um diese auszuwerten. Dafür besucht sie auch regelmäßig Kongresse. Außerdem knüpft und pflegt sie Kontakte und organisiert Veranstaltungen. Die Informationen sind nicht nur für werdende Eltern bestimmt, sondern für alle Institutionen, bei denen junge Familien Hilfe suchen. Kommen medizinische Fragen auf, verweist die dreifache Mutter an die zuständigen Fachleute, „das ist nicht unsere Aufgabe“.
Rosa Butz ist zwischenzeitlich auch eine gefragte Referentin. „Ich will bei den Frauen das Bewusstsein wecken, dass eine Geburt eine große Veränderung im Leben darstellt und sie sich bereits vor der Schwangerschaft darüber Gedanken machen.“ Der Verein wolle dazu beitragen, „dass die Übergänge leichter sind“. Rosa Butz hat vielfach erlebt, „dass Karrierefrauen eine Geburt als Kulturschock erleben.“ Ihr Rat an alle Frauen mit Kinderwunsch: „Sich schon vor der Zeugung mit der neuen Rolle auseinandersetzen.“ Denn das Ungeborene sei den Stimmungen der Mutter ausgeliefert: „Es bekommt sowohl die Glücks- als auch die Stresshormone ab.“ Die 51-Jährige stellt aber auch klar, „das keiner mit einem Geburtstrauma leben muss.“ Ursachenforschung und Gespräche mit der eigenen Mutter können heilend wirken.
In einer der Broschüren, die der Verein erstellt hat, werden die Mütter aufgefordert, die Schwangerschaft als „kreative und prägende Zeit“ zu erleben.
Für Rosa Butz ist es noch immer ein kleines Wunder, „dass das Ungeborene bereits in der 16. Woche auf Licht und Geräusche reagiert und das Gehör in der 20. Woche voll entwickelt ist.“ Obwohl ihre Kinder groß sind und bald das Elternhaus verlassen, begeistert sie das Thema Familie und Gesellschaft nach wie vor. Sie freut sich, dass sie künftig noch mehr Zeit in ihr Ehrenamt investieren kann: „Jetzt kann ich richtig einsteigen.“
Das jüngste Vereinsprojekt, die Übersetzung des französischen Fachbuches von Marie-Andrée Bertin ins Deutsche, hat vier Jahre Zeit in Anspruch genommen. Ihre Tochter Sabine, die eine Ausbildung zur Hebamme macht, hat bei der Korrektur mitgearbeitet. „Das Wunder des werdenden Lebens“, so der Titel des Büchleins, ist mit einer Auflage von 500 Stück dieses Frühjahr im Rosenblatt-Verlag erschienen. Dem Buch liegt auch einen DVD bei. „Wir wollten damit Bertins Lebenswerk würdigen“, sagt Rosa Butz, die in ihrer Vereinsarbeit vor allem eine Erkenntnis gewonnen hat: „Vieles, was wir bereits seit Jahrzehnten spüren, wird nun wissenschaftlich belegt.“
