Engagiert – aber ohne Fortune
Handball-Bundesliga: HBW verliert gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 30:31 – Boisedu stark
Balingen, 30.08.2010 von Marcus Arndt
Im Prestigeduell gegen den badischen Rivalen brachte Dr. Rolf Brack seine nominell stärkste Sieben auf die Platte – mit Neuzugang Roland Schlinger, der die Zähne zusammenbiss. Der Austria-Bomber nahm sich in Zeitnot den ersten Wurf, doch Löwen-Keeper Slawomir Szmal parierte glänzend. Machtlos war der Pole nach knapp 180 Sekunden: Per Schlagwurf war Benjamin Herth erfolgreich – und Wolfgang Strobel legte nach. 2:0 für den Außenseiter, der bravourös verteidigte. Die Löwen konterten durch Patrick Groetzki und Barte Myrhol zum 2:2 (5.). Auch in der Folgezeit spielten die Schwaben auf Augenhöhe mit den Kurpfälzern, trotz Unterzahl nach einer frühen Zeitstrafe für Abwehrchef Daniel Sauer. Bitter für die Balinger: Szmal fischte sich einen Herth-Siebenmeter, während Grzegorz Tkaczyk auf der Gegenseite zum 4:3 für die Schwarz-Gelben einnetzte (9.). Börge Lund baute den Vorsprung erstmals auf zwei Treffer aus (3:5/9.).
Brack reagierte und brachte neues Personal. Die Rochaden auf der Platte zeigten Wirkung. Sascha Ilitsch brachte den HBW in Unterzahl wieder heran (4:5/11.). Doch einmal mehr taten sich die Schwaben im Positionsangriff unglaublich schwer – und die Löwen erhöhten nach 16 Minuten auf 7:4. Den Drei-Tore-Vorsprung konservierte die Truppe von Trainer Ola Lindgren zunächst – und legte sukzessive nach: zum 10:5 nach 20 Minuten. Balingen-Weilstetten fand in der Offensive nicht mehr statt. „Wir haben versucht, im Angriff ein paar neue Dinge zu entwickeln“, erklärte Brack, „doch das hat nicht geklappt.“
Der Erfolgstrainer von den Fildern zog seinen vermeintlich letzten Joker – und wechselte die Torhüter. Vladimir Temelkov beendete schließlich das Offensivdebakel, doch die Abwehr bändigte die Löwen einfach nicht. Diese kamen immer wieder zu einfachen Toren, während der HBW unglaublich hart für seine Treffer arbeiten musste. Der zweite Block sollte es nun richten. Und so unglaublich es nach der Vorbereitung klingt: Der hielt den Außenseiter im Spiel (9:12/25.). Als Temelkov weiter verkürzte, versuchte es Löwen-Dompteur Lindgren mit einer Auszeit. Ohne Erfolg: Die Schwaben blieben dran. Dennoch: Brack haderte. Er wollte noch eine Auszeit, doch die bekam er nicht mehr.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb der HBW am Drücker und verkürzte weiter (12:13). Der Favorit wankte, doch er fiel nicht. Myrhol und Gensheimer bestraften zwei kapitale Fehlpässe mit dem 17:14 (37.). „Wir haben in dieser Phase gut gearbeitet“, analysierte Lindgren, „haben jedoch die Vorentscheidung verpasst.“ Mit unermüdlichem Einsatz kämpften sich die Balinger wieder heran: auf 20:22 nach 45 Minuten. Es war ein offener Schlagabtausch – mit leichten Vorteilen für die Mannheimer in der Offensive, die wieder mit vier Toren wegzogen (22:26/48.). Die Entscheidung? Nein! Der HBW habe Charakter gezeigt, lobte der Löwen-Trainer die Balinger, welche – angetrieben vom starken Neuzugang Johan Boisedu (5 Tore) – noch einmal in Schlagdistanz kamen. Jens Bürkle düpierte Weltmeister Henning Fritz vom Kreis (26:28), doch die Löwen ließen die (Punkte-) Beute nicht mehr los und machten in Überzahl nach der Roten Karte gegen Sauer mit dem 30. Treffer alles klar (27:30/57.). „Es war mehr drin“, bilanzierte Brack enttäuscht, während Löwen-Manager Thorsten Storm zufrieden war: „Wir haben diesen Auftakt gebraucht. Diesen Sieg hat man von uns erwartet.“
Am kommenden Spieltag reist der HBW zum „Angstgegner“ VfL Gummersbach ins Oberbergische Land. „Ich hoffe, dass wir eine ähnliche Qualität gegen den Altmeister zeigen“, blickte HBW-Manager Benjamin Chatton voraus, „und eine Woche später geht es gegen Friesenheim bereits um sehr viel für uns!“
HBW Balingen-Weilstetten – Rhein-Neckar Löwen: Teams & Tore
HBW Balingen-Weilstetten: Marinovic (1. - 19. und 30. - 51., 24 Gegento-re/9 Paraden), Zoubkoff (19. - 30. und ab 51., 7/3); Herth (7/3), Boisedu (5), Strobel (6), Ilitsch (4), Temelkov (3/3), Lobedank (2), Bürkle (1), Ettwein (1), Wilke (1), Sauer, Schlinger, Mitkov.
Rhein-Neckar Löwen: Szmal (1. – 46., 22 Gegen-tore/10 Paraden), Fritz (ab 46. und bei zwei Siebenmetern 8/4); Tkaczyk (8), Myrhol (7), Gensheimer (6/2) , Cupic (3), Lund (2), Groetzki (2), Stefansson (2/1), Müller (1), Schmid, Roggisch, Gunnarsson, Bielecki.
Zuschauer: 2150.
Schiedsrichter: Biaesch/ Sattler (Frankfurt/Oberur-sel).
Spielfilm: 2:2 (5.), 3:3, 4:6, 5:7 (18.), 5:10, 7:12, 10:12 (27.), 11:13 – 13:14 (32.), 15:17, 17:20, 21:25 (48.), 23:26, 25:28, 27:30 (57.), 30:31.
Zeitstrafen: 12:10 Minuten (Herth, Sauer/3, Strobel, Boisedu – Myrhol/2, Gensheimer, Lund, Stefansson). Rote Karte für Sauer nach der dritten Zeitstrafe (55.).
Siebenmeter: 9/6:5/3 (Herth und Wilke scheitern an Szmal/8. und 16., Temelkov trifft die Latte/40. – Gensheimer wirft über das Tor/26., Cupic scheitert an Marinovic/34.).
Nächstes Spiel: VfL Gummersbach – HBW Balingen-Weilstetten (4. September, 19 Uhr, Eugen-Haas-Halle).
