Haberkorn glänzt mit fast perfektem Tennis
Zollern-Alb-Turnier: 23-jährige Vaihingerin lässt Santina Lange im Damen-Finale keine Chance
Albstadt-Ebingen, 30.08.2010 von Reinhard Linder
„Seit ich studiere, komme ich kaum mehr zum Trainieren“, sprudelte es aus der 23-jährigen Blondine nach ihrem 6:1, 6:1-Finalsieg über die acht Jahre jüngere Santina Lange aus Berlin nur so heraus. Ihr Vater habe sie gedrängt, mal wieder ein Turnier zu spielen, um in der deutschen Rangliste nicht weiter nach hinten zu rutschen. „Ich bin ganz locker hierher gefahren und hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft“, hatte sie gut lachen: „Das ist mein erster Turniersieg in diesem Jahr, das macht Lust auf mehr.“
Nach dem Abitur hatte sie sich die Vaihingerin voll und ganz auf den weißen Sport konzentriert und war in der deutschen Bestenliste bis auf Rang 22 nach vorne gerutscht. Mehrere Verletzungen hemmten sie in ihrem Lauf. Deshalb beschloss sie vor einem Jahr, Tennis vorderrangig als Hobby zu betrachten und an der Uni Tübingen ein Studium der Medienwissenschaften und der Amerikanistik aufzunehmen. Seither spiele sie nur noch für ihren Verein in der Verbandsrunde und während der Semesterferien einige kleinere Turniere.
Gerne sei sie nach Albstadt gekommen, obwohl sie im Vorjahr bereits in der zweiten Runde ausgeschieden sei, beteuert Haberkorn. Auch wenn sie das Turnier locker angegangen sei, habe sie doch großen Ehrgeiz entwickelt, sobald sie auf dem Platz stand. Problemlos ist sie ins Viertelfinale spaziert, wo sie auf die an Nummer zwei gesetzte Anastasia Wagner traf. Die Stuttgarterin vom TEC Waldau rang sie mit 6:4, 4:6 und 7:6 nieder, gewann anschließend locker mit 6:3 und 6:0 gegen Jasmin Kling (TC Lauffen) und kam so zu ihrem Auftritt auf dem Ebinger Center-Court vor mehr als 100 Zuschauern. Sie spielte ihre ganze Routine aus, leistete sich kaum einen Fehler und dominierte die Partie nach Belieben. „Früher wäre ich bei Einstand vielleicht nervös geworden, aber inzwischen habe ich gelernt ruhig zu bleiben“, war sie mit sich ganz zufrieden. Außerdem habe es Spaß gemacht, vor so einer großen Kulisse zu spielen.
Die Enttäuschung der Verliererin im Finale des 64. Zollern-Alb-Turniers im Rahmen des Dunlop WTB-Circuit hielt sich in Grenzen. „Ich habe richtig schlecht gespielt“, bekannte Lange selbstkritisch. Überhaupt sei der Sonntag nicht ihr Tag gewesen. Schon im Halbfinale habe sie große Mühe gehabt, Ines Kertesz (SB Versbach) mit 2:6, 6:3 und 7:6 zu bezwingen: „Dabei habe ich überraschend gut geschlafen.“
Übernachtet hat die 15-Jährige bei ihrem Onkel in Hechingen, der ihr an allen drei Turniertagen die Daumen drückte. Souverän kam sie Runde um Runde weiter und ließ selbst der an Nummer eins gesetzten Laura Sadria (TSG Heidelberg) beim 6:2, 6:3 im Viertelfinale keine Chance. Aber im Endspiel ließ vor allem ihr Aufschlag zu wünschen übrig, immer wieder geriet sie in die Defensive und leistete sich dazu noch einfache Fehler. „Vielleicht war das Wetter für mich zu kalt“, spekulierte sie.
Entmutigen lässt sich die Schülerin an einer Berliner Sportschule mit wöchentlich 16 Stunden Unterricht und 25 Stunden Training von der deutlichen Pleite nicht. Im Herbst will sie auf internationalem Parkett an Future-Turnieren teilnehmen, um ihrem Berufswunsch Tennis-Profi ein großes Stück näher zu kommen.
