Schiri-Prozess im November
Hechinger Justiz befasst sich mit der Sex-Affäre Amerell contra Kempter
Hechingen, 06.08.2010
Alexander Meinhof, Vorsitzender der ersten Zivilkammer des Hechinger Landgerichts, hat begonnen, sich in den wohl spektakulärsten Fall einzuarbeiten, der in diesem Fall an der Heiligkreuzstraße verhandelt wird: Amerell gegen Kempter:? die Affäre um Sex und Macht im Schiedsrichter-Milieu, die den Deutschen Fußball-Bund bis zum Präsidenten Theo Zwanziger hinauf erschüttert hat.
Der 63-jährige Manfred Amerell hat den 27-jährigen Michael Kempter wegen übler Nachrede und Verleumdung verklagt. In Hechingen verhandelt wird der Fall, weil der Beklagte Kempter aus Sauldorf im Kreis Sigmaringen stammt, das zum Landgerichtsbezirk Hechingen gehört. Amerell will laut Klageschrift ?ein angemessenes Schmerzensgeld, mindestens jedoch in Höhe von 150 000 Euro.
Richter Meinhofs Aufgabe ist es zu prüfen, ob Amerell Anspruch auf ein Schmerzensgeld hat und wenn ja, ob ihm diese Höhe angemessen erscheint. Meinhof zufolge bemisst sich dies unter anderem ?nach der Tiefe und dem Gewicht des Eingriffs auf das Persönlichkeitsrecht? und auch danach, ?ob die Ehrverletzung andersweitig ausgeglichen werden kann.
Amerells Anwalt Michael Langer hat der Schadensersatzklage die beiden Kempter-Interviews aus Bild? und ?Frankfurter Rundschau? beigelegt, in denen Amerell sexuelle Übergriffe zur Last gelegt werden ? und bestreitet die Vorwürfe im Namen seines Mandanten. Alexander Meinhof zufolge bleibt der Widerruf aber sehr pauschal. Offenbar geht aus dem Schriftsatz nicht hervor, ob Amerell die sexuelle Kontakte in Abrede stellt oder ob er unterstellt, dass sie in Einvernehmen mit Michael Kempter stattgefunden haben. ?Wenn der Kläger Schmerzensgeld will, muss er die Vorwürfe schon konkretisieren?, sagte Meinhof gegenüber der HZ.
Konkreter wird Manfred Amerell in einem 21-seitigen Dokument, das er an alle Mitglieder des DFB-Präsidiums und an alle Bundesliga-Schiedsrichter verschickt hat und über das die Bild-Zeitung gestern berichtete. Amerell behauptet darin, dass die nächtlichen Vorfälle in Kempters Hotelzimmer gar nicht stattgefunden haben können, weil er ? Amerell ?in besagter Nacht gar nicht in dem Münchener Hotel gewesen sei. Auch Aussagen Kempters, die sich auf Küsse auf den Mund und Klapse auf den Po in einem Auto beziehen, nennt Amerell ?dreist und glatt gelogen?.
Während der Ex-Schiedsrichter-Sprecher auf dem Boulevard mächtig aktiv ist, um seinen ramponierten Ruf zu retten, hat sich der kürzlich vom DFB vorübergehend aus dem Verkehr gezogene Michael Kempter fürs Schweigen entschieden. Stellung nehmen muss er demnächst jedoch gegenüber der Hechinger Justiz. Richter Meinhof hat Kempters Ludwigsburger Anwaltsbüro um eine Stellungnahme zu Amerells Klage innerhalb von vier Wochen gebeten. Sobald diese vorliegt, will Meinhof auf Amerells Anwalt zugehen und ihn auffordern, die Anschuldigungen zu konkretisieren.
Bis es zum Prozess vor der ersten Zivilkammer des Hechinger Landgerichts kommt, dürfte es nach Alexander Meinhofs Schätzung November werden. Genug Zeit also für die Akteure in der Heiligkreuzstraße, sich auf den zu erwartenden Medienrummel vorzubereiten. Da trifft es sich gut, dass alles in einer Hand liegt. Alexander Meinhof ist schließlich nicht nur Vorsitzender der zuständigen Kammer, sondern auch Pressereferent des Gerichts.
