Oberhubers Beethovenfries für das Jahres 2010

Ausstellungskurator Rudolf Greiner geleitet bei Teil eins der ZAK-Kunstführungen durch den „Rathaus-Tempel“

Balingen, 06.08.2010 von Klaus Irion

Anzeige
Der Auftakt war gelungen, die Resonanz beeindruckend. Rund 130 Kunstinteressierte erlebten am Mittwochabend beim ersten Teil der ZAK-Kunstführungen das Balinger Rathaus Foyer als „Oberhuber-Tempel“.

Oswald Oberhuber kam, sah und erklärte: „Das Balinger Rathaus-Foyer ist ein schwieriger Raum.“ Aber er sei doch gerade ein Künstler für schwierige Räume. „Ja, schon“, habe Oberhuber geantwortet und sich sofort an die Arbeit gemacht. Diese kurze Anekdote aus den Anfänge des Balinger Kunstsommers gab Ausstellungskurator Rudolf Greiner am Mittwochabend den rund 130 Kunstinteressierten bei der ersten von vier Kunstführungen, die der ZOLLERN-ALB-KURIER in Zusammenarbeit mit der Balinger Stadthalle, dem Stadtmarketing-Verein „Balingen aktiv“ und der Rosenfelder Lehner-Brauerei organisierte, zum Besten.

In seiner Begrüßung bedankte sich Oberbürgermeister Helmut Reitemann beim ZAK, „der diese Vierfach-Führung angestoßen hatte“. Er freue sich über die tolle Resonanz, und darüber, dass mit Kurator Rudolf Greiner ein absoluter „Oberhuber-Kenner“ den Menschen die Intensionen dieses Künstlers näher bringen könne.

Greiner selbst hatte sich zunächst „überrascht“ gezeigt, „dass so viele Menschen auch den Weg zu den Werken eines zeitgenössischen Künstlers gefunden hätten. Doch wurde aus der rathäuslichen Platznot flugs eine Tugend gemacht. Er führte einfach zwei Gruppen nacheinander in die Welt des emeritierten Wiener Kunstprofessors Oberhuber ein. Mehrfach wies Greiner darauf hin, dass die Objekte und Gemälde eigens für das Rathaus-Foyer entstanden sind. „Was dabei herausgekommen ist, würde ich als Beethovenfries für das Jahr 2010 bezeichnen.“ Ursprünglich habe er damit geliebäugelt, neben Oberhuber-Gemälden auch Möbel und Teppiche des früheren Professors der Wiener Hochschule für angewandte Kunst zu präsentieren. „Das geht hier nicht“, habe ihm Oberhuber aber beschieden.

Gemälde sind gleichwohl entstanden, statt Möbel aber darf sich der Betrachter nun mit schwarz-weißen Objekten auseinandersetzen. Oder mit „Dingen, die ihr Eigenleben haben“, wie Greiner es formulierte. „Schließlich leben wir ja alle in einer Dingwelt, von der wir nicht mehr loskommen.“ Zu solchen „Dingen“ gehören auch Brennelemente aus Atomkraftwerken. Als solche definiert der Tübinger Ausstellungsmacher die von der Rathausfoyer-Decke herabhängenden Holzstäbe. Auch hier wieder in schwarz mit etwas weiß gehalten.

Einige der schwarzen Oberhuber-Objekte zieren weiße Zahlenkolonnen, die „auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben, sich auch nicht berechnen lassen. Gerade aber darum gehe es, um die Unberechenbarkeit des Handelns moderner Menschen. Womit Greiner wieder beim Thema Atomphysik angelangt war. Stichwort: Teilchenbeschleuniger und simulierter Urknall im schweizerischen Kernforschungszentrum CERN.

Resümierend zog Oberhuber-Freund Greiner noch einmal einen Vergleich über 100 Jahre Kunst hinweg. „So wie für die Künstler um Gustav Klimt die Wiener Secession zum Tempel wurde, wird das Balinger Rathaus für Oberhuber der Tempel.“ Oder anders ausgedrückt: „Die Hoffnung wäre das Rathaus.“

Anzeige
Anzeige

PROBE LESEN

Der ZAK bei Facebook