Entlastung für die Eyach
An drei Zuflüssen macht Balingen mit dem Hochwasserschutz ernst
Balingen, 31.07.2010 von Klaus Irion
Es ist gerade Mal eine Woche her, da traten die Bäche und Flüsschen in Bisingen und im Raum Hechingen nach einem kurzen aber heftigen Regenschauer kräftig über die Ufer. Keller liefen voll, Straßen waren unpassierbar. Über 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Unter ihnen auch die Abteilungen aus Ostdorf und Engstlatt. Es war wohl wieder einmal reiner Zufall, dass es die Hohenzollerischen Lande getroffen hat und nicht das nur wenige Kilometer entfernte Balingen.
An diesem Beispiel sieht man aber, dass das Thema Hochwasserschutz ein Dauerthema sein wird. Im Bereich der Kernstadt wurde durch den Eyach-„Umbau“ bereits vor einigen Jahren der Grundstein dafür gelegt, dass Hochwasser – wie auch vor wenigen Wochen wieder zu sehen war – relativ glimpflich verlaufen. Inzwischen wurde auch an zwei Stellen der Fußgänger-/Radweg entlang des Flusses mit Schranken versehen, die bei Hochwasser sofort geschlossen werden.
In den kommenden Jahren aber gilt es nun, auch die Eyach-Zuflüsse entsprechend den wohl zunehmenden Wetterkapriolen aufzurüsten. In Heselwangen, Frommern und Weilstetten ist die Planungsphase bereits abgeschlossen, in Endingen/Erzingen wird sie in den kommenden Jahren eines der zentralen Themen sein.
Als erstes Projekt wird nun der Hühnerbach angegangen, der durch Weilstetten fließt und auf Frommerner Gemarkung hinter dem Kieswerk Strobel in die Eyach mündet. „Wir müssen dort einfach für einen sicheren Abfluss sorgen“, sagt Tiefbauamtsleiter Eduard Köhler. Die Bewohner der Roßwanger Straße wären im Falle eines Hochwassers die Betroffenen. Das bestehende Regenüberlaufbecken wird abgerissen und durch ein neues Becken ersetzt. Kostenpunkt: 767 000 Euro – 600 000 Euro für den Rohbau, 167 000 Euro für die technische Ausstattung. Beide Aufträge waren noch vor der Sommerpause vom Gemeinderat vergeben worden. „Im September sollen die Bauarbeiten starten“, sagt Köhler. Das gilt auch für den zweiten Teil der dortigen Hochwassermaßnahme. Für weitere 705 000 Euro wird der Hühnerbach renaturiert. Beendet sein soll das gesamte Hühnerbach-Projekt im Juli 2011.
Auch noch in diesem Jahr beginnt der Hochwasserschutz für die Bewohner der Heselwanger Lauwasenstraße und das benachbarte Neubaugebiet. Allerdings wird es nach einem Votum des Balinger Gemeinderats vor einigen Monaten hier nur eine kleine Lösung geben. Für rund 34 000 Euro wird hinter den Gärten der Lauwasenstraßen-Häuser ein Graben gezogen, in dem das überschüssige Wasser aus Richtung Hirschberghof gesammelt und in ein Retensionsbecken an der Ecke Hirschbergstraße / Lauwasenstraße eingeleitet wird. „Es ist zwar ein kleiner Wasserspeicher, aber es ist einer“, sagt Köhler. Zwei teurere Varianten hätten das Wasser über ein Kanalnetz dem Reichenbach zugeführt, der Heselwangen abwärts hinterm Au-Stadion in die Eyach fließt.
Noch ein klein wenig Zukunftsmusik ist das dritte Hochwasserprojekt, „über das wir uns aber schon seit geraumer Zeit Gedanken machen“ (Köhler). Gemeint ist eine „offene Retention“ zwischen Endingen und Erzingen, die auch für die Kernstadt Balingen nicht unwichtig ist. Dort soll eines Tages eine sogenannte Flutmulde, ähnlich den Poldern an großen Flüssen das Wasser zurückhalten, wenn die Steinach einmal über die Ufer tritt. Köhlers Vorstellungen „gehen in Richtung eines zwei- bis zweieinhalb Meter hohen Dammes“. Innerhalb von 36 Stunden könnte dann das Wasser kontrolliert abgegeben werden.
Doch vor der planerischen Umsetzung gilt es erst einmal grundstücks- und baurechtliche Angelegenheiten zu klären. „Es würde uns die Arbeit natürlich sehr erleichtern, wenn die Grundstücksfragen einfach zu klären wären.“ Doch geht Köhler schon einmal vorsorglich auch von möglichen Einsprüchen gegen das Projekt aus. „Die ganze Sache wird sich so oder so aber noch einige Jahre hinziehen.“
