Jazz Open: Kleiner ist feiner

Stuttgart, 22.07.2010 von Bernd Haase

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Sie hätte wohl der erste große Höhepunkt der diesjährigen Jazz Open Stuttgart werden sollen, die "Starry Starry Night", bei der unter der Leitung des musikalischen Festival-Direktors Mike Batt die Stuttgarter Philharmoniker zusammen mit Pop-, Musical- und Jazzgrößen in der Porsche-Arena musizierten. Angekündigt als "Brückenschlag über Grenregrenzen hinweg" waren aber bestenfalls abgebrochene Brücken zu hören, die von balladenhaften Pop-Balladen meist ins Nirgendwo führten.

Experimente, echte Grenzgänge: Fehlanzeige. Dargeboten wurde mit den Stimmen von anerkannten Größen wie Katie Melua, Till Brönner, Anna Maria Kaufmann, die für die erkrankte Jessye Norman kurzfristig eingesprungen war, und Curtis Stigers - eine kuschelweiche Nummernrevue aus Hits von dem namensgebenden "Vincent" aus der Feder Don McLeans über Freddie Mercurys "Time to say goodbye" bis hin zu Henry Mancinis "Moon River" und Tom Waits' "San Diego Serenade". Ein schöner Abend für Freunde der elaborierten Popballade war es gewiss, auch trotz mancher Unstimmigkeiten im Zusammenspiel zwischen Orchester und Solisten, mehr aber nicht. 
Von Jazz ganz zu schweigen.

Das Dilemma an der "Starry Starry Night" zeigte sich vor allem im Vergleich zum Vorabend. Da nämlich war der Sänger und Saxophonist Curtis Stigers, seines Zeichens aktueller Preisträger des Jazz-Echos, im kleinen Club Bix aufgetreten mit seinem Trio. Auch an diesem Abend stand Tom Waits' "San Diego Serenade" auf dem Programm ­ aber im Vergleich zur Version der "Starry Starry Night" war das ein völlig anderes Lied. Ja, in der kleinen Besetzung wurde aus der Folk-Ballade echter Jazz, wie überhaupt es Stigers mit seinen drei blendend aufgelegten Musikern bestens verstand, Pop-Perlen auseinander zu pflücken und zu kleinen, funkelnden Jazz-Brillanten zusammen zu setzen.

Da ist Raum für Soli, da wird ausgereizt, was die Stimme und Saiten hergeben, da werden neue Melodielinien gesucht und gefunden, und trotzdem kommt ein harmonisches  Gesamtbild dabei heraus. Gewiss ein erster Höhepunkt des Festivals, der allenfalls von den Stimmen überlagert wurden, die pausenlos über den Bix-Eröffnungsabend mit der irisch-französischen Sängerin Camille O¹Sullivan schwärmten, ob man es noch hören wollte oder nicht.

Das Bix-Programm entpuppt sich zumindest zum Auftakt mal wieder als Herzstück des Festivals. Daran konnte auch die Guitar Night auf der Open-Air-Bühne des Mercedes-Benz-Museums nichts ändern. Denn mit George Benson musste der entscheidende Protagonist absagen. Dafür führte Jan Akkerman virtuos und grandios die Kunst des vertrackten Gitarrensolos auf, während Alvin Lee zwar auch virtuos die sechs Saiten bearbeitet, aber seit 30 Jahren seiner Kunst nicht mehr viel Neues hinzuzufügen weiß.

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