Die Dimensionen hautnah betrachten

Glockenstuhlbesichtigung in der Heselwanger Zimmerei Sauter stößt auf großes Interesse

Balingen-Heselwangen, 26.07.2010 von Helga Jetter

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Auf reges Interesse stieß die Glockenstuhlbesichtigung in der Zimmerei Sauter. Viele Besucher wollten es sich nicht entgehen lassen, das neue Innenleben des Balinger Stadtkirchenturmes aus der Nähe zu betrachten.

So hautnah wie derzeit auf dem Gelände der Zimmerei Sauter kann das Jahrhundertwerk nach dem Einbau ab dem 2. September in den Stadtkirchenturm nicht mehr besichtigt werden. Dort wird die Eichenholzkonstruktion als „Turm im Turm“ ohne Verbindung mit dem Mauerwerk wohl die nächsten paar hundert Jahre seine Aufgabe erfüllen. Nach dem Bau der Balinger Stadtkirche war bereits einmal ein Eichenholz-Glockenstuhl bis ins vorige Jahrhundert im Kirchenturm. Dieser wurde nach einer Glockenerweiterung durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, welche lediglich sechs Jahrzehnte ihren Dienst tat. Der Einbau der neuen Friedensglocke macht nun wieder eine Umbaumaßnahme erforderlich, und des besseren Glockenklanges wegen geht man wieder zu einer Holzausführung zurück.

Dekan Martin Seitz lenkte in seiner kurzen Andacht am Samstag den Blick vom Glockenstuhl auf die Menschlichkeit unter den Besuchern. Die Sprache, welche bald vom Glockenturm ausgehen wird, soll alle Gruppierungen der Gesellschaft, alle Kulturen und alle Religionen erreichen. Sein inniger Wunsch ist es, das Projekt Glockenstuhl und Friedensglocke zum Lobe Gottes gut zu Ende bringen zu können. Von den 346 000 Euro Gesamtkosten müssen noch 191 000 Euro finanziert werden. Kirchengemeinde und Bürgerverein ziehen gemeinsam an einem Strang und werben engagiert um Spender. Auch der Erlös der Heselwanger Richtfest-Hockete wird dem Spendentopf zufließen.

Eine besondere Herausforderung stellt das Bauwerk auch für die Zimmerleute dar. Die handwerkliche Erfahrung befähigte Zimmermeister Andreas Sauter bereits zur Betreuung der Zimmererlehrlinge der Balinger Gewerbeschule, welche Teile der Abbundarbeiten vornahmen, und die Fortführung der Arbeiten in seinem Betrieb. Das Eichenholz, in Balinger Wäldern geschlagen und im Sägewerk Ott in Bickelsberg geschnitten, wurde in Absprache mit der Glockengießerei Bachert verarbeitet. Da Eichenholz in diesen Dimensionen nicht technisch getrocknet werden kann, kommt den gesamten Zug- und Druckverbindungen eine besondere Bedeutung zu. Als Obermeister der Zimmerinnung konnte Andreas Sauter mit seinem Team einen wohl einmaligen Auftrag ausführen, mit welchem er in die Baugeschichte der Balinger Stadtkirche eingehen wird.

Im Verlauf des Glockenstuhl-Richtfestes konnten die Besucher in Filmen von Dekan i .R. Gotthilf Baumann den Glockenguss der neuen Friedensglocke sowie deren Einzug in Balingen in Erinnerung rufen. Die Fortsetzung der Feierlichkeiten soll am 3. Oktober stattfinden. Zum Erntedankfest soll die neue Friedensglocke erstmals erklingen und sich in das Geläute vom Kirchturm einfügen, welches bereits jetzt als eines der schönsten im Lande gilt.

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