Mehr Schutz bei Amoklauf
Balinger Schulen sollen schneller reagieren können – Gemeinderat berät Maßnahmen
Balingen, 16.07.2010 von Klaus Irion
Die Aufregung am 19. März dieses Jahres war groß. Per SMS hatte ein Gerücht die Runde gemacht, an der Balinger Realschule gäbe es eine Amoklauf-Drohung. Der Verdacht erwies sich später glücklicherweise als nicht ernst gemeintes Missverständnis. Der Schock auf dem Balinger Schulberg mit seinen vier Schulen und seinen weit über 2000 Schülern saß nach dem morgendlichen Polizeieinsatz aber tief. Zu frisch waren die Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden.
Dieses schreckliche Ereignis war es dann auch, was die baden-württembergische Landesregierung dazu bewogen hatte, eine „Gemeinsame Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums, des Innenministeriums und des Umweltministeriums über das Verhalten an Schulen bei Gewaltvorfällen und Schadensereignissen“ zu erlassen. Im Klartext: Alle Schulen im Land sollen ihre Warn- und Sicherheitsstandards erhöhen. In der kommenden Woche wird sich nun der Balinger Gemeinderat mit der Thematik beschäftigen.
Die Maßnahmen für die Balinger Schulen sind dabei zweigeteilt. Zum einen sind Pflichtaufgaben zu erfüllen. Dabei geht es um ausreichende Informationen und um die richtige Vernetzung. So sollen nach den Vorgaben des Landes „schulinterne Krisenteams“ gebildet werden. Die Schulleiter ihrerseits müssen einen Krisenplan und in Absprache mit dem Schulträger (Stadt Balingen) und der Feuerwehr einen Rettungsplan erarbeiten. Darüber hinaus wird ein jährliche Brandalarmübung vorgeschrieben.
Der zweite Teil der Maßnahmen umfasst sogenannte „Handlungsempfehlungen“. So sollen beispielweise – wenn möglich noch 2010 – alle Balinger Schulen mit einem speziellen Alarmsignal ausgestattet werden, das auf eine Amoklauf hinweist. Schulen, die noch keine elektrische Brandalarmierung haben, sollen diese nun erhalten. Alles in allem rechnet die Stadt Balingen mit Kosten von rund 200 000 Euro. Davon kämen nach derzeitigem Stand der Dinge 41 000 Euro vom Land.
Verschoben werden soll dagegen die notwendige Sanierung der elektroakustischen Anlage im Balinger Gymnasium. Kostenpunkt: 150 000 Euro. „Dies wird in den kommenden Jahren zusammen mit den erforderlichen Brandschutzmaßnahmen in Abhängigkeit der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel mit hoher Priorität durchgeführt“, so der wortwörtliche Vorschlag der Stadtverwaltung.
Bei einem Treffen der Schulleiter ging es auch um das Thema Türschließsysteme. Eine kontroverse Diskussion mündete in der Erkenntnis, dass solche Systeme nicht die oberste Priorität besitzen, weitere Gespräche notwendig sind.
Weitere Gespräche will auch die Stadt Balingen mit Anbietern von Informationssystemen führen. Es geht dabei um zeitgemäße Formen von Telefonketten und Telefonlisten im Fall des hoffentlich nie eintretenden Ernstfalls. So vertreibt auch ein Balinger Unternehmen solch ein System, bei dem über einen gesicherten Server vorab gespeicherte Personen per SMS, Fax, Telefon oder E-Mail informiert werden. Der Anschaffungspreis läge laut Stadt bei 7000 Euro. Dazu kämen jährliche laufende Kosten von rund 500 Euro.
