Ein Blick aus polnischer Perspektive

Justyna Kobylarz ist Praktikantin im Winterlinger Rathaus und der Realschule – Erleben heißt verstehen

Winterlingen, 14.07.2010 von Bianka Roith

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In Winterlingen hat sie zum ersten Mal den Dialekt der Älbler gehört. Mittlerweile versteht Justyna Kobylarz schon so einiges. Nur bei einem Schwatz älterer Menschen muss die Polin passen...

Die 39jährige Justyna Kobylarz verbringt in Winterlingen ihre polnischen Sommerferien und macht für vier Wochen ein Praktikum auf dem Winterlinger Rathaus und in der Realschule. In zwei Wochen wird sie wieder heimfahren. Sie hat bereits die Geschichte der Partnerschaft mit der polnischen Partnergemeinde Izbica ins Polnische übersetzt und ins Internet gestellt und kümmert sich um die Übersetzung des Schriftverkehrs zwischen Winterlingen und Izbica. In der Realschule gestaltet die gelernte Deutschlehrerin den Unterricht mit und erzählt über ihre Heimat.

Vor sechs Jahren kam Justyna Kobylarz zum ersten Mal nach Winterlingen. Zuvor war sie schon in Deutschland als Ferienjobberin in Ulm und als Schülerin bei einer Gastfamilie in Bremen. Sie vertrat bei ihrem ersten Winterlingen-Besuch eine Deutsch-Lehrerin aus dem Izbica-Teilort Tarnogóra, die sich das Bein gebrochen hatte. In diesem Monat stand auch der Schüleraustausch mit der Winterlinger Realschule auf dem Programm und Justyna Kobylarz war mit dabei. Später fungierte sie bei Besuchen der deutschen Delegation in Izbica als Dolmetscherin. Am Montag war sie wieder einmal als Dolmetscherin im Einsatz, als die Schüler aus Izbica nach Winterlingen kamen. Von Deutschland ist Justyna Kobylarz restlos begeistert. „Die Landschaft und die Umgebung gefallen mir sehr. Der Schwarzwald und die Alpen – das ist wirklich atemberaubend“, schwärmt sie.

Aufgewachsen in Samosc, einem 30 Kilometer von Izbica entfernten Ort, studierte Justyna Kobylarz in Lublin, der Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft (polnischer Verwaltungsbezirk), Germanistik. Sie entschied sich für die Fachrichtungen Deutschlehrer und Übersetzerin/ Dolmetscherin. Gleich nach dem Studium übernahm sie die Lehrer-Vertretung in Tarnogóra. Nach der Schule, vor sechs Jahren, begann sie in der Schule in Krynice in der Nähe von Samosc als Deutschlehrerin. Nebenbei unterrichtet sie außerdem Erwachsene an der Sprachschule in Deutsch. „Fremdsprachen sind mein Hobby, ich hatte auch in der Schule keine Probleme, lernte auch Russisch“, sagt sie. Derzeit lernt sie zudem Englisch. Außerdem ist sie sportlich aktiv und fährt zum Wandern ins Gebirge. Denn nur am Strand zu liegen, ist nicht ihre Sache. „Ich möchte meinen Urlaub gerne aktiv verbringen“, erklärt sie.

Justyna Kobylarz erzählt auch, wie sie die Menschen hier erlebt. „Ich glaube, es gibt schon Unterschiede zwischen Polen und Deutschland“, sagt Justyna Kobylarz. Hier werde über Dinge gesprochen, die in Polen nicht so wichtig wären, berichtet sie von ihrer Verwunderung, sich über schlechte Straßen aufzuregen, denn in Polen seien alle Straßen schlecht. „Mit meinen polnischen Augen sehe ich die Straßenschäden nicht“, erklärt sie lachend. Dann kommt sie auf die Gemeindepartnerschaft von Izbica und Winterlingen zu sprechen: „Diese Partnerschaft finde ich sehr gut, sowohl für die polnische als auch für die deutsche Seite“, sagt sie. Die Vergangenheit zwischen Polen und Deutschland sei sehr kompliziert. „Da glaube ich, kann man viel machen, wenn man sich gegenseitig kennen lernt, sich schätzt und einander verstehen lernt. Es gibt nichts, was so stark verwurzelt wäre, dass man es nicht überwinden kann.“

Deutsche, die Izbica besuchten, kamen zurück mit einer anderen Einstellung und erzählten ihr von dem freundlichen Empfang in Polen. „Erleben heißt verstehen“, zitiert Justyna Kobylarz ein Sprichwort. „Ich glaube, darin steckt viel Wahrheit für beide Seiten.

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