Letzte Ruhe unter Bäumen

Hechingen will sich neuen Wegen der Bestattung öffnen – Kirchen entscheiden mit

Hechingen, 12.07.2010

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Das Bestattungswesen befindet sich im Wandel. Auf dem Hechinger Friedhof liegt der Anteil der Urnenbestattungen mittlerweile bei 60 Prozent. In Zukunft soll es dort auch Baumgräber geben.

Die Tendenz im Bestattungswesen ist eindeutig und betrifft nicht mehr nur Großstädte, sondern zeichnet sich längst auch im ländlichen Raum ab: Die klassische Grabstätte wird zunehmend abgelöst von Urnen- und Rasengräbern. Dadurch reduziert sich der Flächenbedarf auf den Friedhöfen deutlich. Auch auf dem Hechinger Friedhof Heiligkreuz liegt der Anteil der Urnenbestattungen mittlerweile bei 60 Prozent - Tendenz steigend. Die Stadt Hechingen will dieser Entwicklung Rechnung tragen und plant, auf Heiligkreuz künftig Baumbestattungen zuzulassen.

Baumgrabstätten zeichnen sich dadurch aus, dass die Ruhestätte nicht von Angehörigen gepflegt werden muss, aber dennoch ein Ort existiert, an dem der oder die Verstorbene besucht werden kann. Gekennzeichnet werden die Baumgrabstätten mit einem etwa 40 Zentimeter großen, so genannten Kissenstein, der die Daten des oder der Verstorbenen trägt. Die Grabmale sollen von der Stadt in Auftrag gegeben werden und in der Gebühr enthalten sein.

Die Gebühren für eine Baumbestattung werden derzeit ermittelt. Die Kosten seien „deutlich unter der normalen Urnenbestattung anzusetzen“. Auf einen Auswärtigenzuschlag will man verzichten.

Das „innovative Konzept“ von Stadtbaumeister Blumhagen fand im Bauausschuss Anklang. FWV-Stadtrat Uwe Oster lobte die „gute Idee“ und sah „keinen Unterschied zum Rasengrab“, zumal sich das neue Baumbestattungs-Areal innerhalb des Friedhofs befinden wird. Oster: „Im Stadtwald wäre es was anderes.“

CDU-Stadtrat Christoph Wild äußerte allerdings Bedenken wegen des „doch eher naturreligiösen Charakters von Baumbestattungen nach dem Modell „Friedwald“. „Das wäre ein grundlegender Eingriff in unser Friedhofswesen“, findet Wild, über den nicht der Bauausschuss, sondern der Gemeinderat entscheiden solle. Das Thema sollte seiner Meinung nach „auf eine breitere Basis gestellt werden“. Außerdem forderte Wild, dass „die Kirchen in den Entscheidungsprozess mit eingebunden werden“.

Die Verwaltung will jetzt die Meinungen der kirchlichen Stellen zum Thema Baumbestattung einholen und zusammen mit Blumhagens Gestaltungskonzept nach der Sommerpause dem Gemeinderat vorlegen. Parallel dazu soll die Friedhofsatzung überarbeitet und ebenfalls dem Gremium präsentiert werden. Bürgermeister Jürgen Weber kündigte an, dass die Stadt in ihrer neuen Friedhofsordnung „auch Gestaltungsfragen legerer handhaben wolle.


Eine Alternative nicht nur für naturverbundene Menschen

Die Baumbestattung ist eine relativ neue Bestattungsart. Der Schweizer Veli Sauter hat die Bestattung im „Friedwald“ 1993 erfunden und sich die Idee patentieren lassen. In Anlehnung an dieses Modell sollen auf einer etwa 2000 Quadratmeter große Fläche im südlichen Teil des Friedhofs Heiligkreuz biologisch abbaubare Urnen an den Wurzeln eines Baumes im Radius von zirka 2,5 Metern beigesetzt werden. Pro Baum können bis zu acht Urnen Platz finden. Stadtbaumeister Peter Blumhagen spricht von insgesamt „etwa 150 Urnenstandorten“.

Die Baumgrabstätten sollen schmucklos bleiben. Um dennoch Gestecke und Blumen ablegen zu können, soll im Zugangsbereich des neuen Grabfeldes ein Platz mit einem neutralen Gedenkstein geschaffen werden. Zur Orientierung soll ein einfacher Pfad aus wasserdurchlässigen Materialien angelegt werden. Außerdem würden die Bäume nummeriert.

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