„Das Unmögliche wird möglich“
Feierliche Eröffnung des Wiener Kunst-Dreiklangs auf dem Royanplatz vor Balingens Stadthalle
Balingen, 10.07.2010 von Klaus Irion
„Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“, forderten einst die Wiener Sezessionisten um Gustav Klimt und Josef Hoffmann. Was diese beiden vor über 100 Jahren damit meinten und was ein zeitgenössischer Künstler wie Oswald Oberhuber heute daraus macht, das kann ab sofort in der Balinger Stadthalle, der Zehntscheuer und der Rathaus-Galerie begutachtet werden. „Sie haben in Balingen die einmalige Möglichkeit 100 Jahre Kunst zu überblicken“, warb Rudolf Greiner bei der Eröffnung des Balinger Kunstsommers auf dem Vorplatz der Balinger Stadthalle vor einigen hundert geladenen Gästen. Darunter viele Lokalpolitiker, Honoratioren und die hiesigen Landtagsabgeordneten Günther-Martin Pauli (CDU) und Hans-Martin Haller (SPD).
Von „Kaiserwetter zum Auftakt“, sprach Oberbürgermeister Helmut Reitemann und „von einem Traum, der beim Fußball in Südafrika zerplatzt, in Balingen in künstlerischer Hinsicht aber in Erfüllung gegangen ist“. Reitemann dankte allen Leihgebern – neben Sabarsky vor allem auch das Wiener „Museum für angewandten Kunst“, das „an allen drei Ausstellungen beteiligt ist“, wie dessen Vizedirektorin Martina Kandeler-Fritsch betonte.
Die Festrede hielt der Ministerialdirektor im baden-württembergischen Ministerium für Kunst und Wissenschaft, Klaus Tappeser. Von seinen früheren Blicken „was wohl die Balinger in Sachen großer Kunst wieder machen“, erzählte Tappeser. Zu einer Zeit als er noch Oberbürgermeister von Rottenburg gewesen sei und sein Rottenburger Mitbürger Roland Doschka für die hiesigen Stadthallen-Erfolge verantwortlich zeichnete. Dass auch die Nach-Doschka-Ära seine künstlerischen Überraschungen parat hält, wollte er aber auch nicht verschweigen. Das sei ja gerade der Charme von Baden-Württemberg, dass große Kunst eben nicht nur in den Metropolen, sondern auch in der Fläche zum Tragen komme. „Es gibt viele solcher Balingens im Ländle, aber an das Original reichen sie nicht heran“, lobte Tappeser.
Dass dies so ist, dafür sorgen neben Stadthallenchef Ulrich Klingler nun schon zum zweiten Mal Annette Vogel vom Münchner Ableger der New Yorker Sabarsky-Collection und der eingangs bereits erwähnte Rudolf Greiner. Letzterer bekannte gestern Abend, „dass ich kuratorisch in diesem Fall gar nicht mitgewirkt habe“. Dafür aber kann Greiner also geistiger Vater des Balinger Kunstsommer-Dreiklangs bezeichnet werden, der in Kombination mit dem stets optimistisch wagemutigen Klingler und den Kunstszene-Verbindungen von Vogel die Ausstellungen erst möglich machte. „In Balingen wird eben immer das Unmögliche möglich gemacht“, sagte Vogel und spannte mit Blick auf den Beethovenfries im Großen Saal der Stadthalle – dieses Mal verbal – den Bogen vom Wiener Jugendstil zur Moderne: „Beethoven war zu jener Zeit Kult, Gesamtkunstwerke wie die Beethoven-Ausstellung waren Kult.“ Stichwort Gesamtkunstwerk: Passend zum Beethovenfries untermalte gestern ein Bläserensemble unter der Leitung von Dietrich Schöller-Manno mit Auszügen aus Beethovens 9. Sinfonie die Feier.
Vielleicht werden ja auch die kommenden zweieinhalb Monate in Balingen ein kultiges Kunst-Happening. Spätestens dann, wenn noch Roman Scheidels überdimensional große Wien-Bilder den Kunstpfad zwischen Stadthalle und Zentrum zieren. Einen Beitrag dazu will auch der ZOLLERN-ALB-KURIER mit seinen Kunstführungen leisten. Tickets für das Vier-Führungen-Paket gibt es ab sofort bei allen ZAK-Geschäftsstellen.
