Der Paganini der E-Gitarre

Die Michael Schenker Group liefert am Freitag Abend einen fulminanten Auftritt ab

Ratshausen, 05.07.2010 von Daniel Seeburger

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Michael Schenker gehört zu den besten Rock-Gitarristen der Welt. Das hat er am Freitag Abend in Ratshausen einmal mehr bewiesen.

Michael Schenker ist kein Star. Dazu fehlt ihm die Chuzpe, die man im Rock-Geschäft braucht. Aber Schenker ist einer der besten Rock-Gitarristen der Welt. Der Musiker redet nicht viel, lässt dafür seine „Flying V“ erzählen.

Schenker ist nie im Zentrum der Show. Da steht Sänger Gary Barden. Der 55-jährige Gitarrist sucht seinen Platz auf der linken Seite. Was er dort produziert, ist schlicht atemberaubend. Schenker spielt die Gitarre nicht, er liebkost sie. Man kann ihn durchaus mit Niccoló Paganini vergleichen, der im 19. Jahrhundert für Furore auf der Violine sorgt. So könne ein Mensch eigentlich gar nicht spielen, hieß es damals. Paganini erhielt das Prädikat „Teufelsgeiger“.

Michael Schenkers Gitarrenspiel hat Ähnlichkeit mit dem Violinspiel Paganinis. Die Triller, die der 55-Jährige spielt, sind genau so leichtfingrig wie Paganinis Violintriller. Doppelgriffe, Sprünge , Schnelligkeit – Schenkers technisches Repertoire kennt kaum Grenzen. Er steht am Rand der Bühne und beginnt sein atemberaubendes Spiel. Wenn er sich leicht über sein Instrument beugt, scheint er in eine andere Welt abzudriften. Introvertiert, meditativ ist sein Stil – die Songs, die er geschrieben hat, taugen allerdings kaum zu Meditationen.

Mit „Armed and ready“ startet die Michael Schenker Group (MSG) den Abend. Gary Barden, der übrigens schon zur Urformation der MSG gehörte und mit Schenker Anfang der 80er-Jahre große Erfolge feierte, scheint kaum gealtert zu sein. Bereits im ersten Titel deuten die Musiker an, wohin die Reise geht: solider, schneller, melodiöser Hard-Rock. Der wummernde Bass bei „Cry for the nations“ ist das Werk von Neil Murray, der lange Jahre bei Whitesnake und Black Sabbath für den rhythmischen Unterbau sorgte. Schon hier überzeugen die Musiker mit ihrem absolut präzisen Spiel.

Natürlich dürfen die Klassiker nicht fehlen. „Attack of the mad axeman“ beispielsweise. Da entlädt sich erstmals ein wahres Gitarrengewitter über den Fans. Es ist die Vorbereitung auf Schenkers Paradestück. „Rock bottom“, der alte UFO-Titel, ist genau auf Schenkers Gitarrenspiel zugeschnitten. Ein klassisches Riff mit einer einprägsamen Hookline – dann setzt der 55-Jährige zu einem über zehnminütigen Solo an, bei dem sein ganzes Können aufblitzt. Von bluesigen Elementen wechselt Schenker zu klassischen Einschüben, dann perlen rasend schnelle Tonfolgen, die aber so leicht klingen, wie aus dem Ärmel geschüttelt

„Doctor, doctor“, der von Michael Schenker geschriebene größte Hit von UFO, ist ein Rock-Knaller par excellence. Die Fans singen mit, kennen jede Zeile. Direkt an der Bühne schwenkt ein junger Mann euphorisch-wild seine Jacke im Takt. Die Musiker verneigen sich ein letztes Mal – und Michael Schenker huscht ein Lächeln übers Gesicht.

Vielleicht 500 Fans dürften nach Ela, Colour Rain und Rahel Fischer noch bis zu Michael Schenkers Auftritt gewartet haben. Etwas wenig vielleicht angesichts des Könnens von Schenker. Die Band, die auch schon auf so großen Festivals wie in Wacken vor Zehntausenden von Fans gespielt hat, lässt sich das nicht anmerken. Denn das Publikum in Ratshausen jubelt, freut sich, klatscht begeistert. Die meisten ahnen, dass sie Zeugen eines grandiosen Gigs waren. Und die Musiker wissen, was sie an ihren treuen Fans haben. Echter Rock 'n' Roll ist eben keine Frage der Massentauglichkeit.

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