„Kanada brachte mir Glück“
Markus Scheus Memoiren: Der „amerikanische Traum“ wurde wahr
Albstadt-Ebingen, 18.06.2010 von Dagmar Stuhrmann
1952 war Markus Scheu 23 Jahre alt. Heute, mit 81, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, auf sein Leben zurückzublicken. Drei Jahre lang schrieb er an seiner Autobiographie, die er nun im Selbstverlag herausbrachte. Seine Erlebnisse sind in einer Hinsicht exemplarisch: Wie viele andere verließ er in den 50er Jahren seine deutsche Heimat, um im fernen Kanada seine Zelte aufzuschlagen. Nicht alle, die es ihm gleichtaten, hatten jedoch dabei Erfolg. Markus Scheu dagegen fand sein Glück: „Ich hatte damals, als ich ging, drei Dollars in der Tasche,“ erzählt er. Heute ist er Millionär.
Wie er das geschafft hat? Seine Antwort darauf ist immer dieselbe: „Mein Elternhaus gab mir das Werkzeug und zeigte mir den Weg. Unternimm etwas, schau zu, dass etwas geschieht, der Rest folgt von selbst. Es wird dich wundern, wie es dann aufwärts geht.“ Geschenkt wurde ihm nichts. Harte Arbeit, manchmal 16 Stunden am Stück, Hungerlohnjobs, Ängste, Entbehrungen, Krankheit, eine gescheiterte Ehe – das ist der Preis, den er für seinen Erfolg zahlen musste. Um so glücklicher ist er, dass er in seiner zweiten Frau Sybille, die aus Ebingen stammt, seinen „Ruhepol“ gefunden hat. Seit 1985 sind die beiden verheiratet.
„Ich arbeite auch heute noch,“ erklärt er. Gilt es doch, die Immobilien, die er besitzt, zu verwalten. Dennoch hat er einen Gang zurückgeschaltet, frönt seinem liebsten Hobby, dem Reisen, und fand tatsächlich die Muße, sein Leben zu Papier zu bringen. In erster Linie soll es ein Geschenk an seine Kinder, Enkel und Urenkel sein. „Wenn meine Memoiren bei Euch weiterleben,“ richtet er sich im Nachwort seines Buchs an seine Nachkommen, „dann ist mein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.“ Für seine Familie zu sorgen, ist sein „innigstes Bedürfnis“. Für die Menschen da zu sein, die man liebt, ist für ihn der wahre Sinn des Lebens.
Markus (oder „Max“) Scheus Lebensgeschichte ist bewegend. Ein sehr persönliches Buch, das durch die Ehrlichkeit des Verfassers besticht. Aufgewachsen in Burladingen, fasste Markus Scheu 1952 – heimlich, seine Eltern erfuhren erst drei Wochen vor seiner Abreise von seinem Plan – den Entschluss, der sein Leben verändern sollte. „Ich war damals derjenige, der die Idee hatte,“ schmunzelt Markus Scheu. Das Geld für die Schifffahrt borgte sich der gelernte Friseur von einem Freund, von einer Nachbarin bekam er drei US-Dollars – „das war mein einziger Besitz.“ Ohne Sprachkenntnisse kamen die drei an, schlugen sich bis zu einer Farm in Saskatchewan durch. „Man musste einen Arbeitsplatz nachweisen und auch, dass man die Fahrt dorthin bewerkstelligen konnte,“ erzählt Markus Scheu, „sonst hätte man kein Visum bekommen.“
Die nächste Station war Calgary. In einem Schlachthaus fand er Arbeit, an den Wochenenden baute er mit einem Freund ein Haus, das er, als der Rohbau stand, verkaufte. Er eröffnete sein erstes Friseurgeschäft, fing eisern an zu sparen. Ein paar Jahre später hatte er fünf Friseursalons und 22 Angestellte. Im Fernsehen bekam er seine eigene „Haarmoden-Show“. Nebenbei begann er, in Immobilien zu investieren. In diese Jahre fiel die Scheidung von seiner ersten Frau. Er war am Boden, verkaufte seine Geschäfte und ging auf Weltreise – ein Traum, den er sich schon lange erfüllen wollte. Danach kehrte er für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Doch er zog ihn zurück nach Kanada. Er wurde Bauunternehmer, baute Mietwohnblöcke, verkaufte sie, wandte sich gewerblichen Bauten zu und erstellte schließlich Einkaufszentren, die er zusammen mit seiner Frau vermietet und verwaltet – per Computer, von jedem Teil der Welt aus, in dem sich das Paar gerade befindet. „Wir kommen regelmäßig, fast jedes Jahr, für ein paar Wochen nach Ebingen, um die Familie zu besuchen,“ erzählt Sybille Scheu, geborene Guffarth. Allerdings nicht im Winter: Den verbringen sie lieber in wärmeren Gefilden im kalifornischen Palm Springs.
