5:0 für AC/DC
Stuttgart, 17.06.2010 von Roland Beck
Nach 8 Minuten gingen die SMS-Meldungen wie ein Lauffeuer über den Wasen: 1:0 für Deutschland durch Podolski. Da stand es aber auch schon 1:0 für AC/DC durch den Doppelpass von Angus Young und Brian Johnson. In Sekunden starteten die beiden durch von Null auf Hundert. Normalerweise teilen sich sowohl Fußball- als auch Rockstars ihre Kondition gut ein. Diese soll ja auch für rund zwei Stunden reichen. Der Start von Angus deutete auf einen Herzinfarkt nach 10 Minuten hin. Doch bis zum Schluss sprintete der 55-jährige Gittarist über die Bühne und spielte sich regelrecht in Ekstase. Nach wenigen Songs hatte er seine obligatorische Schuluniform durchgeschwitzt und begann zum Klassiker „The Jack“ zu strippen. Bis auf seine Shorts. Kurz zeigt er seinen Fans die Rückansicht seiner Unterhose mit dem Band-Logo – 2:0 für AC/DC, 2:0 für Deutschland durch Klose.
15 Minuten Halbzeitpause für die Jogi-Elf, 20 Minuten für Sänger Brian Johnson. Denn so lange dauerte das Solo von Angus Young: Er krümmt sich, er windet sich, er zappelt auf dem Rücken. Nur selten öffnet er seine Augen. Wenn Diego Maradonna in Sachen Fußball den Ausdruck „die Hand Gottes“ für sich beansprucht, so gebührt dieser Titel Angus Young unter den Gittaristen. Die Menge jubelt. 3:0 für AC/DC, 3:0 für Deutschland durch Müller. Zwei Minuten später „Hells Bells“ – die riesige Glocke wird vom Bühnendach abgelassen. Der 63-jährige Brian Johnson hängt am Klöppel und zelebriert den Super-Hit von 1980. 4:0 für AC/DC, 4:0 für Deutschland durch Cacau.
Neben einigen wenigen Songs Ihres aktuellen Albums „Black Ice“ zelebrierten die Australier vor allem Hits der älteren Generation. Egal. Ein richtiger AC/DC-Fan kann sowieso jeden Song mitsingen. Stuttgart hat das bewiesen und Young & Johnson dankten es beim Fußball-Konzert-Stand von 4:4 mit der Verlängerung: „For those about to rock – we salute you“. 70.000 grüßen zurück mit ausgestreckten Armen und Zeige- und kleiner Finger. Australien kontert von der Bühne mit Salutschüssen aus zwölf Kanonen und einem Brillantfeuerwerk im Nachthimmel. 5:0 für AC/DC auf dem Wasen, 4:0 für Deutschland auf dem Rasen. Für die Fans sozusagen ein siegreiches Unentschieden. Denn was kann es Besseres geben als ein Konzert der Superlative in Kombination mit einem fulminanten WM-Auftakt.
