Ärzte warnen: „Wir bluten aus“
Zollernalbklinikums-Ärzte protestieren erstmals vor Ort in Balinger Fußgängerzone
Zollernalbkreis, 28.05.2010 von Klaus Irion
„Wir bluten aus!“ Mit diesen drastischen Worten machten die acht Ärzte – Chirurgen wie Internisten der beiden Krankenhäuser Balingen und Hechingen – vier Stunden lang auf die Missstände im Klinikwesen aufmerksam. Die Sympathien der meisten Bürger scheinen sie dabei auf ihrer Seite zu haben. „Wir haben durchweg positive Resonanz erfahren“, sagt Dr. Andrea Hoßfeld vom Klinikum Hechingen. Ausbluten steht bei den Ärzten für „5000 unbesetzte Stellen in deutschen Kliniken“, für „3065 Ärzte, die 2008 ins Ausland abgewandert sind“. Aber auch für im Vergleich zur Tagschicht schlechter bezahlte Wochenend- und Nachtarbeit sowie Wochenarbeitszeiten von bis zu 60 Stunden.
Die Forderungen, die die Ärzte im direkten Kontakt den Balingern erläuterten, sind „eine faire Bezahlung“ und „wieder mehr Attraktivität für den Beruf des Arztes, um eine weitere Abwanderung zu verhindern.“ Nur so könne eine ordentliche Patientenversorgung gewährleistet werden.
Apropos Patientenversorgung: Die sei natürlich auch während des Streiks gewährleistet. Hoßfeld: „In den Gesprächen, die wir heute geführt haben, war dieser Punkt bei den Bürgern überhaupt kein Thema.“ Eine Einigung zwischen der Vertretung der Ärzteschaft, dem Marburger Bund, und den Arbeitgebern ist derzeit trotz aller Proteste noch nicht in Sicht. Deshalb wollen auch die Zollernalbklinikums-Ärzte weiter am Ball bleiben. Kommende Woche sei noch einmal eine größere Aktion in Sindelfingen. Doch auch im Zollernalbkreis wird es laut Hoßfeld wohl noch einmal Aktionen geben.
