„Unser Beruf ist ein teures Hobby“

Hebammen aus dem Kreis beteiligen sich an Protestaktion in Stuttgart – Arbeit „für einen Apfel und ein Ei“

Zollernalbkreis, 12.05.2010 von Rosalinde Conzelmann

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Sie arbeiten „für einen Apfel und ein Ei“ – symbolisch gesprochen und können von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Jetzt wehren sich die Hebammen in ganz Deutschland und fordern die Politik zum Handeln auf.

Jutta Herrmann aus Ostdorf ist seit 23 Jahren Hebamme. Eine berufliche Entscheidung, die sie nie bereut hat, betont die Geburtshelferin, die seit sieben Jahren an der Spitze des Hebammenverbandes Zollernalb steht.

Den 5. Mai, den internationalen Hebammentag, haben sie und ihre über 40 Berufskolleginnen, bislang dazu genutzt, um in Balingen, Hechingen oder Albstadt an einem Informationsstand über ihre Arbeit zu informieren. Dieses Jahr war alles anders, denn der 5. Mai wurde vom Deutschen Hebammenverband zum Protesttag ausgerufen. In großer Zahl gingen die Hebammen in vielen deutschen Städten auf die Straße. Auch in Stuttgart auf dem Marktplatz fand eine Kundgebung statt, an der sich Jutta Herrmann und elf ihrer Kolleginnen beteiligten.

Grund zur Klage haben die Hebammen schon lange, denn ihre Einkommenssituation stagniert seit den 90-er Jahren. Vielfach geht es sogar rückwärts. Herrmann nennt die Gründe dafür: „Unsere Honorarsätze sind gleich geblieben, während die Beiträge für die Verbände sowie die Kosten für Fortbildungen, das Auto, die Ausstattung der Praxisräume und die EDV-Ausstattung ständig gestiegen sind.“ Ihr Fazit: „Unser Beruf ist zum teuren Hobby geworden.“

Zum 1. Juli werden die Versicherungen die Beiträge für die Haftpflichtversicherungen der freiberuflichen und angestellten Hebammen drastisch erhöhen. Der Bundesverband fürchtet, dass sich dadurch die finanzielle Situation für die Hebammen weiter verschärfen wird und viele zum Aufgeben gezwungen werden. Aus diesem Grund wurde der 5. Mai 2010 zum Protesttag ausgerufen.

Auch die Ostdorferin hat nach der Geburt ihrer Kinder zehn Jahre freiberuflich gearbeitet und schließlich das Handtuch geworfen, weil „finanziell nichts mehr hängen geblieben ist.“ Sie arbeitet seither im Klinikum Zollernalb in einem Team von insgesamt 19 Hebammen. „Ich kenne beide Seiten“, sagt sie. Obwohl ihre Situation einfacher ist, kämpft sie für ihre freiberuflichen Kolleginnen. „Die unbefriedigende Situation schweißt uns alle zusammen“, sagt Herrmann. Sie und ihre Kolleginnen fürchten nicht nur eigene finanzielle Einbußen, sie machen sich grundsätzlich Sorgen um den Fortbestand ihres Berufsstandes. „Gebären braucht Zeit“, sagt Herrmann. Und wenn diese Zeit fehlt, weil der bürokratische Aufwand immer mehr zunimmt, „wirkt sich das negativ auf das Geburtserlebnis und den späteren Lebensweg des Kindes aus“, sagt die Geburtshelferin. Ihr und ihren Kolleginnen liegt es sehr am Herzen, dass die werdenden Mütter und deren Familien optimal betreut werden – „vom Beginn der Schwangerschaft bis zur Stillzeit.“

Herrmann liebt ihren Beruf und bringt wie ihre Kolleginnen viel Idealismus ein. Ein Großteil der Hebammen muss seit Jahren einen Stundenlohn von 7,50 Euro hinnehmen und dies bei einer Einsatzbereitschaft rund um die Uhr. Sie alle ärgern sich über den hohen Verwaltungsaufwand. „Wir müssen vieles doppelt dokumentieren, online und handschriftlich“, sagt Herrmann. Zeit, die ihr bei der Betreuung der werdenden Mütter fehlt.

„Deshalb muss jetzt endlich etwas passieren“, sagt sie und hofft auf die Solidarität der Bürger aus dem Zollernalbkreis. Der baden-württembergische Hebammenverband will beim Bundestag eine Petition einreichen. „Wir brauchen bis in zwei Wochen 50 000 Unterschriften“, so Herrmann.

 

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Weitere Infos

Im Internet auf den Seiten www.hebammen-protest.de und www.hebammen-bw.de können die Unterschriften geleistet werden.

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