Seemänner mit Hitqualitäten
Die britische Band „Sailor“ tritt Anfang Juli beim 2. Ratshausener Open Air auf
Ratshausen, 24.04.2010 von Daniel Seeburger
Es war ein richtig frischer Wind, der da 1975 durch die Charts wehte. Neben „Girls, girls, girls“ schaffte „Sailor“ im selben Jahr einen weiteren Millionenseller. „A glass of champagne“ lief täglich mehrmals bei den einschlägigen Radiosendern und brachte der britischen Band einen weiteren Hitparaden-Erfolg.
Schon „Sailors“ erstes Album „Traffic Jam“ erreichte 1973 in Holland Goldstatus. Das zwei Jahre später erscheinende Werk „Trouble“, mit besagten zwei Superhits, machte „Sailor“ schließlich weltbekannt. Kritiker betitelten die Combo als innovativste Band der 70er-Jahre. Und das zurecht. Neben den „normalen“ Instrumenten Gitarre, Bass und Schlagzeug, führten „Sailor“ Akkordeon, Nickelodeon oder die Mandoline in die Popmusik ein und entwickelten damit einen ganz eigenen Musikstil. Die Kids stellten plötzlich fest, dass gute Musik eigentlich nie in eingefahrenen Wegen fährt.
In den 80er-Jahren wurde es immer stiller um die Musikgruppe, die sich schließlich trennte. Die Mitglieder beschritten fortan Solopfade. Henry Marsh schrieb Musik fürs Fernsehen, Grant Serpell unterrichtete Chemie, George Kajanus begründete die Gruppe „Data“ und Phil Pickett ging zu „Culture Club“ und war dort mitbeteiligt am Welthit „Karma Chameleon“.
1989 landeten die wieder erstandenen „Sailor“ mit „The Secretary“ und „La Cumbia“ weitere Riesenhits. 1995 verließ George Kajanus die Band und startete eine Solokarriere. Er wurde durch Peter Lincoln ersetzt, der bis dato Sologitarrist und Background-Sänger bei Cliff Richard war. „Sailors“ Konzerte sind nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide. Die Fans dürfen sich immer über ein kleines bisschen Theaterspiel mit witzigen Bühnenbildern, Hafenkulissen, Straßenlampen oder Palmen freuen. Damit gehen sie zurück zu ihren Ursprüngen Anfang der 70er- Jahre. Damals spielte „Sailor“ als hauseigene Band in einem Pariser Nachtclub. Der Eigentümer verlangte, dass die Jungs als Reminiszenz an einen Matrosen, der ihm Jahre zuvor das Leben gerettet hatte, in Seemanns-Outfit auftraten.
Die Musik von „Sailor“ hat bis heute nichts von ihrer Frische und ihrer Pep verloren. Dazu kommt eine Prise Exotik und Seemanns-Romantik.
Beim Ratshausener Open Air treten „Sailor“ zusammen mit „Middle of the road“, „Boney M.“, der früheren Stimme der Manfred Manns Earthband Chris Thompson, „T. Rex“ und „Sweet“ auf.
Ein besonderes Schmankerl: Sollte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika bis ins Viertelfinale vordringen, ist „Public Viewing“ angesagt. Das Spiel wird, falls es am 3. Juli stattfinden sollte, auf einer Großleinwand auf dem Festivalgelände übertragen.
