Klassische Cowboys

Stuttgart, 15.04.2010 von Roland Beck

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Passen Country-Rock und Klassik zusammen? Nein? Doch! Genauso wie Erdbeeren und grüner Pfeffer. Das haben The Boss Hoss bei ihrem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle gezeigt. Die sieben Berliner Großstadt-Cowboys touren zur Zeit durch Deutschland mit ihrem neuen Album "Low Voltage" im Gitarrenkoffer. Mit dabei das Babelsberger Filmorchester und der Berliner Bläsersatz "The Tijuana Wonder Brass".

"Wir garantieren die eindrucksvollste Boss-Hoss-Show aller Zeiten", versprechen die Jungs aus Prenzlauer Berg auf ihrer Homepage. Rund 1400 Fans wollten sich nun beim Auftaktkonzert in der Landeshauptstadt davon überzeugen lassen. Zuerst aber die große Irritation: Ein bestuhltes BossHoss-Konzert? Das gab es noch nie. Steht die Band doch für Party und Tanzen. Sollte sich das Publikum nun die "eindrucksvollste Show aller Zeiten" nur als brave Couch-Potatoes anhören? Das Bühnenbild mit Stehlampen und Beistelltischchen erinnerte an ein altmodisches Wohnzimmer aus den 1950ern. Im Hintergrund das 20-köpfige Klassik-Ensemble in Anzug mit Krawatte verstärkte den konservativen Charakter.

Aber der Sound setzte den Kontrapunkt. Zwar ein bis zwei Takte langsamer als gewohnt, wurde die rockige Boss-Hoss-Power durch die Dramatik der Klassik-Begleitung doch noch verstärkt.

In "Low Voltage" stecken keine neuen Songs. Es sind die alten, bekannten Lieder, zu denen jeder BossHoss-Fan mitsingen kann. "Low Voltage bedeutet: reduziert aufs Wesentliche, ohne viel Strom, dafür mit großartiger akustischer Unterstützung. Da ist auf jeden Fall auch Rock'n'Roll drin", erklären die beiden Band-Chefs Hoss und Boss im Interview. Der musikalische Mix zwischen Trash, Country, Punk, Rock und Geige mit Trompete und Saxophon setzte einen mitreißenden Sound frei mit Elementen von BigBand und Jazz.

Es dauerte keine halbe Stunde, bis die Liederhalle von der Eigendynamik zwischen Band und Publikum eingenommen wurde. Kurz darauf hielt es das Parkett nicht mehr auf seinen Stühlen. Das gab es in der renommierten Stuttgarter Konzerthalle wohl noch nie. Das Publikum tanzend direkt an der Bühne auf Tuchfühlung mit den Musikern. Selbst die Platzordner und Sicherheitskräfte ließen freien Lauf ­ war doch die Stimmung partymäßig ausgelassen und entspannt.

Selbstverständlich holten die Hauptstadtcowboys auch wieder weibliche Fans auf die Bühne, und Sänger Boss nahm ein Bad in der Menge. Die Chemie stimmte. The Boss Hoss hatten sichtlich ihren Spaß. Auch die Klassik-Musiker verfielen dem Partyrausch, tanzten mit und brachten sich mit virtuosen Soli in die zweieinhalbstündige Jam-Session ein.

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