Mix-Künstler: Tiefschwarz

Rottweil, 18.03.2010 von Bernd Haase

Anzeige
Wer im Bereich der elektronischen Musik "Tiefschwarz" sieht, darf sich glücklich schätzen, denn unter diesem Namen haben sich die aus Stuttgart stammenden Brüder Alexander und Sebastian Schwarz Weltruhm erspielt. Alexander Schwarz sprach mit Bernd Haase über die Kunst des Remixes, geschwisterliche Zusammenarbeit und das Feuer auf der Tanzfläche.

Seit 20 Jahren mit seinem Bruder zusammen zu arbeiten, das ist für viele unvorstellbar. Wie ist das bei Euch: Qual oder Hochgenuss?

Alexander Schwarz: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Es wäre vermessen zu sagen, wir würden nie streiten. Wir sind ja schließlich keine Roboter ­ und ich fände es fraglich, wenn wir uns nie streiten würden. Aber es gibt neben dem Familienaspekt auch eine gewisse  Professionalität: Wir haben immer besser gelernt, konstruktiv damit umzugehen. Schließlich geht es
ja meistens um die Sache.

Braucht der kreative Prozess nicht auch Reibung?

Schwarz: Wir sind ja jeder für sich genommen sehr unterschiedlich. Wenn man das zulassen kann, kommt durch die unterschiedlichen Aspekte die Würze hinzu ­ gerade wenn es um Musik geht.

Ihr habt gerade intensiv zusammen gearbeitet an Eurem neuen Album "Chocolate" (VÖ Mai / Juni). Was kann man Neues erwarten?

Schwarz: Wir sind  nach wie vor im Bereich House und Techno unterwegs. Aber für uns ist das Ergebnis unglaublich stimmig. Ich würde sagen, es ist das ehrlichste Projekt, an dem wir gearbeitet haben. Wir sind angekommen bei einem Sound mit unserer eigenen Handschrift. Das Album ist eine Melange aus Deep House, Vocal Tracks, straightem Techno, gebrochenen Beats, ohne dass Breakbeats daraus geworden sind. Auch ein Stück ganz ohne Beats ist dabei. Wir werden zusätzlich eine Bonus EP mit dem Titel "More Chocolate" als Abrundung des Albums zum Club hin herausbringen.

Was ist schöner: Musik zu produzieren oder aufzulegen?

Schwarz: Meistens immer das, was man gerade nicht macht. Ich habe die letzten drei Wochenenden in England, Amsterdam und Italien aufgelegt, und zwar in mittelgroßen Clubs. Das waren ausnahmslos tolle Gigs. Da merkt man, dass selbst nach so vielen Jahren noch das Feuer am Lodern ist. Zu Produzieren ist dagegen das Bonbon, das man sich irgendwo verdient hat. Im
Januar zum Beispiel haben wir den ganzen Monat unser Album verfeinert, anstatt wie üblich Urlaub zu machen.

Ist es schwerer oder leichter, fremde Titel zu remixen?

Schwarz: Manchmal geht¹s schnell, manchmal pfriemelt man sich einen ab. Wichtig ist, dass einem das Original etwas sagt, sonst geht es gar nicht. Es muss einem nicht unbedingt gefallen, aber der Künstler sollte eine gewisse Bedeutung haben oder die Musik muss für sich sprechen. Wir machen ohnehin eher Additional Productions als Remixe, weil wir ausschließlich die Vocals verwenden.

Der Begriff Remix hat im Kulturbetrieb eine ganz neue Bedeutung gewonnen seit der Diskussion um den Roman "Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann, die große Teile des Blogger-Romans "Strobo" von Airen verwendet hat. Ist der Remix die Kunst des 21. Jahrhunderts?

Schwarz: Zumindest in der Popmusik ist er ein absolut etablierter Bestandteil. Hier  hat er auch nicht mehr so die Besonderheit wie früher, weil durch die Technik alles einfacher geworden ist und viele es machen können. Etwas Besonderes ist der Remix in der Popmusik dann, wenn er besonders gut gelungen ist.

Das ist aber nicht nur in der Elektromusik der Fall. Viele Indie-Bands machen oft ja auch nichts anderes, als frühere Künstler ­ wenn man so sagen will ­ zu remixen.

Schwarz: Das sind alles Zitate, keiner erfindet alles neu. Hier geht es um die Abgrenzung zum Original, es geht um Dein Zitat, Deine Melange, es geht um die Kunst, auch die Klassiker immer wieder neu zu interpretieren. Das ist wie beim Kochen, das erfindet auch keiner neu. Du probierst am Herd etwas Neues aus mit Fleisch und Kartoffeln, und plötzlich sind alle begeistert,
obwohl sie schon vorher Fleisch und Kartoffeln kannten. Das selbe gilt für die Kunst, den Film und vor allem die Mode. Der richtige Filter, das richtige Mischverhältnis ist wichtig.

Am Samstag, 20. März, seid Ihr im Rottweiler Kraftwerk zu Gast.

Schwarz: Da haben wir schon aufgelegt. Aber das ist viele Jahre her, da kann ich mich leider nicht mehr richtig daran erinnern.

Was kann man erwarten: Habt Ihr was geplant? Oder macht Ihr das spontan?

Schwarz: Beim Auflegen kommt immer alles spontan aus dem Bauch heraus. Aber wir haben unser Set so breit aufgestellt, dass wir auch immer auf die Stimmung des Publikums reagieren können. Und wir werden ­ jetzt mit dem neuen Album und einigen neuen Remixen ­ viel neues Material spielen.

Optionen

Bilder (1)

Weitere Infos

Tiefschwarz legen am Samstag, 20. März, 21 Uhr, bei der Beats 2010 im Rottweiler Kraftwerk auf.

Schlagworte

Ähnliche Artikel

Anzeige
Anzeige

PROBE LESEN

Der ZAK bei Facebook