HBW erlebt blau-weißen Albtraum

Handball-Bundesliga: Höchste Saisonniederlage für Balingen-Weilstetten – Zehn Pfahl-Tore

Gummersbach, 15.03.2010 von Marcus Arndt

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Chancenlos war der Balinger Handball-Bundesligist beim VfL Gummersbach: Mit 22:35 (10:18) unterlag der HBW im Oberbergischen Land. Trotz der Klatsche sah HBW-Coach Rolf Brack positive Ansätze.

„Es mag komisch klingen“, räumte der Sportwissenschaftler von den Fildern unumwunden ein, „aber ich kann mit dem Ergebnis leben – es hätte auch schlimmer kommen können.“ Auch Manager Benjamin Chatton war nicht unzufrieden: „Gegenüber dem Dormagen-Spiel war es eine ganz andere Körpersprache. Die Mannschaft hat sich auch bei einem klaren Rückstand nicht hängen lassen.“

Dennoch: In dieser Form wird es der HBW sehr schwer haben, gegen Schlusslicht Minden die Trendwende nach fünf Niederlagen in Folge zu schaffen. EHF-Cupsieger Gummersbach zeigte den abstiegsbedrohten Schwaben bereits in den ersten 30 Minuten doch deutlich ihre Grenzen auf. „Dieser Rückraum war nicht zu verteidigen“, analysierte der HBW-Trainer, nachdem die Hälfte der VfL-Tore auf das Konto von Vukovic & Co. ging. Ohne Zweifel war der Altmeister – mit dem zweikampfstarken Geoffroy Krantz für den kühlen Strategen Viktor Szilagy in der Mitte – taktisch und individuell den Balingern klar überlegen, doch wie schon vor Wochenfrist gegen Dormagen zeigte der Tabellen-16. eklatante Schwächen in allen Mannschaftsteilen: Die Keeper bekamen kaum einen Ball zu fassen, die Abwehr kam zu oft einen Schritt zu spät – und im Angriff, ja im Angriff fiel der Truppe von Trainer Dr. Rolf Brack nicht viel ein.

Dabei begannen die Balinger richtig gut: Felix Lobedank mit einem Doppelpack aus dem Rückraum und Rock Feliho mit einer feinen Einzelleistung konterten zunächst die Gummersbacher Führung (3:3 / 5.). Dass dann auch noch Nikola Marinovic einen Siebenmeter von Vedran Zrnic parierte, spielte den Schwaben in die Karten. Eigentlich! Es folgten jedoch zehn torlose Minuten des HBW – und Gummersbach führte nach 15 Minuten mit 8:4. Brack versuchte es in der Folgezeit mit dem siebten Feldspieler, doch die taktischen Winkelzüge des Sportwissenschaftlers griffen nicht. Im Gegenteil: Die Balinger fielen weiter zurück (5:13 / 22.). „Die stehen immer einen halben Meter im Kreis“, haderte der Balinger Coach mit einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen, welche gegen die kompakte Defensivabteilung der Oberbergischen in Durchgang eins nicht eine Zeitstrafe verhängten und nur einmal auf Siebenmeter entschieden. Dennoch kam Balingen-Weilstetten nach einem 3:0- Lauf wieder auf 9:14 heran (26.), ehe die Rheinländer in den Schlussminuten der ersten Hälfte für klare Verhältnisse sorgten. „Da waren wir wieder dran“, ärgerte sich Chatton, doch wie schon so oft in den vergangenen Wochen ließ der Aufsteiger von 2006 zu viele Chancen liegen. „Unabhängig von der Klasse eines Goran Stojanovic“, betonte Brack, „wir haben einfache Abschlüsse verworfen. Von einem Bundesliga-Spieler kann ich erwarten, dass er das eine oder andere Tor aus guter Wurfposition macht.“

Doch immer wieder scheiterten die Schwaben am VfL-Ausnahmekönner, während die HBW-Torsteher nur ganz selten das Spielgerät berührten. „Es wäre zu einfach, die Schuld bei Marinovic und Zoubkoff zu suchen“, nimmt Chatton seine Keeper in Schutz, „das Zusammenspiel zwischen Torhüter und Abwehr ist entscheidend – und das stimmt im Moment nicht.“ Adrian Pfahl, mit zehn Treffern bester VfL-Angreifer, sorgte nach 33 Minuten für die erste Zehn-Tore-Führung des früheren deutschen Rekordmeisters, der auch in der Folgezeit das klar bessere Team stellte. „Eine richtig gute Mannschaft mit sehr guter Grundphilosophie im Angriff“ sah Brack, der auch nach dem Seitenwechsel nichts unversucht ließ, doch stets war Gummersbach trotz der kurzen Vorbereitungszeit bestens gewappnet. Logische Konsequenz: Der VfL, der in der Defensive weiter Beton anrührte, baute den Vorsprung sukzessive aus: zunächst auf 25:12 (42.). In doppelter Überzahl betrieb der HBW noch etwas Ergebniskosmetik, doch der Rückstand blieb weiterhin zweistellig (16:27 / 48.). Entscheidend konnte Balingen nicht mehr verkürzen. Auch als Sead Hasanefendic seine Ergänzungsspieler auf die Platte schickte, blieb Gummersbach am Drücker und ließ nach dem 22:33 durch Frank Ettwein noch zwei weitere Treffer folgen.

Der VfL-Trainer freute sich am Ende über eine geschlossene Mannschaftsleistung: „Ich bin selten sehr zufrieden, aber heute bin ich es.“ Brack blieb nach der höchsten Saisonniederlage nur die bittere Erkenntnis: „Form ist auch Kopfsache. Und im Moment liegen wir bei 80 Prozent unseres Leistungsvermögens. So haben wir gegen Gummersbach keine Chance . . . “

 

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